{"id":26569,"date":"2020-07-20T20:25:46","date_gmt":"2020-07-20T19:25:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.reaev.de\/wordpress\/?p=26569"},"modified":"2020-07-25T10:28:17","modified_gmt":"2020-07-25T09:28:17","slug":"was-steckt-hinter-dem-mysterioesen-elefantensterben-in-botswana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/was-steckt-hinter-dem-mysterioesen-elefantensterben-in-botswana\/","title":{"rendered":"Was steckt hinter dem mysteri\u00f6sen Elefantensterben in Botswana?"},"content":{"rendered":"<p>Quelle Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2020\/jul\/01\/more-than-350-elephants-dead-in-mysterious-mass-die-off-botswana-aoe\">The Guardian, 1. Juli 2020<\/a>.<\/p>\n<p>Deutsche Zusammenfassung eines Artikels von Dina Fina Maron in der National Geographic vom 14. Juli 2020. Den kompletten Artikel (auf Englisch) finden Sie <a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.com\/animals\/2020\/07\/botswana-elephant-death-mystery\/\">hier&#8230;<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie laufen im Kreis und scheinen benommen, bevor sie schlie\u00dflich tot umfallen, manchmal einfach kopf\u00fcber. Mehr als 280 Elefanten in Botswana sind bereits verendet, aber die Todesursache bleibt weiterhin unklar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die bizarre Symptomatik und gro\u00dfe Zahl der Todesf\u00e4lle l\u00e4\u00dft nicht darauf schlie\u00dfen, da\u00df bekannte Infektionskrankheiten (z.B. Tuberkulose) die Ursache sind. Die Sto\u00dfz\u00e4hne wurden den toten Tieren ebenfalls nicht entfernt, was Elfenbeinwilderei ausschlie\u00dft. Dennoch steigen die Todesf\u00e4lle. Die Regierung hat seit M\u00e4rz 281 tote Elefanten best\u00e4tigt, Naturschutzorganisationen sch\u00e4tzen die Verluste noch h\u00f6her <em>[siehe auch <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2020\/jul\/01\/more-than-350-elephants-dead-in-mysterious-mass-die-off-botswana-aoe\">The Guardian vom 1.Juli 2020<\/a>, A.d.R.]<\/em>. \u201eF\u00fcr den Gesamtbestand der Elefanten in Botswana sind diese Zahlen noch nicht besorgniserregend\u201c, so Markus Hofmeyer, Wildtierarzt und fr\u00fcherer tiermedizinischer Leiter im Kr\u00fcger-Nationalpark. \u201eTrotzdem ist es wichtig, da\u00df wir die Todesursache kennen, um illegale Machenschaften auszuschlie\u00dfen \u2013 wenn das der Fall w\u00e4re, k\u00f6nnte sich das Problem in der Tat in ein weitaus gr\u00f6\u00dferes entwickeln.\u201c Botswana hat eine Population von 130.000 Savannenelefanten, das sind etwa 37% der Gesamtpopulation der Savannenspezies in Afrika, <a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.com\/news\/2016\/08\/wildlife-african-elephants-population-decrease-great-elephant-census\/\">die seit den 1970er Jahren kontinentweit um mehr als die H\u00e4lfte dezimiert wurde, und j\u00e4hrlich um 8% schrumpft<\/a>.<\/p>\n<p>Das derzeitige Elefantensterben ist auf ein 1.000 km\u00b2 gro\u00dfes Gebiet nord\u00f6stlich des Okavango-Delta begrenzt, in dem ca. 18.000 Elefanten ihren Lebensraum mit 16.000 Menschen und ihren 18.000 Rindern teilen.<\/p>\n<p>Die folgenden Ursachen (Differentialdiagnosen) f\u00fcr das Elefantensterben werden derzeit von den \u00f6rtlichen Wildtiermedizinern diskutiert:<\/p>\n<p><strong>Verhungern oder Verdursten:<br \/>\n<\/strong>Sehr unwahrscheinlich, da die nat\u00fcrlichen Wasserl\u00f6cher zu Beginn des Elefantensterbens prall gef\u00fcllt und die Vegetation \u00fcppig waren (Erik Verreynne, Wildtierarzt).<\/p>\n<p><strong>Wasservergiftung:\u00a0<\/strong><br \/>\nBotswana hat eine jahrelange D\u00fcrreperiode hinter sich und die Regenzeit dieses Jahr setzte versp\u00e4tet, aber umso heftiger ein. Wenn Tiere dann schnell zu viel Wasser saufen, kann dies zu einer Wasservergiftung f\u00fchren <em>[In Deutschland kennen wir dies von Hunden an sehr hei\u00dfen Sommertagen, A.d.R]<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Toxin-produzierende Bakterien im Trinkwasser, z.B. Cyanobakterien<\/strong><br \/>\n(fr\u00fcher auch Blaualgen genannt): M\u00f6glich, denn viele tote Elefanten wurden in der N\u00e4he von Wasserl\u00f6chern gefunden. Jedoch saufen Elefanten meist in der Mitte von Wasserl\u00f6chern, w\u00e4hrend sich die Bakterien eher am Rand des Gew\u00e4ssers ansammeln. Au\u00dferdem setzt im Laufe der Regenzeit ein \u201cVerd\u00fcnnungseffekt\u201d ein, aber Elefanten starben die ganze Regenzeit \u00fcber und immer noch. Es ist auch m\u00f6glich, da\u00df die Elefanten durch etwas anderes vorgeschw\u00e4cht waren und dadurch empf\u00e4nglicher, auch f\u00fcr geringere Mengen an Bakterien, waren.<\/p>\n<p><strong>Infektionskrankheiten, z. B. Milzbrand:<br \/>\n<\/strong>Die Symptomatik deutet durchaus darauf hin. Das Bakterium <em>Bacillus anthracis<\/em> findet man oft im Boden, wo es Sporen bildet. Wenn diese zum Beispiel in den Verdauungstrakt gelangen (besonders in der Trockenzeit, wenn die Tiere noch Grasreste abknabbern), bilden sie ein t\u00f6dliches Gift. Die Wildtierbeh\u00f6rde hat Milzbrand bisher ausgeschlossen, aber wir wissen noch nicht genau, wie und warum. Es gibt einen Impfstoff gegen Milzbrand, der aber normalerweise nur f\u00fcr Rinder in Risikogebieten verwendet wird, denn 18.000 Elefanten aufzusp\u00fcren und die Impfung zu dokumentieren, w\u00e4re extrem kostenaufw\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Eine andere m\u00f6gliche Ursache w\u00e4re die Infektion mit einem Virus, dem <strong>Encephalomyocarditis-Virus<\/strong>, das sowohl neurologische Symptome als auch pl\u00f6tzliches Herversagen durch eine Herzmuskelentz\u00fcndung verursachen w\u00fcrde. Das Virus ist f\u00fcr den Menschen (bisher) ungef\u00e4hrlich, kann aber von Nagetieren \u00fcber den Kot ausgeschieden, den Wildtiere dann mit dem Gras aufnehmen (Roy Bengins, Wildtierarzt S\u00fcdafrika). Zu einem solchen Ausbruch kam es in den 1990er Jahren einmal im Kr\u00fcger-Nationalpark, in einer \u00fcppigen Regenzeit nach mehreren D\u00fcrrejahren wie jetzt in Botswana, weil sich die Nagetiere dann explosionsartig vermehren.<\/p>\n<p><strong>Vergiftung durch den Menschen:<\/strong><br \/>\nEs ist nicht un\u00fcblich, da\u00df Bauern, deren Ernte durch Elefanten zerst\u00f6rt wurde, Wasserstellen oder Gem\u00fcse, das die Dickh\u00e4uter gerne essen (z.B. Kohl), mit Gift, zum Beispiel Blaus\u00e4ure versetzen. Todesf\u00e4lle w\u00fcrden dann geh\u00e4uft in einem kleinen Gebiet auftreten, wie es hier der Fall ist. Allerdings verbleibt Blaus\u00e4ure sehr lange im toten K\u00f6rper und w\u00fcrde dann auch Aasfresser wie Hy\u00e4nen, Schakale und Geier t\u00f6ten, was in Botswana nicht der Fall ist. Eine Vergiftung w\u00e4re auch m\u00f6glich durch Natriumfluorazetat, das hochgiftige Salz der Fluoressigs\u00e4ure, das oft zur Bek\u00e4mpfung von Nagetieren eingesetzt wird, da es geruch- und geschmacklos ist.<\/p>\n<p>COVID-19 wird derzeit nicht als Todesursache in Betracht gezogen, aber nat\u00fcrlich auch getestet.<\/p>\n<p>Die Regierung Botswanas berichtete am 10. Juli in einer Pressekonferenz, da\u00df vorl\u00e4ufige Laborergebnisse vorliegen, diese aber erst nach Abkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht werden. Wir versorgen Sie hier weiterhin mit Informationen.<\/p>\n<p>Proben von verendeteten Tieren m\u00fcssen so schnell wie m\u00f6glich nach deren Verenden entnommen werden, ebenso wie Boden- und Wasserproben in der unmittelbaren Umgebung. Kranke oder tote Elefanten im Busch zu finden, bevor sich Aasfresser dar\u00fcber her machen, ist nat\u00fcrlich eine enorme Herausforderung.<\/p>\n\n<!-- Facebook Like Button v1.9.6 BEGIN [http:\/\/blog.bottomlessinc.com] -->\n<fb:like href=\"https:\/\/reaev.de\/wordpress\/was-steckt-hinter-dem-mysterioesen-elefantensterben-in-botswana\/\" layout=\"standard\" show_faces=\"false\" width=\"450\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" font=\"tahoma\"><\/fb:like>\n<!-- Facebook Like Button END -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle Titelbild: The Guardian, 1. Juli 2020. Deutsche Zusammenfassung eines Artikels von Dina Fina Maron in der National Geographic vom 14. Juli 2020. Den kompletten Artikel (auf Englisch) finden Sie hier&#8230; &nbsp; Sie laufen im Kreis und scheinen benommen, bevor sie schlie\u00dflich tot umfallen, manchmal einfach kopf\u00fcber. 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