{"id":2306,"date":"2011-05-24T13:10:00","date_gmt":"2011-05-24T12:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/?p=2306"},"modified":"2017-05-01T07:57:56","modified_gmt":"2017-05-01T06:57:56","slug":"fachsymposium-in-wien-behandelt-artenschutz-und-armutsbekmpfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/fachsymposium-in-wien-behandelt-artenschutz-und-armutsbekmpfung\/","title":{"rendered":"Fachsymposium in Wien behandelt Artenschutz und Armutsbek&auml;mpfung"},"content":{"rendered":"<p>Ob und wie Artenschutz und Armutsbek\u00e4mpfung in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen, behandelt ein internationales Fachsymposium vom 17.-20. Mai 2011 in Wien. Gastgeber sind die Europ\u00e4ische Kommission und das \u00f6sterreichische Lebensministerium (Bundesministerium f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft). Diskutiert werden soll die Frage, inwieweit Dorfgemeinschaften in Entwicklungsl\u00e4ndern vom Artenschutz profitieren k\u00f6nnen und welche gemeinsamen Ma\u00dfnahmen den Schutz der biologischen Vielfalt f\u00f6rdern. Vor allem geht es dabei um Spezies aus den Anh\u00e4ngen des \u00dcbereinkommens \u00fcber den internationalen Handel mit gef\u00e4hrdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES). Ziel der Tagung ist, die internationale Zusammenarbeit in diesen Fragen zu f\u00f6rdern, gewonnene Erkenntnisse in Entscheidungsprozesse einzuspeisen und die Umsetzung von CITES in Entwicklungsl\u00e4ndern zu f\u00f6rdern. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In einem Brief an den EU-Kommissar f\u00fcr Umwelt, Janez Poto\u00c4\u008dnik, \u00e4u\u00dferte Will Travers, Pr\u00e4sident des Species Survival Networks (SSN), bereits vor der Konferenz Kritik an verschiedenen Tagesordnungspunkten. Er bem\u00e4ngelte die einseitige Sicht auf ausschlie\u00dflich positive Effekte von Projekten zur Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen. Die negativen Auswirkungen, besonders auf gef\u00e4hrdete Tiere und Pflanzen w\u00fcrden nicht hinreichend beleuchtet. Die Aktivit\u00e4ten seien fast ausschlie\u00dflich auf den Konsum und die Kommerzialisierung von Wildtieren wie Troph\u00e4enjagd und den Handel mit lebenden Tieren, Leder und Fleisch begrenzt. Ungeachtet blieben zahlreiche Beispiele, bei denen sich herausgestellt hat, dass die Kommerzialisierung von Wildtieren, oftmals unter Beteiligung der einheimischen Bev\u00f6lkerung, sich in der Vergangenheit nicht als nachhaltiges Konzept erwiesen hat. \u00c3\u2013konomische und \u00f6kologische Vorteile einer nicht-kommerziellen Nutzung der nat\u00fcrlichen Ressourcen seien kein Bestandteil der Tagesordnung. <\/p>\n<p>Im Programmheft der Veranstaltung steht geschrieben, dass \u201eviele CITES-Diskussionen (auch in der EU) &#8211; besonders im Fall von charismatischen Arten &#8211; heute deutlich mehr von Tierschutzmotiven und kulturellen oder \u00e4sthetischen Beweggr\u00fcnden gepr\u00e4gt sind, als dass sie sich auf <i>objektive Argumente<\/i> konzentrieren. So z.B. die Kriterien der CITES, ab wann eine Tier- oder Pflanzenart als gef\u00e4hrdet eingestuft wird oder inwiefern die Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen zum Schutz einer gef\u00e4hrdeten Art beitragen k\u00f6nnten.\u201c SSN widersprach dieser Beschreibung der CITES-Aktivit\u00e4ten auf das Heftigste. Ebenso sei die kommerzielle Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen lediglich einige von vielen M\u00f6glichkeiten und ihre Auswirkungen unterliegen lediglich Sch\u00e4tzungen. Man k\u00f6nne nicht pauschal von einem Nutzen f\u00fcr die bedrohten Tier- und Pflanzenarten ausgehen, dies m\u00fcsse projektabh\u00e4ngig immer wieder neu untersucht werden. Die CITES-Kriterien zur Einstufung der Gef\u00e4hrdung einer Art beruhen auf wissenschaftlichen Untersuchungen, und Entscheidungen werden daraufhin demokratisch gef\u00e4llt. Die Unterlagen zur Tagung in Wien implizierten jedoch, dass sich die Entscheidungsprozesse bei CITES gleicherma\u00dfen an sozio-\u00f6konomischen als auch wissenschaftlichen Fakten (wie Populationsstatus\/ -biologie) orientieren sollten. Dass CITES sich bei Entscheidungen ausschlie\u00dflich auf wissenschaftliche Fakten zur jeweils bedrohten Tier- oder Pflanzenart beruft, wurde jedoch in einer demokratischen Abstimmung festgelegt.<\/p>\n<p>Ferner wies Will Travers darauf hin, dass sich CITES als (v\u00f6lkerrechtliches) \u00dcbereinkommen und internationale Organisation verst\u00fcnde, ausschlie\u00dflich mit dem Ziel, den internationalen Handel mit Wildtieren und Pflanzen insoweit zu kontrollieren, dass das \u00dcberleben der jeweiligen Art nicht gef\u00e4hrdet wird. Sozio-\u00f6konomische, entwicklungspolitische und Ma\u00dfnahmen zur Armutsbek\u00e4mpfung seien kein Teil des Artenschutz\u00fcbereinkommens. Will Travers versicherte, dass die Unterzeichner des Briefes das Problem der Armutsbek\u00e4mpfung dennoch sehr ernst nehmen. Die bez\u00fcglich der Konferenz ge\u00e4u\u00dferten Bedenken sollten nicht als mangelndes Interesse an den Problemen der Bev\u00f6lkerung gewertet werden, sondern bez\u00f6gen sich vielmehr auf eine m\u00f6gliche Beeinflussung des Entscheidungsfindungsprozess der CITES zugunsten weniger Arten, und die Abwertung der Rolle der Wissenschaft. Es g\u00e4be zahlreiche internationale Organisationen, die sich mit der Armutsbek\u00e4mpfung auseinandersetzen. CITES jedoch solle dem Mandat seiner Gr\u00fcnder treu bleiben, die den Fokus auf den Schutz wilder Tier- und Pflanzenarten vor unkontrolliertem Handel setzten. <\/p>\n<p>Will Travers dr\u00e4ngte in seinem Schreiben darauf, dass die von ihm aufgef\u00fchrten Fragestellungen der Tagesordnung hinzugef\u00fcgt w\u00fcrden inklusive der Schwierigkeiten, Risiken und m\u00f6glichen negativen Auswirkungen der Ma\u00dfnahmen zur Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen. Dar\u00fcber hinaus bezeichnete er die Teilnehmerliste auf einem durch \u00f6ffentliche Gelder finanzierten Arbeitstreffen als extrem unausgewogen. Die Anmeldebedingungen schlossen von Beginn an einen gro\u00dfen Teil der Zivilgesellschaft von einer Teilnahme aus. SSN dr\u00e4ngt daher auf eine \u00c3\u2013ffnung der Tagung auch f\u00fcr Teilnehmer mit anderen bzw. kritischen Meinungen, damit die Grundlage f\u00fcr eine ausgeglichene, sachliche und wissenschaftliche Diskussion gegeben ist. Es k\u00f6nne sonst der Eindruck entstehen, dass die Konferenz lediglich zu dem Zwecke organisiert wurde, eine bereits gefallene Entscheidung offiziell zu machen.<\/p>\n<p>In einem Antwortschreiben des B\u00fcros von Janez Poto\u00c4\u008dnik wurde die Konferenz als viel versprechende M\u00f6glichkeit bezeichnet, neue Wege zu beschreiten, die dazu beitragen sollen, das Artenschutz\u00fcbereinkommen weiterhin erfolgreich zu implementieren. Die Einbeziehung der einheimischen Bev\u00f6lkerung in den Naturschutz und die nachhaltige Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen sei ein Schl\u00fcsselelement, damit Ma\u00dfnahmen zum Handel mit gef\u00e4hrdeten Arten, entsprechend z.B. dem Artenschutz\u00fcbereinkommen, ordentlich umgesetzt werden k\u00f6nnen. Es n\u00fctze nicht nur der einheimischen Bev\u00f6lkerung selbst, sondern auch den durch die Konventionen gesch\u00fctzten gef\u00e4hrdeten Tiere und Pflanzen. Die Europ\u00e4ische Kommission h\u00e4lt das anstehende Symposium f\u00fcr topaktuell und hofft gleichzeitig darauf, dass es dazu beitr\u00e4gt die Inhalte des Artenschutz\u00fcbereinkommens auch in diejenigen Landstriche zu tragen, wo Menschen und bedrohte Arten Seite an Seite leben.<\/p>\n<p>Vom Symposium verspricht sich die Europ\u00e4ische Kommission eher eine St\u00e4rkung der Ziele der CITES und keine Schw\u00e4chung. Vor allem betrachtet die Europ\u00e4ische Kommission CITES als zentrale Rolle f\u00fcr wissenschaftlich-fundierte Entscheidungen. Man widerspricht, dass das Programm des Symposions auch nur einen einzigen Punkt enth\u00e4lt, bei dem diese Prinzipien angezweifelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Man glaube, dass die Tagesordnung und das Programm der vier Arbeitsgruppen auf der Tagung eine ausgewogene Pr\u00e4sentation der aktuellen Herausforderungen zwischen dem Management nat\u00fcrlicher Ressourcen und den Zielsetzungen der CITES darstellen. Die eingeladenen Teilnehmer vertreten eine ausgeglichene Zusammensetzung aller Interessengruppen inklusive ausgewiesener Experten auf den jeweiligen Arbeitsfeldern. Man sei zuversichtlich, dass das Format der Arbeitsgruppen und die anberaumte Zeit gen\u00fcgend Raum zur offenen und konstruktiven Diskussion aller Tagesordnungspunkte lie\u00dfe. Jeder solle die M\u00f6glichkeit bekommen, seinen Standpunkt zu erl\u00e4utern. Es wird angemerkt, dass einige der Organisationen, die den Brief vom 12. April 2011 mit unterzeichnet haben, ebenfalls auf dem Symposium anwesend sein werden, und damit mit Sicherheit ihre Standpunkte vertreten werden. <\/p>\n<p>Weitere Informationen:<\/p>\n<p>Lebensministerium \u00c3\u2013sterreich: <a href=\"http:\/\/www.lebensministerium.at\/article\/articleview\/88280\/?SectionIDOverride=110\">http:\/\/www.lebensministerium.at\/article\/articleview\/88280\/?SectionIDOverride=110<\/a><\/p>\n<p>Das Programm des Symposiums in Wien (englisch): <a href=\"http:\/\/www.umweltnet.at\/filemanager\/download\/72066\/\">www.umweltnet.at\/filemanager\/download\/72066\/<\/a><\/p>\n<p>Mehr \u00fcber CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, deutsch: \u00dcbereinkommen \u00fcber den internationalen Handel mit gef\u00e4hrdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen\/ Washingtoner Artenschutz\u00fcbereinkommen) auf <a href=\"http:\/\/www.cites.org\">www.cites.org<\/a><\/p>\n<p><u>Vertreter der den Brief des SSN unterzeichnenden Organisationen:<\/u><\/p>\n<p>Anja Hazekamp (AAP Sanctuary for Exotic Animals)<\/p>\n<p>Susan Millward (Animal Welfare Institute)<\/p>\n<p>Shelley Waterland (Born Free Foundation)<\/p>\n<p>Adam Roberts (Born Free USA)<\/p>\n<p>Ericka Ceballos (Campagns Against the Cruelty to Animals)<\/p>\n<p>Mark Jones (Care for the Wild International)<\/p>\n<p>Borys Kala (CEEweb for Biodiversity)<\/p>\n<p>William W. Rossiter (Cetacean Society International)<\/p>\n<p>Susie Watts (Co-Habitat)<\/p>\n<p>Melanie Shepherd (David Shepherd Wildlife Foundation)<\/p>\n<p>Alejandra Goyenechea (Defenders of Wildlife)<\/p>\n<p>Lesley Sutty (Eastern Caribbean Coalition for Environmental Awareness)<\/p>\n<p>Joyce Poole (Elephant Voices)<\/p>\n<p>Mary Rice (Environmental Investigation Agency)<\/p>\n<p>Sonja van Tichelen (Eurogroup for Animals)<\/p>\n<p>Walter Karpf (Gesellschaft zum Schutz der Meeress\u00e4uetiere)<\/p>\n<p>Jo Swabe (Humane Society International)<\/p>\n<p>Vanessa McMain (Humane Society of Canada)<\/p>\n<p>Ralf Sonntag (International Fund for Animal Welfare, IFAW, Germany)<\/p>\n<p>Masayuki Sakamoto (Japan Tiger and Elephant Fund, JTEF)<\/p>\n<p>Tamas Papp (Milvus Group)<\/p>\n<p>Zak Smith (Natural Resources Defense Council)<\/p>\n<p>Sigrid L\u00fcber (OceanCare)<\/p>\n<p>Elvir Burazerovic (Organisation for Respect and Care of Animals, ORCA)<\/p>\n<p>Christoph Schmidt (Pro Wildlife)<\/p>\n<p>Thomas T\u00f6pfer (Rettet die Elefanten Afrikas)<\/p>\n<p>Andrew Kelly (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals)<\/p>\n<p>Przemyslaw Wylegala (Salamanda)<\/p>\n<p>Jupp Baron Kerckerinck zur Borg (Shark Research Institute)<\/p>\n<p>Birgith Sloth (Society for the Conservation of Marine Mammals)<\/p>\n<p>Helmut Dungler (Vier Pfoten)<\/p>\n<p>Nicolas Entrup (Whale and Dolphin Conservation Society)<\/p>\n<p>Madeleine Petrovic (Wiener Tierschutzverein)<\/p>\n<p>Belinda Wright (Wildlife Protection Society of India)<\/p>\n<p>W.J. de Kok (World Animal Net)<\/p>\n<p>James D. Gilardi (World Parrot Trust)<\/p>\n\n<!-- Facebook Like Button v1.9.6 BEGIN [http:\/\/blog.bottomlessinc.com] -->\n<fb:like href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/fachsymposium-in-wien-behandelt-artenschutz-und-armutsbekmpfung\/\" layout=\"standard\" show_faces=\"false\" width=\"450\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" font=\"tahoma\"><\/fb:like>\n<!-- Facebook Like Button END -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob und wie Artenschutz und Armutsbek\u00e4mpfung in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen, behandelt ein internationales Fachsymposium vom 17.-20. Mai 2011 in Wien. Gastgeber sind die Europ\u00e4ische Kommission und das \u00f6sterreichische Lebensministerium (Bundesministerium f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft). 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