{"id":1408,"date":"2010-03-18T09:46:00","date_gmt":"2010-03-18T08:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/?p=1408"},"modified":"2010-03-18T10:02:21","modified_gmt":"2010-03-18T09:02:21","slug":"burra-besucht-die-waisen-in-voi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/burra-besucht-die-waisen-in-voi\/","title":{"rendered":"Burra besucht die Waisen in Voi"},"content":{"rendered":"<p>Jeder Elefantenwaise, der in der Obhut des Trusts aufgewachsen ist, wird nie mehr vergessen und auf ewig geliebt. Auf ewig, weil &#8211; wie meine Mutter immer zu sagen pflegte &#8211; sie uns so viel Liebe geben. Die Rettung jedes Elefantenwaisen ist ein einzigartiges Ereignis, und schon sein Name allein erinnert uns immer wieder an die Umst\u00e4nde seiner Rettung (denn schlie\u00dflich verf\u00fcgen wir Menschen nicht \u00fcber ein so langj\u00e4hriges Ged\u00e4chtnis wie die Dickh\u00e4uter). Einige Rettungsaktionen waren nat\u00fcrlich dramatischer als andere, ebenso wie einige der Waisen selbst auff\u00e4lliger als andere waren, allein durch ihre Narben, die sie ihr ganzes Leben lang von den anderen unterscheiden werden. So ein Waisenkind ist auch <b>Burra<\/b>. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra2010.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"burra2010\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra2010_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"173\"\/><\/a> <\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Nur wenige Rettungsaktionen wie diese, und wenige Elefantenwaisen waren so denkw\u00fcrdig wie <b>Burra<\/b>. So stelle man sich auch die Freude vor, als er am 13. Februar 2010 nach 2 Jahren und 2 Monaten wieder an den Stallungen in Voi auftauchte! <\/p>\n<p><b>Burra<\/b> verlor seine Familie im Jahr 2001 als er gerade acht Monate alt war. Am 13. Februar 2010 kehrte er als attraktiver, sehr auff\u00e4lliger 10-j\u00e4hriger Bulle wieder zur\u00fcck. Sein stoisches Gem\u00fct war ihm schon angeboren und deutete sich bereits w\u00e4hrend der vielen Monate an, in denen seine f\u00fcrchterlichen Wunden heilen mussten. Er brannte sich in unser Ged\u00e4chtnis als er sich wochenlang v\u00f6llig selbstlos um unsere kr\u00e4nkelnde Elefantenwaise <b>Mweiga<\/b> k\u00fcmmerte, indem er ihr Gesellschaft leistete. Sie litt an einem angeborenen Herzfehler und war zu schwach um mit den anderen Waisen ein \u201ewildes\u201c Elefantenleben zu bestehen. W\u00e4hrend ihre Altersgenossen wieder in die Wildnis zogen, blieb <b>Mweiga<\/b> in der Obhut der Keeper.  <\/p>\n<p><b>Burra<\/b> war ein Opfer des skrupellosen Wildfleisch-Handels. Er verhedderte sich in von Wilderern ausgebrachten Schlingfallen, die sich um seinen Hals und um eines seiner Ohren legten. Zu dieser Zeit war seine Mutter noch bei ihm. Sie versuchte ihn aus der Schlinge zu ziehen, die sich dabei nur noch fester zerrte, und das Metall teilte ihm sein Ohr nahezu in zwei H\u00e4lften und schnitt sich tief in seinen Nacken und um seinen Kehlkopf, so dass er fast erdrosselt wurde. Die Schlingfalle war so eng, dass er kaum schlucken konnte und gro\u00dfe Schwierigkeiten hatte, zum S\u00e4ugen an seiner Mutter den Kopf anzuheben. Es wunderte kaum, dass er binnen k\u00fcrzester Zeit extrem abmagerte und immer schw\u00e4cher wurde. Zu der Zeit, als man ihn fand, war er dem Tod n\u00e4her als dem Leben, aber trotz allem immer noch bei seiner Mutter. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra2x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"burra2x\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra2x_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"183\"\/><\/a> <br \/><em>Burra 2003<\/em> <\/p>\n<p>Seine Familie befand sich auf dem Weg in menschliches Siedlungsgebiet, das inzwischen die alten Wanderrouten der Elefanten zwischen dem Osten und Westen Tsavos abschnitt. Der Routenverlauf wurde allerdings von jeher an die n\u00e4chste Elefantengeneration weiter gegeben, so dass sich die Information ins genetische Ged\u00e4chtnis eingebrannt hat. Daher sind sie zum Spie\u00dfroutenlauf durch das Gebiet geradezu gezwungen. Die Wanderung wird von Jahr zu Jahr schwieriger, da die Bev\u00f6lkerung immer weiter w\u00e4chst und mehr und mehr Land f\u00fcr den Ackerbau in Beschlag nimmt. <\/p>\n<p>Dieses Mal schaffte es <b>Burras<\/b> Herde nicht, weil sie von einem Helikopter vom Gemeindeland zur\u00fcck getrieben wurden. <b>Burra<\/b> war zu diesem Zeitpunkt schon viel zu schwach um mit seiner panischen Familie Schritt zu halten und fiel zur\u00fcck. Die Besatzung des Hubschraubers erkannte, dass er schwer verletzt war, landete sofort und mithilfe einer Bodentruppe wurde er schnell \u00fcberw\u00e4ltigt. Alle waren geschockt vom Ausma\u00df seiner Verletzungen &#8211; drei Viertel seines Ohres waren entz\u00fcndet und eiterten, eine Metallschlinge hatte sich tief in seine Halsmuskeln eingegraben und schn\u00fcrte ihm die Kehle ab. Dicker, gelber Eiter tropfte aus den Wunden und sein K\u00f6rper befand sich in einem bemitleidenswerten Zustand &#8211; ausgemergelt und vom Schmerz gezeichnet.  <\/p>\n<p>Die Schlingfalle konnte nur sehr schwer entfernt werden, weil die Crew des Helikopters nur ein gro\u00dfes Taschenmesser dabei hatte. Es h\u00e4tte ihm gro\u00dfe Schmerzen bereitet, die Schlinge so aufzubrechen. Er wurde also auf einen Pickup geladen und musste noch eine lange, holprige Fahrt nach Voi aushalten. Dort erwarteten ihn etwa 25 weitere Elefantenwaisen, die alle \u00e4hnlich tragische Geschichten durchlebt hatten, in der Nursery aber wieder gesundet sind und sich auf dem Weg zur\u00fcck in die Wildnis nach Tsavo Ost befanden. \u00dcber Nacht wurde er in Voi untergebracht und am n\u00e4chsten Tag von einem Truck nach Nairobi gefahren, der erst am Vortag <b>Mulika<\/b> und <b>Nasalot<\/b> nach Voi bef\u00f6rdert hatte. Bei seiner Ankunft befand er sich in einem Zustand, der zu Tr\u00e4nen r\u00fchrte. Nur selten mussten wir solch furchtbare Verletzungen behandeln. <\/p>\n<p>Viele Monate Intensivpflege und Schmerzen sp\u00e4ter hatte er es jedoch geschafft. <b>Burra<\/b> war nun einmal ein sehr tapferer kleiner Elefant mit unb\u00e4ndigem Lebenswillen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/Burra_1_695_19Axxx.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"Burra_1_695_19Axxx\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/Burra_1_695_19Axxx_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"164\"\/><\/a> <br \/><em>Burra&nbsp; M\u00e4rz 2004<\/em> <\/p>\n<p>Sobald er gro\u00df und stark genug war, wurde er in die Auswilderungsstation nach Voi im Nationalpark Tsavo Ost gebracht. Dort wuchs er unter der Leitkuh <b>Emily<\/b> und in der Gesellschaft der Voi-Herde heran. Im Jahr 1995, hatte sich <b>Emily<\/b> f\u00fcr ihren Umzug in die Wildnis in ein Leben unabh\u00e4ngig von den Keepern entschlossen, und mit ihr gingen <b>Loisaba<\/b>, <b>Ilingwezi<\/b>, <b>Tsavo<\/b>, <b>Ndara<\/b>, <b>Laikipia<\/b>, <b>Salama<\/b>, <b>Aitong<\/b> und <b>Sweet Sally<\/b>. Zwei Jahre sp\u00e4ter folgte ihr die n\u00e4chste Gruppe unter <b>Natumi<\/b>, zu der <b>Edie<\/b>, <b>Icholta<\/b>, <b>Lolokwe<\/b>, <b>Mukwaju<\/b>, <b>Mvita<\/b>, <b>Irima<\/b>, <b>Sosian<\/b> und <b>Nyiro<\/b> geh\u00f6rten. <b>Burra<\/b> schloss sich drei Monate sp\u00e4ter an, und zwar gemeinsam mit <b>Thoma<\/b>, <b>Mweya<\/b>, <b>Solango<\/b>, <b>Seraa<\/b> und <b>Morani<\/b>. Nur ein Elefantenwaise blieb damals in der Obhut der Keeper zur\u00fcck: die gebrechliche <b>Mweiga<\/b>, die durch ihren Herzfehler mit den gesunden Elefanten nicht Schritt halten konnte und leicht h\u00e4tte den L\u00f6wen zum Opfer fallen k\u00f6nnen.  <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/Burra_1x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"Burra_1x\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/Burra_1x_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"163\"\/><\/a>  <\/p>\n<p><em>Burra September 2004<\/em> <\/p>\n<p><b>Mweigas<\/b> Krankheit trat mehr und mehr zum Vorschein je \u00e4lter sie wurde. Ihr krankes Herz musste immer heftiger pumpen, um ihren wachsenden Elefantenk\u00f6rper mit Blut zu versorgen. Trotz allem genoss sie noch 10 gl\u00fcckliche und beh\u00fctete Jahre in Voi &#8211; bis zum 22. Dezember 2007, als sie nach einem wundervollen Schlammbad mit all ihren inzwischen wilden Freunden auf dem Heimweg pl\u00f6tzlich tot umfiel. <b>Burra<\/b> war es, der sie an diesem Tag begleitete und zuerst dachte, sie sei nur gestolpert. Er und die Keeper versuchten verzweifelt, sie wieder aufzurichten. Als <b>Burra<\/b> verstanden hatte, dass sie gestorben war, rannte er mit einem herzzerrei\u00dfenden Schrei davon zu <b>Natumis<\/b> Gruppe, die am Fu\u00dfe von Mazinga Hill graste. <b>Natumi<\/b> wiederum rannte zu <b>Emilys<\/b> Gruppe, die nicht allzu weit entfernt fra\u00df. In den folgenden Wochen war die Herde unzertrennlich und nur <b>Emily<\/b> kam eines Nachts an den Stall, um sicher zu stellen, dass <b>Mweiga<\/b> wirklich von ihnen gegangen war. <\/p>\n<p>Seit diesem Tag bis zum Wiedersehen am 13. Februar 2010 vergingen zwei Jahre und zwei Monate, in denen <b>Burra<\/b> nicht mehr zu den St\u00e4llen gekommen war. Man stelle sich also die Freude der Keeper vor, als sie ihn mit <b>Emily<\/b>, <b>Edie<\/b> und deren wilden Babys sahen. Er wirkte nach all der Zeit ein bisschen sch\u00fcchtern, und wahrscheinlich kamen all die Erinnerungen an <b>Mweiga<\/b> wieder in ihm hoch als er die Neuank\u00f6mmlinge in seinem alten Stall erblickte. <\/p>\n<p>In <b>Mweigas<\/b> zehn Lebensjahren wurde sie nicht einen einzigen Tag allein gelassen. Immer war sie in Begleitung von Freunden, in der Regel zwei junge Bullen aus der sp\u00e4ter wilden Herde. Einer davon war <b>Burra<\/b> und der andere sein Freund <b>Morani<\/b>. Sie waren abwechselnd <b>Mweigas<\/b> Krankenpfleger und verlie\u00dfen ihre Freunde, nur um ihr Gesellschaft zu leisten. Abends brachten sie sie zur\u00fcck in den Stall und tags\u00fcber wichen sie nicht von ihrer Seite. Sie waren immer liebevoll und besorgt, halfen ihr nach jedem Stolperer, wenn sie Hilfe beim Aufstehen brauchte. Nahm sich einer der beiden einen Tag bei der Herde, blieb der andere immer bei <b>Mweiga<\/b>. <\/p>\n<p>Wir werden nie erfahren, ob die beiden Bullen diese Entscheidung aus purer Selbstlosigkeit getroffen haben oder auf Anweisung ihrer Leitkuh <b>Emily<\/b> handelten. Vielleicht war es auch <b>Mweiga<\/b> selbst, die sie darum gebeten hatte, weil sie neben ihren Keepern auch die Gesellschaft von Artgenossen brauchte. Egal wie man es betrachtet, Fakt ist, dass die beiden Bullen <b>Burra<\/b> und <b>Morani<\/b> diese Pflicht ohne zu Z\u00f6gern annahmen, obwohl sie mit Sicherheit lieber bei ihren gleichaltrigen Freunden im Busch gewesen w\u00e4ren &#8211; zum Spielen und Kr\u00e4ftemessen wie es Bullen in ihrem Alter am liebsten machen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/Burra_1x1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"Burra_1x\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/Burra_1x_thumb1.jpg\" width=\"244\" height=\"164\"\/><\/a> <br \/><em>Burra 2005<\/em> <\/p>\n<p>Wir sind \u00fcbergl\u00fccklich, unseren <b>Burra<\/b>, einen der denkw\u00fcrdigsten unserer Waisen, auf einen Kurzbesuch zu Hause begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen und zu wissen, dass es ihm gut geht, besonders nach dem \u00dcberlebenstraining w\u00e4hrend der D\u00fcrre 2009.  <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra_3x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"burra_3x\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra_3x_thumb.jpg\" width=\"164\" height=\"244\"\/><\/a> <br \/><em>Burra 2006<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra-_1x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border-bottom: 0px; border-left: 0px; border-top: 0px; border-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"burra _1x\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2010\/03\/burra-_1x_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"164\"\/><\/a> <br \/><em>Burra 2007<\/em><\/p>\n\n<!-- Facebook Like Button v1.9.6 BEGIN [http:\/\/blog.bottomlessinc.com] -->\n<fb:like href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/burra-besucht-die-waisen-in-voi\/\" layout=\"standard\" show_faces=\"false\" width=\"450\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" font=\"tahoma\"><\/fb:like>\n<!-- Facebook Like Button END -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Elefantenwaise, der in der Obhut des Trusts aufgewachsen ist, wird nie mehr vergessen und auf ewig geliebt. 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