{"id":227,"date":"2007-11-22T21:39:23","date_gmt":"2007-11-22T20:39:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/?p=227"},"modified":"2008-04-13T21:22:22","modified_gmt":"2008-04-13T19:22:22","slug":"kamboyo-und-zurura-ziehen-nach-ithumba-in-tsavo-ost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/kamboyo-und-zurura-ziehen-nach-ithumba-in-tsavo-ost\/","title":{"rendered":"Kamboyo und Zurura ziehen nach Ithumba in Tsavo-Ost"},"content":{"rendered":"<p>Im Laufe der Jahre hatte man sich an den Anblick gew\u00f6hnt: gro\u00dfe Lastwagen, die an der Laderampe im Elefantenwaisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trust&#8217;s in Nairobi parkten &#8211; schon Tage vor dem eigentlichen Abfahrtstermin; und diejenigen Elefantenwaisen, die in die Einwilderungsgruppen nach Tsavo verbracht werden sollten und jetzt von ihren Keepern, mit Milchflaschen auf den Anh\u00e4ngern stehend, zur Zusammenarbeit \u00fcberredet werden.<!--more--> Es liegt immer etwas Bedr\u00fcckendes in der Luft, je n\u00e4her die Abfahrt r\u00fcckt. Da \u201eein Elefant nie vergisst&#8220;, wissen wir sehr wohl, dass die Tiere, die bereits w\u00e4hrend ihrer Rettungsaktionen Erfahrung mit Lastwagen gemacht haben, dieser unheimlichen Erinnerung eher widerwillig entgegentreten. Man ist angespannt, wie die Reise wohl verlaufen wird; ob sich eines der Tiere losrei\u00dfen und ausbrechen wird, so wie Napasha einst. Dieses Ereignis wurde sogar im Rahmen der Aufzeichnungen zu \u201eTagebuch der Elefanten \/ Teil 1&#8243; auf Film festgehalten. Am meisten beunruhigt jedoch der Gedanke daran, wie es den Elefanten (und den Lastwagen, die sie tragen) auf der langen, strapazi\u00f6sen Reise in ihr neues Zuhause in Ithumba im n\u00f6rdlichen Tsavo wohl ergehen wird. Elefanten neigen zu Klaustrophobie [umgangssprachlich Platzangst], wenn sie auf engem Raum eingesperrt sind, und zus\u00e4tzlich gibt es derzeit viele f\u00fcrchterliche Umleitungen auf der Stra\u00dfe nach Mombasa. Ganz obendrein ist der Moment des Abschiednehmens auch immer sehr emotional. Nunmehr 2 Jahre, Tag und Nacht, hatten wir sie versorgt, und dabei wuchsen sie jedem Einzelnen, der sich um sie gek\u00fcmmert hat, wie eigene Elefanten-\u201eKinder&#8220; ans Herz. Obwohl wir wissen, dass es kein Abschied f\u00fcr immer ist, da sie noch mindestens 8 Jahre bei uns bleiben werden, bis sie 10 Jahre, manchmal sogar noch \u00e4lter, sind, so ist man sich st\u00e4ndig dar\u00fcber bewusst, dass Tiere, egal, wo sie leben, und besonders diejenigen, die Elfenbein tragen, in der heutigen grausamen Welt bedroht sind. Dennoch kann Freiheit, vor allem f\u00fcr einen Elefanten, durch nichts ersetzt werden, und somit wird jeglicher Gewissensbiss mit einem Gef\u00fchl von Stolz und Zufriedenheit aufgewogen, denn den schwierigsten Abschnitt ihres langen Lebens haben sie erfolgreich gemeistert &#8211; d.h. ihre zarte, fr\u00fche Kindheit in der Nairobi Nursery, wo sie nicht nur physisch sondern auch psychisch geheilt werden mussten, und wo der Todesengel nie weit entfernt ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/einen-tag-vor-dem-umzug-gab-es-heftige-regenfalle.jpg\" alt=\"einen-tag-vor-dem-umzug-gab-es-heftige-regenfalle.jpg\" \/><\/p>\n<p>Zurura war ein winziges, sechs Wochen altes Baby, als er zu uns kam. Er wurde halbtot aus einer Rubinmine gezogen, in der er gefangen sa\u00df und von den Bergleuten nur gefunden wurde, weil er so laut schrie. Nach seiner Befreiung fanden sie tats\u00e4chlich einen Rubinstein! Kamboyo war 8-9 Monate als, als er seine Elefantenmutter und Familie verlor. Er wurde von unserem Mtito Schlingenfallen-Sammelteam gefunden; ausgezehrt, sonnenverbrannt und ganz allein, unweit der Stadt Mtito Andei. Schon bei seiner Rettung und dem Transport zum Flugplatz in Tsavo-West, von wo aus er nach Nairobi geflogen wurde, wussten wir, dass gerade er sich gegen eine neue Fahrt im Lastwagen besonders wehren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/unterwegs-werden-kamboyo-und-zurura-mit-frischem-grun-verwohnt.jpg\" alt=\"unterwegs-werden-kamboyo-und-zurura-mit-frischem-grun-verwohnt.jpg\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">\n<p>Andererseits ist es an der Zeit, dass die beiden nach Ithumba gehen. Die Jungbullen sind inzwischen wenig \u00e4lter als 2 Jahre. Gesund, stark und mit nur wenig Respekt vor der derzeitigen jungen Leitkuh Lenana, die j\u00fcnger als die beiden ist. Die Gesellschaft von \u00e4lteren Bullen ist jetzt besonders wichtig; sie brauchen jemanden, mit dem sie sich auseinandersetzen und ihre Kr\u00e4fte messen k\u00f6nnen, und in Ithumba gibt es davon jede Menge! Sie brauchen die Obhut der \u00e4lteren K\u00fche wie Yatta und ihrer Assistentinnen Mulika, Nasalot und Kinna, von denen sie ein wenig unter Kontrolle gehalten und auch bestraft werden, wenn sie j\u00fcngere Mitglieder der Gruppe tyrannisieren. Denn das wird in der Elefantengesellschaft auf keinen Fall toleriert. Es sind immer die \u00e4lteren K\u00fche, die den Jungbullen gute Manieren und Disziplin untereinander vermitteln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/nursery-keeper-amos-begrust-in-ithumba-keeper-kingoo-und-kamboyo-steigt-auch-aus.jpg\" alt=\"nursery-keeper-amos-begrust-in-ithumba-keeper-kingoo-und-kamboyo-steigt-auch-aus.jpg\" \/> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/kamboyo-steigt-nach-500-kms-in-ithumba-aus-dem-lkw.jpg\" alt=\"kamboyo-steigt-nach-500-kms-in-ithumba-aus-dem-lkw.jpg\" \/><\/p>\n<p>Neuank\u00f6mmlinge k\u00f6nnen stets mit einem warmen Willkommen seitens der anderen rechnen, wenn sie eintreffen, so braucht man sich zumindest dar\u00fcber \u00fcberhaupt keine Gedanken machen. Sian, Loijuk und Kenze, die auch k\u00fcrzlich erst umgesiedelt wurden, werden die Neuank\u00f6mmlinge sofort erkennen, w\u00e4hrend sie im Ged\u00e4chtnis der anderen wohl nur als winzige K\u00e4lbchen verblieben sein d\u00fcrften. Auch wussten wir, dass die K\u00fche in der Nairobi Nursery, namentlich Lualeni, Makena und Chyulu, wahrscheinlich mehr als froh dar\u00fcber sein werden, die beiden Wildf\u00e4nge, die sie st\u00e4ndig \u201ebesteigen&#8220; wollten, endlich los zu sein.<\/p>\n<p align=\"left\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/begrusung-in-ithumba.jpg\" alt=\"begrusung-in-ithumba.jpg\" \/><\/p>\n<p>Der Morgen des 7. Novembers 2007 d\u00e4mmerte, und um 5 Uhr begab sich Zurura ohne Schwierigkeiten auf die Ladefl\u00e4che des Lastwagens. Kamboyo jedoch, dessen 10 cm lange Sto\u00dfz\u00e4hnen inzwischen schon viel Schaden anrichten k\u00f6nnten, musste von den M\u00e4nnern \u00fcber die Schwelle gef\u00fchrt werden, von hinten mit aller verf\u00fcgbaren Manneskraft geschoben und von vorn mittels Seilen am Fu\u00df auf die Ladefl\u00e4che gezogen werden. Es bestand kein Anlass zur Sorge, denn sein Benehmen zeugte vom unwahrscheinlich sanftm\u00fctigen Charakter der Elefanten. Er zeigte keinerlei Anzeichen der Aggression, und abgesehen davon, dass er sich im Boden festtrat, als er das Unvermeidbare kommen sah, gab er ruhig nach, trank seine Milch und stand friedlich neben dem \u201eschiebendem Keeper&#8220;, als dieser im die Seilschlinge vom Fu\u00df entfernte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/kamboyo-and-zurura-geniesen-die-erste-flasche-milch-in-ithumba-northern-tsavo-east-national-park.jpg\" alt=\"kamboyo-and-zurura-geniesen-die-erste-flasche-milch-in-ithumba-northern-tsavo-east-national-park.jpg\" \/><\/p>\n<p>Um 5.30 Uhr begaben sich die Lastwagen auf die lange Reise. Alle winkten zum Abschied, w\u00e4hrend die ersten Sonnenstrahlen den Himmel erhellten. Jeder war erleichtert, dass bisher alles so gut verlaufen war. Robert Carr-Hartley und sein Vater Roy, die die Lastwagen begleiteten, trugen jedoch f\u00fcr alle F\u00e4lle eine Spritze mit \u201eStresnil&#8220; [einem Beruhigungsmittel] bei sich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/kamboyo-und-zurura-geniesen-das-abendmahl.jpg\" alt=\"kamboyo-und-zurura-geniesen-das-abendmahl.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Reise war eine H\u00f6llenfahrt. Im Getriebe des einen Lkw&#8217;s ging ein Bolzen zu Bruch, der noch auf der Stra\u00dfe gewechselt werden musste und somit zu Verz\u00f6gerungen f\u00fchrte. (Ein Hoch auf das handwerklich begabte Mannsvolk!) Bei Kasala, nicht weit vom Zielort entfernt, blieb das andere Fahrzeug dann stecken, weil Regenf\u00e4lle die erst k\u00fcrzlich begradigte Stra\u00dfe in ein Schlammloch verwandelt hatten. Nach neunst\u00fcndiger Fahrt schlie\u00dflich kamen die beiden Elefanten aus der Nursery an der Laderampe der Ithumba-St\u00e4lle an, wo sie ruhig von den Ladefl\u00e4chen liefen und einen bemerkenswert entspannten Gesichtsausdruck trugen. Beide erhielten eine Flasche Milch und erkundeten danach das Gel\u00e4nde. Es dauerte nicht lange, dass die j\u00fcngeren der Ithumba-Waisen im Eilschritt eintrafen, und wie erwartet, erkannten Sian und Loijuk Kamboyo und Zurura sofort. W\u00e4hrend sie ihre Nursery-Freunde begr\u00fc\u00dften rannten die anderen zu den ge\u00f6ffneten Lastwagen, nur um sicher zu stellen, dass kein anderer mehr darin zu finden sei. Wenig sp\u00e4ter kam die \u00e4ltere Gruppe, angef\u00fchrt von Yatta, der Leitkuh, sowie Mulika, Nasalot und Kinna. Mulika entschied sofort, dass sie die beiden ganz f\u00fcr sich alleine haben wollte, umschlang die Neuank\u00f6mmlinge mit ihrem R\u00fcssel, strich ihnen liebevoll \u00fcber den R\u00fccken und zog behutsam ihre K\u00f6pfe in ihre Richtung. Wie immer war es eine sehr r\u00fchrselige Szene und warme Begr\u00fc\u00dfung f\u00fcr Kamboyo und Zurura, die alles ganz entspannt hinnahmen. Nachdem alle anderen, die offenbar geahnt hatten, was passiert, den neuen Stall ausgiebig inspiziert hatten, verbrachten Zurura und Kamboyo ihre erste Nacht im neuen Zuhause &#8211; jedoch nicht ohne Sian und Loijuk, die ihnen Gesellschaft leisteten. \u00dcberraschenderweise schienen sie alles \u00fcber den elektrischen \u201ehei\u00dfen Draht&#8220;, der die Nachtlager umz\u00e4unte, zu wissen, denn sie waren sehr vorsichtig sich ihm auch nur zu n\u00e4hern, geschweige denn ihn zu ber\u00fchren. Offenbar wurden sie von den anderen durch Elefanten-Telepathie bereits davor gewarnt!<\/p>\n<p align=\"left\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/kamboyo-wird-in-die-neue-gesellschaft-eingefuhrt.jpg\" alt=\"kamboyo-wird-in-die-neue-gesellschaft-eingefuhrt.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Ankunft von Kamboyo und Zurura in Ithumba hebt die Anzahl der auszuwildernden Elefanten hier auf 27; in der Nursery sind noch immer 8 Z\u00f6glinge. Lenana, Makena und Chyulu werden als n\u00e4chstes nach Ithumba verbracht, aller Voraussicht nach im Mai 2008, nach der n\u00e4chsten Regenzeit. Lesanju wird dann f\u00fcr die anderen vier Babies, Sinya, Shimba, Lempaute und Baby Dida, verantwortlich sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/wp-content\/2007\/11\/zurura-bekommt-eine-flasche-milch.jpg\" alt=\"zurura-bekommt-eine-flasche-milch.jpg\" \/><\/p>\n\n<!-- Facebook Like Button v1.9.6 BEGIN [http:\/\/blog.bottomlessinc.com] -->\n<fb:like href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/kamboyo-und-zurura-ziehen-nach-ithumba-in-tsavo-ost\/\" layout=\"standard\" show_faces=\"false\" width=\"450\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" font=\"tahoma\"><\/fb:like>\n<!-- Facebook Like Button END -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Laufe der Jahre hatte man sich an den Anblick gew\u00f6hnt: gro\u00dfe Lastwagen, die an der Laderampe im Elefantenwaisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trust&#8217;s in Nairobi parkten &#8211; schon Tage vor dem eigentlichen Abfahrtstermin; und diejenigen Elefantenwaisen, die in die Einwilderungsgruppen nach Tsavo verbracht werden sollten und jetzt von ihren Keepern, mit Milchflaschen auf den &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/kamboyo-und-zurura-ziehen-nach-ithumba-in-tsavo-ost\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKamboyo und Zurura ziehen nach Ithumba in Tsavo-Ost\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,1],"tags":[],"class_list":["post-227","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-elinews","category-news"],"pp_statuses_selecting_workflow":false,"pp_workflow_action":"current","pp_status_selection":"publish","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=227"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/227\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}