{"id":1203,"date":"2009-11-22T19:31:44","date_gmt":"2009-11-22T18:31:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/?p=1203"},"modified":"2009-11-22T19:32:49","modified_gmt":"2009-11-22T18:32:49","slug":"emily-und-edie-retteten-ihre-wilden-babys","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/emily-und-edie-retteten-ihre-wilden-babys\/","title":{"rendered":"Emily und Edie retteten ihre wilden Babys"},"content":{"rendered":"<p>Die extreme D\u00fcrre dieses Jahres hat allen Wildtieren schwer zugesetzt, ganz besonders aber den Jungtieren, deren M\u00fctter in diesen Zeiten nur noch wenige Reserven zur Verf\u00fcgung haben, um ausreichend Milch zu geben. Die traurige Konsequenz ist, dass die K\u00e4lbchen verhungern, was in diesem Jahr im gesamten Land (in Tsavo, Amboseli, Laikipia und im ohnehin sehr trockenenen Norden) zu gro\u00dfen Verlusten in den Elefantenfamilien f\u00fchrte. Eine weise alte Elefantenleitkuh, davon gibt es nach den Jahrzehnten des Elfenbeinhandels nur noch wenige, verf\u00fcgt vielleicht \u00fcber die Erfahrung, ihre Herde durch harte Zeiten wie diese zu bringen, weil sie selbst schon eine solch schwere D\u00fcrre miterlebt hat. Ein von Menschenhand aufgezogenes Elefantenbaby konnte diese Erfahrungen nat\u00fcrlich nicht machen und ist daher besonders gef\u00e4hrdet, wenn sich die Lebensbedingungen so versch\u00e4rfen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"nov4\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov4_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"173\"\/><\/a> <\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Viele Elefanten im S\u00fcden des Nationalparks Tsavo-Ost haben in diesem Jahr die Grenzen des Schutzgebietes auf der Suche nach Futter und Wasser \u00fcberquert. Auch unsere ehemaligen Sch\u00fctzlinge, die zuerst in der Nairobi Nursery aufgep\u00e4ppelt und sp\u00e4ter in Voi ausgewildert wurden, ziehen mit den wilden Herden. Zwei von ihnen sind <b>Emily<\/b> und <b>Edie<\/b>, die inzwischen 14 beziehungsweise 10 Jahre alt sind. <\/p>\n<p>Im zarten Alter von einem Monat kam <b>Emily<\/b> zu uns in die Nursery. <b>Edie<\/b> war bei ihrer Ankunft bereits vier Monate alt und hatte ihre Mutter durch Wilderer verloren. Sie wurde aus Lewa Downs in Nordkenia zu uns gebracht. Beide wurden in der Nursery aufgezogen und sp\u00e4ter in Voi ausgewildert, wo die Leitkuh vieler anderer junger Elefantenwaisen wurde, die sp\u00e4ter folgten. Eines Tages machte sie deutlich, dass sie nachts nicht l\u00e4nger im Stall eingesperrt werden wollte, sondern bereit f\u00fcr die Wildnis war. Sie traf diese Entscheidung v\u00f6llig selbst\u00e4ndig und zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl. <b>Edie<\/b> und alle anderen Waisen der Gruppe waren v\u00f6llig zuversichtlich, dass sie zusammen mit <b>Emily<\/b> ihre Menschenfamilie verlassen k\u00f6nnen.Von da an lebten sie unter den wilden Herden Tsavos. Mit einigen waren sie sogar schon seit ihrer Kindheit befreundet, als sie noch t\u00e4glich mit ihren Keepern die Savanne durchstreiften. <\/p>\n<p>Am 10. Dezember 2008 kehrte <b>Emily<\/b> zur\u00fcck zu den Voi-Stallungen und brachte ihr erstes (von einem wilden Elefantenbullen gezeugtes) Baby zur Welt. Zwei wilde K\u00fche leisteten ihr als Hebammen bei der Geburt Beistand und auch einige der K\u00fche aus der Waisengruppe waren bei ihr. Die Keeper wurden zuf\u00e4llig Zeugen des Geschehens, durften sich <b>Emily<\/b> allerdings nicht n\u00e4hern. Daf\u00fcr sorgten die beiden wilden Hebammen, die die werdende Mutter vehement abschirmten. <b>Emilys<\/b> Baby wurde am sp\u00e4ten Abend des 10. oder in den fr\u00fchen Morgenstunden des 11. Dezembers 2008 geboren. Es war ein kleines Weibchen, und wir nannten sie \u201eEve\u201c. Die beiden wilden Geburtshelferinnen blieben noch zwei Tage bei Mutter und Kind, und als sie verschwunden waren, beschloss <b>Emily<\/b>, ihr geliebtes Baby in die Voi-Stallungen zu bringen und es ihrer menschlichen Familie zu zeigen. Sie erlaubte ihnen sogar, es anzufassen, als es versehentlich stolperte und in die Stalltr\u00e4nke fiel. Den Keepern geb\u00fchrte anschlie\u00dfend sogar das gro\u00dfe Privileg, mit der ganzen Elefantengruppe zur\u00fcck in den Busch zu laufen. Die Miniaturausgabe eines Dickh\u00e4uters turnte w\u00e4hrenddessen verspielt um ihre Beine. Das Vertrauen, das den Keepern durch <b>Emily<\/b> und die anderen Waisen entgegengebracht wird, ist r\u00fchrend, bewegend und etwas ganz Besonderes. Dabei merken wir jedoch jedes Mal wie \u00e4hnlich uns die grauen Riesen sind. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend eines Routine-Streifganges im Mai 2009 stie\u00dfen die Keeper auf alle unserer Waisen, die sich mit vielen wilden Elefanten auf dem Gel\u00e4nde der (elefantenfreundlichen) Ngutuni Ranch am Rande des Parks aufhielten. Wir stellten gl\u00fccklich fest, dass nun auch <b>Edie<\/b> (ebenfalls in <b>Emilys<\/b> Gruppe) ein Neugeborenes bei sich hatte! Wir nannten die kleine Elefantenkuh <b>Ella,<\/b> und beide Babys spielten vergn\u00fcglich zusammen und erfreuten sich bester Gesundheit. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"nov2\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov2_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"173\"\/><\/a>  <\/p>\n<p>Vier Monate sp\u00e4ter, im Oktober 2009, ging die anhaltende D\u00fcrre jedoch nicht mehr spurlos an den Elefantenk\u00e4lbchen in Tsavo vor\u00fcber. T\u00e4glich spielten sich tragische Szenen ab, von denen unsere Keeper einige mit der Kamera festhielten. So fanden sie zum Beispiel einen 6- bis 7-j\u00e4hrigen Elefanten, der sich am Boden wand und zu schwach war, wieder aufzustehen. Ein ausgewachsener Dickh\u00e4uter, der zum Trinken kam, stand traurig und hilflos neben dem Halbw\u00fcchsigen und war sich offenbar bewusst, wie nah dieser bereits dem Tod war. Unsere Keeper halfen dem Halbw\u00fcchsigen beim Aufstehen, und er machte sich auf wackligen Beinen davon. Wer wei\u00df, ob er es geschafft hat. Jedoch sind genau solche Szenen in diesem Jahr an der Tagesordnung. <\/p>\n<p>Anfang Oktober kehrte <b>Edie<\/b> mit ihrem K\u00e4lbchen zu den Voi-Stallungen zur\u00fcck. Ihr Baby war d\u00fcnn und gebrechlich, ihre Wangen- und H\u00fcftknochen standen deutlich hervor. <b>Edie<\/b> wurde von einigen anderen Mitgliedern der ehemaligen Waisengruppe begleitet: <b>Mweya<\/b>, <b>Irima<\/b> und <b>Morani<\/b>. Die Keeper gaben ihr nun t\u00e4glich eine Extraportion Gr\u00fcnfutter, Kopra-Kuchen und Milchw\u00fcrfel um ihre Milchproduktion anzukurbeln. Nur wenig sp\u00e4ter konnte man bereits sehen, dass das K\u00e4lbchen an Gewicht zulegte. Es hat uns tief beeindruckt, dass <b>Edie<\/b> ihr Baby offenbar ganz bewusst zu uns brachte als es Hilfe brauchte, denn zuvor war sie fast ein ganzes Jahr nicht mehr an den Stallungen gewesen. Kurze Zeit sp\u00e4ter fielen einige kurze Regenschauer. Nicht ann\u00e4hernd genug, aber ausreichend um ein bisschen Gr\u00fcn in die trockene Landschaft zu zaubern. <\/p>\n<p>Die Keeper ahnten jedoch nicht, dass <b>Emily<\/b>, die sich zur gleichen Zeit mit den anderen Waisen auf der Ngutuni Ranch aufhielt, ebenfalls Hilfe brauchte. Ganz offensichtlich hatte sie sich ihren wilden Artgenossen angeschlossen und diese hatten sich den Waisen angenommen, damit sie ausreichend Futter und Wasser bekommen. <b>Emily<\/b> schaffte es jedoch nur bis zur Voi Safari Lodge, denn die kleine <b>Eve<\/b> konnte keinen Schritt mehr vor den anderen setzen. Obwohl es inzwischen wieder etwas gr\u00fcner wurde, hatte die Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen. Sie war extrem abgemagert und v\u00f6llig ersch\u00f6pft, und als die Keeper sie so fanden, benachrichtigten sie uns sofort in Nairobi \u00fcber den schlechten Zustand von Emilys Baby, das zwischen den Versuchen, Milch zu s\u00e4ugen, immer wieder zusammenbrach. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"nov3\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov3_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"173\"\/><\/a>  <\/p>\n<p>Es blieben uns zwei M\u00f6glichkeiten: Wir konnten versuchen, <b>Emilys<\/b> K\u00e4lbchen in der Nairobi-Nursery aufzuziehen. Das setzte allerdings voraus, <b>Emily<\/b> zu bet\u00e4uben und ihr ihr Baby wegzunehmen. Damit h\u00e4tten wir ihr Vertrauen f\u00fcr immer auf&#8217;s Spiel gesetzt. Eine weitere Option war, sie (wie <b>Edie<\/b>) in die Voi-Stallungen zu bringen und dort aufzup\u00e4ppeln. Wir entschieden uns f\u00fcr Letzteres. <\/p>\n<p>Die Keeper waren in der Zwischenzeit in die Stallungen zur\u00fcckgekehrt und hatten ein paar (f\u00fcr <b>Edie<\/b> bereitgestellte) Milchw\u00fcrfel und Keeper Mishak Nzimbi abgeholt. Er ist der Liebling aller Elefantenwaisen und kennt <b>Emily<\/b> schon seit dem Tag ihrer Ankunft in der Nursery. Wenig sp\u00e4ter trafen sie bei <b>Emily<\/b> und <b>Eve<\/b> in der Voi Safari Lodge ein, wo Mishak liebevoll von ihr begr\u00fc\u00dft wurde. <b>Emily<\/b> labte sich dann an Milchw\u00fcrfeln und Kopra-Kuchen (aus Kokosnuss), bevor die anstrengende Reise zur\u00fcck zu den Voi-Stallungen begann. Sie dauerte ganze sechs Stunden f\u00fcr eine Strecke von nur wenigen Kilometern. Aber die kleine <b>Eve<\/b> war so geschw\u00e4cht, dass der Wanderzug viele Erholungspausen einlegen musste und die Keeper schon bef\u00fcrchteten, dass das Baby zusammenbrechen und seinen ersten Geburtstag nicht mehr erleben w\u00fcrde. Am Ende des Tages hatten sie es geschafft und in den Stallungen angekommen, wurde <b>Emily<\/b> gef\u00fcttert und getr\u00e4nkt, und nur wenig sp\u00e4ter gesellten sich auch <b>Edie<\/b> und ihr K\u00e4lbchen dazu, mit <b>Mweya<\/b>, <b>Irima<\/b>, <b>Morani<\/b> und <b>Lesanjus<\/b> Gruppe (9 weitere Ex-Waisen, die erst k\u00fcrzlich in die Wildnis zur\u00fcckgekehrt sind). Da sich alle (Ex-) Waisen <i>einer<\/i> gro\u00dfen Familie zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, begr\u00fc\u00dfen sie sich immer besonders herzlich und ausgiebig. <b>Lesanjus<\/b> Gruppe (den anderen noch relativ unbekannt) wurde einfach mit in den Familienkreis aufgenommen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"nov1\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2009\/11\/nov1_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"173\"\/><\/a>  <\/p>\n<p><b>Emilys<\/b> Baby <b>Eve<\/b> ging es deutlich schlechter als <b>Ella<\/b>, die sich zu dieser Zeit schon wieder gut erholt hatte. <b>Emily<\/b> blieb in den n\u00e4chsten zwei Tagen in den Stallungen, wo sie von den Keepern ordentlich gef\u00fcttert wurde: mit frisch geschnittenem Gr\u00fcnfutter und Zusatzfutter, die ihre Milchproduktion in Gang bringen sollten. Man konnte fast dabei zusehen, wie <b>Eve<\/b> wieder an Gewicht ansetzte und es dauerte nicht lang, dass sie Keeper ordentlich in Schach hielt, denn sie hatte verstanden, dass diese freundlich waren und zu ihrer Elefantenfamilie geh\u00f6rten! <\/p>\n<p>Seither regnete es immer wieder in Tsavo und wir hoffen auf eine Extraportion in diesem Jahr, damit Tsavo sich wieder erholen kann. <b>Emily<\/b> und <b>Edie<\/b>, die ihre abgemagerten K\u00e4lbchen in der schweren D\u00fcrre des Jahres 2009 zu uns brachten, \u00fcberzeugten und beeindruckten uns ein weiteres Mal durch ihr Vertrauen und extrem f\u00fcrsorgliches Verhalten.<\/p>\n\n<!-- Facebook Like Button v1.9.6 BEGIN [http:\/\/blog.bottomlessinc.com] -->\n<fb:like href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/emily-und-edie-retteten-ihre-wilden-babys\/\" layout=\"standard\" show_faces=\"false\" width=\"450\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" font=\"tahoma\"><\/fb:like>\n<!-- Facebook Like Button END -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die extreme D\u00fcrre dieses Jahres hat allen Wildtieren schwer zugesetzt, ganz besonders aber den Jungtieren, deren M\u00fctter in diesen Zeiten nur noch wenige Reserven zur Verf\u00fcgung haben, um ausreichend Milch zu geben. 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