{"id":2199,"date":"2011-03-05T12:44:00","date_gmt":"2011-03-05T11:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/?p=2199"},"modified":"2017-05-01T08:13:11","modified_gmt":"2017-05-01T07:13:11","slug":"offener-brief-an-dr-k-perret-zoodirektor-in-magdeburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/offener-brief-an-dr-k-perret-zoodirektor-in-magdeburg\/","title":{"rendered":"Offener Brief an Dr. K. Perret, Zoodirektor in Magdeburg"},"content":{"rendered":"<p><b><\/b><\/p>\n<p><b>Herrn      <br \/><\/b><b>Dr. Kai Perret     <br \/><\/b><b>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Zoo Magdeburg     <br \/>Zooallee 1      <br \/>D- 39124 Magdeburg<\/b><i><\/i><\/p>\n<p>eMail: <a href=\"mailto:info@zoo-magdeburg.de\">info@zoo-magdeburg.de<\/a><\/p>\n<p><i><\/i><\/p>\n<p><b><\/b><\/p>\n<p>&#160;<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Dr. Perret,<\/p>\n<p>wir protestieren auf das Sch\u00e4rfste gegen Ihren Plan 3 bis 4 wilde Baby- oder Jungelefanten f\u00fcr den Magdeburger Zoo einzukaufen. <\/p>\n<p>Nach den Erfahrungen die 1998 mit dem Einkauf der Tulielefanten gemacht wurden und die zu weltweiter Emp\u00f6rung f\u00fchrten, waren wir der Meinung, dass dieses Thema, zumindest f\u00fcr europ\u00e4ische Zoodirektoren vom Tisch sei.<\/p>\n<p>Zu ihrer Erinnerung:<\/p>\n<p>Im Herbst 1998 wurden imTuli-Reservat\/Botswana 30 junge, noch von ihren M\u00fcttern abh\u00e4ngige Elefanten mit Hilfe von Hubschraubern brutal von den Elefantenk\u00fchen getrennt u. eingefangen. Sieben der 30 Jungelefanten waren f\u00fcr die Zoos in Dresden, Erfurt und Basel bestimmt. <\/p>\n<p>In einer s\u00fcdafrikanischen Elefantenstation erfolgte die Vorbereitung der Tiere auf die Zoos. S\u00fcdafrikanische Tierf\u00e4nger u. indonesische Elefantenb\u00e4ndiger (Mahuts), versuchten durch systematische Misshandlung der Jungelefanten deren Willen zu brechen u. sie zu dressieren. Heimlich aufgenommene Videoaufnahmen zeigten, wie Tierf\u00e4nger und Mahuts massiv auf ver\u00e4ngstigte Jungelefanten einpr\u00fcgelten, die deswegen am ganzen K\u00f6rper H\u00e4matome aufwiesen u. die v\u00f6llig verunsichert u. ver\u00e4ngstigt waren.<\/p>\n<p>Als Zoodirektor, der auch f\u00fcr die Erhaltung der Arten mit verantwortlich ist, wollen Sie Jungelefanten als (Zitat) \u201eTodeskandidaten in Afrika vor dem Tode bewahren und lebend in den Zoo nach Magdeburg holen\u201c. <\/p>\n<p>Damit stellen Sie die Realit\u00e4t auf den Kopf! <\/p>\n<p>Gerade der Handel mit Jungelefanten f\u00fchrt dazu, dass diese Tiere auf f\u00fcr sie schreckliche Weise von ihren M\u00fcttern getrennt werden. <\/p>\n<p>Ihre Behauptung, dass Jungelefanten in Afrika Todeskandidaten wegen geplanter Cullingma\u00dfnahmen seien, entspricht ebenfalls nicht den Tatsachen. Cullings hat es in den letzten Jahren aufgrund der Proteste von Tiersch\u00fctzern und Touristen, die in Afrika nicht tote sondern lebendige Elefanten sehen wollen, nicht mehr gegeben. Nach unserer Erkenntnis, sind sie auch nicht geplant, es sei denn, Ihr Kaufwunsch veranlasst die Tierf\u00e4nger zu einer Aktivierung dieser verabscheuungsw\u00fcrdigen Methoden, um an die Jungelefanten heran zu kommen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Ihren Behauptungen, gibt es in Afrika auch keine \u00dcberpopulation von Elefanten. Auf den ganzen Kontinent bezogen ist die Anzahl der Elefanten, nach Auskunft von WWF leider weiter r\u00fcckl\u00e4ufig. Deswegen sind auch auf der internationalen CITES-Konferenz 2010 die Antr\u00e4ge von Tansania und Sambia f\u00fcr den erlaubten Verkauf von 111 Tonnen Elfenbein ebenso abgelehnt worden, wie der Antrag der beiden L\u00e4nder, ihre Elefantenbest\u00e4nde in den Anhang II der CITES-Anh\u00e4nge herunterzustufen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Jungelefanten, die zumindest bis zum vierten Lebensjahr auf die Betreuung durch ihre M\u00fctter angewiesen sind, bedeutet die Trennung von der Familie stets einen schweren Schock. Ein traumatisches Erlebnis das, wenn es \u00fcberlebt wird, bei dem guten Erinnerungsverm\u00f6gen der Elefanten oft zu monatelangen Depressionen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wie wir aus dem Kindergarten f\u00fcr Elefantenwaisen von Daphne Sheldrick, im Nairobi Nationalpark (N. P.) wissen, bed\u00fcrfen Jungelefanten eines h\u00e4ufigen R\u00fcsselkontaktes mit ihren M\u00fcttern oder den Verwandten der Familie. Das bedeutet bei der Aufzucht eine Betreuung durch die Elefantenpfleger rund um die Uhr. In der weltweit einzigen Aufzuchtstation f\u00fcr Elefantenbabys im Nairobi N. P. sind deswegen mehr als 50 Pfleger f\u00fcr 11 Jungelefanten t\u00e4tig. Dabei muss ber\u00fccksichtigt werden, dass Babyelefanten alle 4 Stunden &#8211; auch nachts -mit einer von Daphne Sheldrick entwickelten Spezialmilch gef\u00fcttert werden m\u00fcssen, da sie Kuhmilch nicht vertragen. <\/p>\n<p>Bereits dreij\u00e4hrige Elefanten, z.T. noch von der Muttermilch abh\u00e4ngig, sind so gro\u00df und kr\u00e4ftig, dass sie an k\u00f6rperlicher Kraft den Menschen weit \u00fcberlegen sind, was sie auch ausnutzen. Deswegen kann kein Mensch einen Elefanten, vor allem wenn der in die Flegeljahre kommt, durchgehend artgerecht erziehen.<\/p>\n<p>Daphne Sheldrick hat das Problem dadurch gel\u00f6st, dass sie die Jungelefanten, wenn sie 2 Jahre alt sind, in den Tsavo East N.P.\/Kenia umsiedelt. Dort werden sie von \u00e4lteren Waisenelefanten adoptiert, die auch ihre Erziehung \u00fcbernehmen. Dadurch setzen die Pfleger ihre Autorit\u00e4t aufgrund ergebnisloser Erziehungsversuche nicht aufs Spiel. Das Verh\u00e4ltnis der Elefanten zu ihren Pflegern bleibt deswegen entspannt und die M\u00e4nner k\u00f6nnen sich zwischen den Elefanten ohne Waffe, Stock oder Spie\u00df sicher bewegen.<\/p>\n<p>Es wird auch keines der Tiere geschlagen oder nachts mit Eisenketten gefesselt. Das Verh\u00e4ltnis zwischen ausgewilderten Waisenelefanten und ihren Pflegern ist so gut, dass die Tiere gelegentlich die Aufzuchtstation wieder besuchen um z.B. ihren Nachwuchs vorzustellen.<\/p>\n<p>Damit eingefangene wilde Jungelefanten keine Schwierigkeiten machen, werden sie, wie vorstehend schon erw\u00e4hnt, vor der \u00dcberstellung in den Zoo dressiert, d. h. sie werden systematisch misshandelt um ihren Willen zu brechen und sie gef\u00fcgig zu machen. Bei dem guten Ged\u00e4chtnis der Elefanten ist es daher kein Wunder, das es sp\u00e4ter gelegentlich zu Angriffen der Tiere gegen ihre Pfleger oder andere Menschen kommt. <\/p>\n<p>Obwohl Daphne Sheldrick inzwischen mehr als einhundert Waisenelefanten aufgezogen und z. T. erfolgreich ausgewildert hat, was im Einzelfall bis zu 10 Jahren dauern kann, ist es dort noch nie zu einem ernstzunehmenden Zwischenfall zwischen Mensch und Elefant gekommen.<\/p>\n<p>Dr. Perret, wie wollen Sie in ihrem Zoo in Magdeburg, das alles leisten? <\/p>\n<p>Sehen Sie selbstkritisch die bisherige Unterbringung und den Aufenthalt ihrer zwei Elefantendamen an. Sie sind erb\u00e4rmlich untergebracht. Zumindest eine von ihnen bietet aufgrund ihres traurigen Daseins Verhaltensauff\u00e4lligkeiten in Form von Schaukelstereotypien. <\/p>\n<p>Auch wenn Sie das Elefantengehege weiter ausbauen lassen, mag der Eindruck f\u00fcr die Zoobesucher angenehmer sein als jetzt. F\u00fcr die eingesperrten Elefanten \u00e4ndert sich nichts.<\/p>\n<p>Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die von Ihnen \u201elebend in den Magdeburger Zoo\u201c geholten Jungelefanten dort besser untergebracht sind als bei ihren M\u00fcttern in der afrikanischen Wildnis?<\/p>\n<p>Herr Dr. Perret, Ihre Argumente f\u00fcr den Import wilder Jungelefanten in den Magdeburger Zoo sind fadenscheinig. Als Zoodirektor m\u00fcssten Sie \u00fcber die Probleme der Elefantenaufzucht und das Elefantenverhalten eigentlich informiert sein. Sie m\u00fcssten auch wissen, dass Sie mit 3 oder 4 Elefantenk\u00fchen und einem Elefantenbullen keine Elefantenaufzucht auf Dauer realisieren k\u00f6nnen, schon vom genetischem Pool her ist das Bl\u00f6dsinn. Und wie wollen Sie den von ihnen gez\u00fcchteten Elefanten den selbst\u00e4ndigen Umgang mit der Freiheit beibringen und wo sie auswildern ? Oder wollen Sie, aus rein kommerziellen Erw\u00e4gungen, Elefanten z\u00fcchten, um sie an andere Zoos zu verkaufen? <\/p>\n<p>Offensichtlich ist die Elefantenaufzucht in europ\u00e4ischen Zoos ein schwieriges Gesch\u00e4ft, denn Ihnen selbst ist es bisher nicht gelungen, von einem anderen Zoo Jungelefanten aufzukaufen.<\/p>\n<p>Sie werden sich weltweite Proteste von Tiersch\u00fctzern einhandeln, obwohl Sie selbst, als Zoodirektor zum Artenschutz beitragen sollten. Statt dessen gef\u00e4hrdet ihre Absicht, wilde Jungelefanten einzukaufen, ganze Elefantenfamilien. <\/p>\n<p>Anerkannte Elefantenforscher wie Dr. Iian Douglas-Hamilton, Cynthia J. Moss, Joyce H. Poole und Daphne Sheldrick verurteilen dieses Vorgehen als v\u00f6llig unakzeptabel. Das Einfangen der Jungelefanten, die Trennung von ihren M\u00fcttern, die Dressur f\u00fcr den Zoo und der Aufenthalt dort sind reine Tierqu\u00e4lerei.<\/p>\n<p>Anstatt sich in S\u00fcdafrika auf Kosten der Steuerzahler \u00fcber den Import von Jungelefanten zu informieren, h\u00e4tte sich die Delegation der Magdeburger Kommunalpolitiker besser im Nairobi Nationalpark in Kenia \u00fcber Aufzucht, Probleme und Kosten f\u00fcr das Projekt informiert. Dort h\u00e4tten sie auch gesehen, welcher Aufwand betrieben werden muss, um Elefantenbabys und Jungelefanten auch nur halbwegs artgerecht aufzuziehen. <\/p>\n<p>Trotz der enormen Kosten f\u00fcr die Aufzucht, w\u00fcrde Daphne Sheldrick nicht einen ihrer zahlreichen Jungelefanten an einen Zoo verkaufen. Sie wei\u00df, was dort den Tieren bevorsteht.<\/p>\n<p>Nach all dem was wir heute \u00fcber Elefanten wissen, w\u00e4re die Ignoranz des Leidens der Tiere durch eine solche Ma\u00dfnahme, wie Sie sie vorgesehen haben, eine Schande f\u00fcr die Stadt Magdeburg und f\u00fcr ihren Zoo!   <br \/>Freundliche Gr\u00fc\u00dfe von<\/p>\n<p>Susan und Dr. Bernd Baetz   <br \/>Rettet die Elefanten Afrikas e.V.<\/p>\n\n<!-- Facebook Like Button v1.9.6 BEGIN [http:\/\/blog.bottomlessinc.com] -->\n<fb:like href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/offener-brief-an-dr-k-perret-zoodirektor-in-magdeburg\/\" layout=\"standard\" show_faces=\"false\" width=\"450\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" font=\"tahoma\"><\/fb:like>\n<!-- Facebook Like Button END -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herrn Dr. Kai Perret Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Zoo Magdeburg Zooallee 1 D- 39124 Magdeburg eMail: info@zoo-magdeburg.de &#160; Sehr geehrter Herr Dr. Perret, wir protestieren auf das Sch\u00e4rfste gegen Ihren Plan 3 bis 4 wilde Baby- oder Jungelefanten f\u00fcr den Magdeburger Zoo einzukaufen. 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