Die Monate Juli bis September wurden durch die sogenannte große Trockenzeit geprägt, die normalerweise bis in den Oktober andauert. Dieses Jahr zeigte sie sich vergleichsweise mild und es gab weiterhin ausreichend Weideland für die Elefanten und anderen Tiere. Das Gras wurde allmählich trockener und wechselte seine Farbe zu einem tiefen Goldton, was der Landschaft einen sehr schönen Anblick verlieh. Wichtiger war allerdings, dass die Vegetation den Elefanten ausreichend Nahrung bot. Daher befanden sie sich in besserer körperlicher Verfassung als es zu dieser Jahreszeit sonst gewöhnlich der Fall ist.
Die noch verfügbaren Weideflächen schrumpften allerdings im Laufe der Monate und beschränkten sich schließlich weitgehend auf den zentralen Teil des Amboseli Nationalparks, wo auch die Sümpfe liegen, welche das ganze Jahr Wasser und Nahrung bieten. Daher zogen immer mehr Zebras und Gnus in den Park zurück. Viele Elefantenfamilien folgten ihrem Beispiel und hielten sich vor allem in den Sümpfen auf. Dem Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) bot sich jetzt eine gute Möglichkeit, seine Aufzeichnungen für jene Familien zu aktualisieren, die sich den größten Teil des Jahres weiter entfernt aufhalten. Außerdem kam es häufig zu Begegnungen zwischen verschiedenen Elefantenfamilien, wobei interessante Interaktionen beobachtet werden konnten. Die Geburtenrate lag weiterhin über dem Durchschnitt, wodurch sich der Babyboom des Jahres 2025 fortsetzte.
Februar und März sind gewöhnlich die heißesten Monate des Jahres in Amboseli und bilden zusammen mit dem Januar die sogenannte kleine Trockenzeit. Bis Anfang März entsprachen auch dieses Jahr die Verhältnisse den üblichen Bedingungen. Allerdings war die vorherige Regenzeit so ergiebig gewesen, dass es noch immer ein ziemlich gutes Angebot an Wasser und Vegetation gab. Und dann setzte bereits während der ersten März-Wochen ungewöhnlich früh die nächste Regenzeit ein. Sie brachte viele Niederschläge und darunter sogar einige ungewöhnlich schwere Stürme, die in Teilen des Amboseli-Nationalparks Überschwemmungen verursachten. Der Regen bewirkte in kürzester Zeit eine wunderbare Veränderung der Landschaft: Überall zeigte sich frische, grüne Vegetation, viele temporäre Wasserstellen entstanden, und der Kilimanjaro erhielt eine leuchtende, frische Schneedecke auf seinem Gipfel. Während der Regenpausen präsentierte sich der „weiße“ Berg vor einer üppigen, grünen Landschaft – ein wirklich atemberaubender Anblick! Sogar das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE), dessen Mitglieder teilweise schon seit Jahrzehnten in Amboseli arbeiten, ist von diesem Bild immer wieder aufs Neue begeistert.
Angelina und ihre Familie vor dem Kilimanjaro
Sobald im März die Regenfälle einsetzten, verließen – wie üblich – die meisten Elefanten und viele andere Tiere den Park. Im Zentrum, wo die Sümpfe liegen und wo sich noch vor kurzem unzählige Tiere auf der Suche nach Wasser und Nahrung versammelt hatten, wirkte die Landschaft fast wie „leergefegt“. Abgesehen von den dauerhaft hier lebenden Flusspferden und verschiedenen Vögeln gab es nur wenige Tiere zu sehen. Die meisten Zebras, Giraffen und Antilopen waren jetzt außerhalb der Parkgrenzen unterwegs, und ein Großteil der Elefanten folgte ihrem Beispiel, darunter die EB-Familie mit ihrer Matriarchin Enid.
Ein Teil der Elefanten blieb allerdings weiter im Park, Familien ebenso wie Bullen. Doch egal , ob innerhalb oder außerhalb der Parkgrenzen, ein Verhalten konnte überall beobachtet werden: Die Elefanten versammelten sich in großen Herden, die aus mehreren Familien und unabhängigen Bullen bestanden, und zogen gemeinsam über die Savanne. Es gibt kaum ein besseres Beispiel für den sozialen Charakter dieser Tiere mit ihrem ausgeprägten Bedürfnis bzw. ihrer Fähigkeit Freundschaften zu schließen – auch mit Angehörigen anderer Familien. Gerade jetzt, wo es überall Nahrung und Wasser im Überfluss gab und es ihnen ein Leichts gewesen wäre sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen, machten sie gerade das Gegenteil und schlossen sich in großen Herden zusammen.
Die Elefanten versammeln sich während der Regenzeit oft in großen HerdenDie Elefanten trinken gerne das Regenwasser, das sich auf dem Weg gesammelt hat
Tatsächlich ist die Fähigkeit der Elefanten, vielfältige freundschaftliche Beziehungen aufzubauen, eine ihrer bemerkenswertesten Eigenschaften. Manchmal führt dies sogar dazu, dass Elefanten ihre Geburtsfamilie verlassen, um sich dauerhaft einer anderen Familie anzuschließen. In Amboseli ist dies beispielsweise bei Winona und ihrer Tochter Wilder der Fall, die in die WA-Familie geboren wurden und heute mit der MA-Familie leben. Dabei pflegen sie weiterhin enge Beziehungen zu den WAs, wie auch die MA- und WA-Familien generell eng befreundet sind. Natürlich sind Beispiele wie die von Winona und Wilder Einzelfälle, doch sie zeigen, wozu Elefanten unter bestimmten Voraussetzungen in der Lage sind.
Vor allem nahe der östlichen und westlichen Parkgrenzen konnte man große Herden finden. Es ist ein atemberaubender Anblick, wenn man hundert oder mehr Elefanten, darunter Kühe mit und ohne Kälber, junge und alte Bullen, zusammen sieht. Sie genießen die Gesellschaft ihrer Freunde und die guten Zeiten.
Freshet von der FA-Familie
Unter den Elefantenverbänden im östlichen Teil Amboselis wurden u.a. mehrfach Angehörige der FBs und GBs entdeckt. Die GBs sind eine der größten Familien Amboselis und teilen sich oft in zwei Gruppen. Eine wird von Gail und die andere von Golda geführt. Gails Gruppe konnte nur einmal gesichtet werden, doch Goldas Familienzweig war öfter zu sehen.
Golda gehört zu den eindrucksvollsten Matriarchinen Amboselis. Obwohl sie nicht besonders groß ist und nur einen Stoßzahn besitzt, wird sie von ihrer Familie bedingungslos respektiert, da alle ihre Erfahrung, Weisheit und Loyalität sowie ihren besonders sanften Charakter schätzen.
Golda (Mitte), die Matriarchin der GBs
Unter den großen Elefanten-Versammlungen im Westen Amboselis konnte man oft Mitglieder der AA-Familie, vor allem Angelina, Abra, Annan, Artemis und Arden mit ihren Kälbern sowie der IA/IC-Familie finden.
Angelina gehört zu den Berühmtheiten Amboselis – einerseits wegen ihres nach hinten gewachsenen linken Stoßzahns, an dem sie leicht zu erkennen ist, und andererseits wegen der Zwillingskälber, die sie im Jahr 2020 zur Welt gebracht hatte. Leider überlebte das männliche Kalb nicht, doch seine Schwester hat es geschafft und freut sich inzwischen über einen neuen kleinen Bruder, der Ende 2023 zu Welt gekommen war. Angelina verdient aber auch aus einem anderem Grund Beachtung: Als 2016 ihre Schwester Amber starb adoptierte sie deren erst einjährige Tochter Aurora-B und sicherte dadurch ihr Überleben.
Angelina (rechts) und ihre Tochter AmoraAngelina (rechts) und ihre Töchter Amora (mitte) und AspenAngelina und ihre Familie
Eine weitere bemerkenswerte Persönlichkeit der AA-Familie ist Annan, die Tochter der früheren Matriarchin Astrid. Wie ihre Mutter besitzt Annan einen sanften und ruhigen Charakter. Da sie Astrids einzige überlebende Tochter war, bestand zwischen den beiden eine besonders enge Bindung. Als Astrid Ende 2022 oder Anfang 2023 starb, trauerte Annan sehr um sie. Man konnte sehen, wie ihr dies auch physisch zusetzte, denn sie magerte stark ab – obwohl zwischenzeitlich wieder eine Regenzeit begonnen hatte und das Nahrungsangebot gut gewesen war. Erst sehr langsam schien sie sich von dem Verlust zu erholen. Jetzt aber sah sie endlich wieder richtig gut aus und hatte offensichtlich wieder ins Leben zurückgefunden. Sicher ist dies auch den anderen Mitgliedern ihrer Familie zu verdanken, die sie nicht allein gelassen haben und ihr Trost und Zuneigung spendeten.
Annan hat sich wieder gut erholtAnnan und ihr KalbAnnan führt eine Gruppe der AAs durch die Savanne
Im Westen waren auch einige sehr große Bullen zu sehen – vor allem Esau aus der EB-Familie und Pascal von den PAs. Esau gehört zu den eindrucksvollsten Big Tuskern Amboselis. Er wandert oft über die Grenze nach Tansania, wo die Trophäenjagd leider noch immer nicht endgültig und sicher beendet ist, auch wenn derzeit für den nördlichen Landesteil keine Abschussquoten bekanntgegeben sind, Deshalb macht man sich beim Amboseli Trust for Elephants (ATE) oft sehr große Sorgen um ihn. Als er vor einigen Monaten wegen einer Verletzung, die er sich bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Bullen zugezogen hatte, tierärztlich behandelt werden musste, erhielt er daher auch ein Senderhalsband. Dieses sollte ihm einen gewissen Schutz bieten, da die Trophäenjäger in Tansania normalerweise zumindest keine Tiere mit Sendern töten.
Esau, einer der größten Bullen in AmboseliEsau an einer kleinen Wasserstelle
Pascal ist noch etwas jünger als Esau, doch bereits sein jetziges Erscheinungsbild ist eindrucksvoll und lässt hoffen, dass er in einigen Jahren ebenfalls zu einem der ganz großen Stoßzahnträger werden wird. Man kann ihn übrigens sehr leicht an seinem ständig nach vorne geklappten rechten Ohr erkennen – möglicherweise die Folge einer Verletzung, die ihn aber nicht weiter behindert. Pascal befand sich gerade in der Musth und wanderte viel zwischen den Elefantenherden umher –immer auf der Suche nach paarungsbereiten Kühen.
Pascal ist in Musth
Esau verfolgte ähnliche Ziele und testete viele Male, ob sich diese oder jene Kuh gerade im Östrus befand. Doch leider waren weder Esau noch Pascal auf der Suche nach einer paarungsbereiten Kuh erfolgreich! Während der Dürre des Jahres 2022 war keine Kuh in den Östrus gekommen. Doch viele hatten leider ihre Kälber verloren. Sie alle kamen dann mit Beginn der Regenzeit 2023 in den Östrus, was zur Folge hatte, dass jetzt gerade viele Kühe schwanger waren und es daher kaum Paarungsmöglichkeiten für Bullen gab. Doch diese Chance hatten sie dafür bereits vor zwei Jahren viele Male gehabt.
Amora erhält Besuch von Esau, der prüft, ob sie sich im Östrus befindetVon links: Angelina, ihre Tochter Amora, ihr jüngstes Kalb und Esau
Die Elefanten in Amboseli erlebten also im Februar und März eine wirklich großartige Zeit. Wir wünschen ihnen, dass diese noch lange fortbesteht. Zumindest sollte durch die reichen Niederschläge gewährleistet sein, dass auch die nächste Trockenzeit gut überbrückt werden kann. Und dann wird hoffentlich auch die nächste Regenzeit rechtzeitig beginnen und für ein erneutes reiches Angebot an Wasser und Nahrung sorgen.
Im Oktober und November erlebte Amboseli eine dynamische Mischung aus heißem und feuchtem Wetter. Der Oktober begann mit großer Hitze und Trockenheit, während der November dann mit 150 mm Niederschlag die dringend benötigten Regenfälle brachte. In kürzester Zeit verwandelte sich der Park in eine grüne Oase, voller leuchtend-farbiger Wildblumen und Insekten. Der Regen veranlasste viele Elefanten dazu, den Park zu verlassen, was notwendig ist, damit sich die Vegetation wieder erholen kann. Für das Forschungsteam des Amboseli Trust for Elephants (ATE) reduzierte sich dadurch die Zeit, die sie im Feld verbrachten. Dafür stand nun Büroarbeit auf dem Programm; vor allem die Eingabe der in den letzten Monaten gewonnenen Daten und die Aktualisierung der Elefanten-IDs.
Die gesamte AA-Familie ist zusammengekommen
Doch wie immer blieb auch dieses Mal nach dem Einsetzen der Regenfälle eine gewisse Zahl von Elefanten im Park zurück. Zu ihnen gehörten Familien wie die AAs, die EBs, die FBs, die GBs, die KB2, die OBs und die PCs aber auch Bullen wie Phineas, dem letzten überlebenden Mitglied der PB-Familie. Sie alle machten einen guten Eindruck und waren in bester Verfassung.
Ottoline, die Matriarchin der OB-Familie
Die AA-Familie hielt sich in ihrem üblichen Gebiet auf. Wie es für sie typisch ist, waren sie abwechselnd alle zusammen und teilten sich dann wieder in kleinere Gruppen auf. Angelina und Abra haben eine dieser Untergruppen gebildet, während der Rest der Familie – Anghared, Althea, Ava, Arden, Artemis, Annan, Ann und ihre Kälber – enger zusammengeblieben ist.
Anghared führte eine Gruppe der AAs zum Fluss
Ann und Andrea von den AAs
Das ATE-Forschungsteam stellte fest, dass Aurora B, die verwaiste Tochter Ambers, das erste Mal schwanger zu sein scheint! Im November konnte man erkennen, dass ihre Brüste geschwollen waren, ein sicheres Zeichen für eine Schwangerschaft bei Erstgebärenden. Alle freuten sich für sie und sind gespannt auf ihr erstes Baby!
Aurora B hat viel durchgemacht, nachdem 2016 ihre Mutter gestorben war. Glücklicherweise wurde sie von ihrer Tante Angelina adoptiert, die sie in ihre Obhut nahm. Sie wird Aurora B hoffentlich auch die Unterstützung geben, die sie braucht, wenn das Neugeborene kommt. Die Forschungen des ATE zeigen, dass Elefantenkühe bei der Aufzucht ihrer ersten Kälber sehr davon profitieren, wenn ihre Mutter und Großmutter an ihrer Seite sind. Das Überleben der Kälber steht neben den ökologischen Bedingungen in direktem Zusammenhang mit der Erfahrung der Mutter und ihrer Unterstützerinnen. Auch wird hoffen für Aurora B, dass alles gut geht!
Artemis aus der AA-Familie mit zwei Kälbern
Die EB-Familie bereitete dem ATE-Team eine besonders große Freude, als sie zu einem Besuch direkt in das Forschungscamp kam. Sie wurde bei zahlreichen Gelegenheiten gesehen, einmal sogar zusammen mit der GB-Familie, die zwar ein ähnliches Streifgebiet hat, aber trotzdem nicht oft mit ihnen zusammen anzutreffen ist. Das liegt vermutlich daran, dass beide Familien relativ groß sind und es daher schwierig sein kann für alle Mitglieder an einem Ort ausreichend Nahrung zu finden. Dass sie sich jetzt doch wieder einmal getroffen haben, ist ein Beleg für die guten Bedingungen, die gerade gegeben waren. Die EBs haben das Beste aus der Fülle des Parks herausgeholt, spielten fröhlich zusammen im Schlamm und interagierten auf vielfältige Weise mit anderen Elefanten.
Die GBs zogen im Oktober regelmäßig in den Amboseli-Nationalpark ein und aus. Nach einer kurzen Sichtungspause im November waren sie gegen Ende dieses Monats wieder alle zusammen anzutreffen – sowohl Goldas als auch Gails Gruppe. Da es sich um eine große Familie handelt, ist es immer wieder beeindruckend, beide Familieneinheiten zusammen zu sehen. Ihre Kälber wirkten dabei sehr kräftig und gesund. Vermutlich waren auch einige der GB-Kühe schwanger. Garamba bewegte sich sehr langsam und sah schwerfällig aus, so dass es vielleicht nicht mehr lange bis zur Geburt dauern wird.
Genesis und ihr Sohn, Guinevere und Golda
Von der KB-Familie wurde nur die KB2-Gruppe vom ATE-Team gesehen. Doch von dieser gibt es ebenfalls aufregende Neuigkeiten zu berichten: Kamlaben, die 13-jährige Tochter von Kate, hat ihr erstes Kalb zur Welt gebracht! Es wurde Ende Oktober geboren und war ein gesundes Mädchen! Mit dem Beginn der Regenzeit im November standen Kamlaben genügend Ressourcen zur Verfügung, um ausreichend Milch zu produzieren, und mit der Unterstützung ihrer Mutter und ihrer Schwestern kann sie ihrem Kalb die besten Chancen bieten. Damit beginnt ein hoffnungsvolles neues Kapitel für diese Familie, und das ATE-Team ist sehr optimistisch, was die Zukunft von Kamlabens Kalb betrifft.
Kitty von den KBs mit ihrem Kalb
Gegen Ende November konnte der ATE erfreulicherweise berichten, dass die Elefanten in Amboseli dieses Jahr weniger Herausforderungen zu bewältigen hatten als in den beiden vorangegangenen Jahren. Da selbst am Ende der Trockenzeit noch genügend Vegetation vorhanden war, blieben die Elefanten in guter Verfassung und konnten nach dem Einsetzen der Regenzeit noch weitere Reserven aufbauen. Mit Blick auf den Dezember war das Team des ATE zuversichtlich, dass die Elefanten genug Gewicht zulegen werden, um auch die nächste Trockenperiode, die Anfang 2025 zu erwarten ist, gut zu überstehen. Wir wünschen den Elefanten Amboselis, dass sich die guten Zeiten noch lange fortsetzen werden.
August und September brachten kühleres und trockeneres Wetter nach Amboseli. Im September ist es zudem oft sehr windig und die Luft voller feinem Staub, der überall eindringt. Doch wenn es auch manchmal etwas trostlos aussieht, so sind diese Monate doch ein Teil des natürlichen Zyklus der Jahreszeiten in Amboseli. Und durch die zu Jahresbeginn ergiebigen Regenfälle befand sich auch jetzt die Vegetation noch immer in einem guten Zustand, so dass die Wildtiere genügend Ressourcen hatten, um zurecht zu kommen. Viele Gnus und Zebras kehrten in den Park zurück, da die Vegetation außerhalb des Parks nun allmählich knapper wurde. Auch die Elefanten kehrten in großer Zahl zurück und schlossen sich jenen an, die während der Regenzeit im Park geblieben waren. So begegnete das ATE-Team häufig Familien wie den AAs, EBs, FBs, GBs, KAs, LCs und PCs. Oft schlossen sich diese in großen Verbänden zusammen. Die GBs wurden mehrfach in solchen Versammlungen entdeckt. Diese Zusammenschlüsse zeigen besonders deutlich, wie sozial Elefanten veranlagt sind. Sie entwickeln komplexe Netzwerke aus Beziehungen, die weit über die eigene Familie hinausreichen.
Lynx mit einem Teil der LA1-FamiliePhoenix besitzt einen besonders ungewöhnlichen Stoßzahn
Die vielen Elefantenkühe, die jetzt im Park anzutreffen waren, lockten auch viele Bullen an, die nach paarungsbereiten Kühen Ausschau hielten. Isaiah und Toby II waren zwei von ihnen, welche das ATE-Team gut kennt. Die vielen Elefanten, denen das ATE-Feldteam nun begegnete, sorgten auch für viel Beschäftigung. Norah, Katito und ihre Kolleginnen nutzten die günstige Gelegenheit, um die demografischen Daten auf den neuesten Stand zu bringen. Die Überwachung der Elefanten gehört seit über 50 Jahren zur Routine der Forscherinnen, aber sie ist nach wie vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Da die Kälber wachsen und dabei ihr Aussehen verändern, müssen die ID-Fotos laufend aktualisiert werden, vor allem bei den männlichen Tieren, um sicherzustellen, dass man sie auch weiter identifizieren kann, wenn sie unabhängig werden
Isaiah
Toby II
In den letzten Jahren hatten Cynthia Moss und ihr Team ein Forschungsprojekt über junge Bullen und ihren Weg in die Unabhängigkeit durchgeführt. Die Studie brachte neue und interessante Einblicke in das Leben junger männlicher Elefanten und hat die Schutzstrategien des ATE weiter vorangetrieben. Junge Bullen wandern über riesige Entfernungen, dringen zu neuen Populationen vor und gehen dabei viel größere Risiken ein als Kühe oder ältere Bullen. Die Ergebnisse der Studie haben auch dazu beigetragen, bestimmte Gebiete als Korridore für Elefanten zu sichern, damit sie weiterhin in der Lage sind ihre Wanderungen durchzuführen.
Das Feldforschungsteam des ATE stützt sich vor allem auf zwei sehr erfahrene Frauen, Norah und Katito, die absolute Expertinnen auf ihrem Gebiet sind. Inzwischen engagieren sie sich auch dabei, der nächsten Generation von Kenianern ihre Fähigkeiten beizubringen, damit diese Arbeit noch lange fortgesetzt werden kann.
Cecilia, eine Praktikantin beim ATE, und Norah
So hatte der ATE in den letzten Monaten einer jungen Praktikantin Einblicke in die Arbeit der Feldforschung ermöglicht, in der Hoffnung, sie für die Mitarbeit und Fortführung dieses Projekts zu interessieren. Sie heißt Cecilia Parsae und ist eine Frau aus der lokalen Massai-Gemeinde. Grundvoraussetzung für die Arbeit in der Feldforschung ist es zu lernen, wie man die Elefanten identifiziert. Hierfür benötigt man etwa ein Jahr konsequenter Arbeit vor Ort, so dass Hingabe und Leidenschaft für die Elefanten eine notwendige Voraussetzung sind. Cecilia ist jetzt noch kein festes Mitglied des Teams, aber sie wird es hoffentlich in den kommenden Monaten werden. Bis jetzt genießt sie ihre Zeit in Amboseli und lernt so viel wie möglich über Elefanten und die Arbeit mit ihnen.
Norah (2. von links) mit ihren Schülern: Cecilia Parsae (links), Dr. Anna Estes (2. von rechts) und John Makindi (rechts)
ATE vermittelt seine Kenntnisse auch anderen Organisationen. So führte Norah im September eine Schulung für zwei Mitglieder des Greater Serengeti Elephant and Ecosystem Project durch. John Makindi und Dr. Anna Estes wurden in den Bereichen Altersbestimmung und Geschlechtsbestimmung im Feld, schnelle Altersbestimmung und Gruppendynamik geschult. Zu ihnen gesellte sich auch Cecilia, die dabei ihre Fähigkeit, Elefanten zu identifizieren, erweiterte und noch mehr über ihr Verhalten und ihre Biologie lernte.
Cecilia lernt, das Alter eines verstorbenen Elefanten anhand seines Kiefers zu bestimmen
Die AAs wurden besonders oft gesehen, und es geht allen gut. Arden und Airstreams neue Kälber entwickeln sich hervorragend und sind gute Freunde geworden. Ende August erhielt das Team des ATE den Anruf eines Tour-Guides, der berichtete, dass er eine Elefanten-Geburt knapp verpasst hatte. Er schickte aber ein Foto des frisch geborenen Kalbes und seiner Mutter, welche das Team sofort als Anghared erkannte, die ein männliches Kalb zur Welt gebracht hatte. Die AA-Familie hat dieses Jahr bereits mehrere neue Familienmitglieder bekommen und scheint sich langsam von den Verlusten zu erholen, die sie während der letzten Dürre erlitten hatte. Wir freuen uns sehr über die neuen Familienmitglieder und hoffen, dass sie sich weiter so positiv entwickeln werden.
Auch die EBs wurden in den letzten Monaten regelmäßig gesehen, und alle Familienmitglieder scheinen gesund zu sein. Das ATE-Team geht davon aus, dass mehrere Kühe Nachwuchs erwarten. Allerdings ist bis jetzt noch keines zur Welt gekommen. Es ist also noch etwas Geduld gefragt.
Elif von den EBs versucht, einen Geruch zu identifizieren
Enid, die Matriarchin, scheint sich von ihrer schlechten körperlichen Verfassung erholt zu haben, und ihr Verhalten, das auf Krankheit oder Depressionen (oder beides!) hindeutete, hat sich deutlich geändert. Nach dem Verlust ihres Kalbes und während der jüngsten Dürre war sie nicht mehr sie selbst gewesen, zog sich oft zurück und verlor etwas an Kondition. Ihre Tochter Elise blieb aber immer an ihrer Seite. Die Bindung zwischen den beiden ist sehr stark, was typisch für Mutter-Tochter-Beziehungen bei Elefanten ist.
Enid, die Matriarchin der EB-Familie
Eliot sah ebenfalls sehr gut aus, und ihr Kalb erwies sich als wahnsinnig kontaktfreudig und verspielt. Bei einer Gelegenheit beschloss Eliots Kalb, mit dem ATE-Forschungsfahrzeug zu spielen, indem es auf dieses zurannte, einen Angriff vortäuschte, sich spielerisch drehte und laut trompetete. Eliot und die anderen älteren Kühe hielten sie nicht zurück und versuchten auch nicht, das Spiel zu beenden. Ein schöner Beleg für das Vertrauen, das zwischen ihnen und dem ATE-Team herrscht.
Eliots verspieltes Baby
Sowohl Enids als auch Edwinas Teil der Familie kommen regelmäßig in das ATE-Camp und wecken das Team manchmal in der Nacht auf, da sie ganz in der Nähe der Zelte weiden. Alle aus dem Team lieben es, wenn die EBs im Camp sind, auch wenn dadurch die eine oder andere Ruhestörung verursacht wird! Außerdem: Wie könnte man besser wieder einschlafen als mit der Gewissheit, dass Elefanten das Zelt umgeben und bewachen?
Eliot in der Nähe des ATE-Camps
August und September waren also sehr angenehme Monate für die Elefanten in Amboseli, und das Team des ATE freute sich mit ihnen über die guten Bedingungen. Nur ein Problem bereitete dem ATE-Team noch immer Sorgen: Die Trophäenjagd im benachbarten Norden Tansanias. Diese war letztes Jahr nach fast 30-jähriger Pause wieder genehmigt worden und bedroht auch einen Teil der Elefanten Amboselis, vor allem die großen Bullen, wenn diese auf ihren regelmäßigen Wanderungen die Grenze zu Tansania überqueren. Trotz allen Einsatzes des ATE und anderer NGOs, die tansanische Regierung zu einem erneuten Jagdverbot zu bewegen, kann leider noch von keinem Erfolg berichtet werden.
Allerdings hätten im Juli eigentlich die neuen Jagdquoten bekanntgegeben werden sollen, was aber bis jetzt noch nicht erfolgt ist. Außerdem gibt es Informationen, wonach die kenianische und tansanische Regierung endlich Gespräche aufgenommen haben, um für dieses Thema eine Lösung zu finden. Das lässt hoffen, dass die Gefahr durch Trophäenjagd für die Elefanten Amboselis doch wieder beendet werden kann.
Cynthia Moss und ihr Team werden weiter alles in ihrer Macht stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen. Wer sie dabei unterstützen möchte, kann ihre Petition unterzeichnen, mit der sie die tansanische Regierung auffordern, die Trophäenjagd im Norden des Landes wieder zu beenden. Hier der Link zur Petitionsseite:
Außerdem wäre es sehr hilfreich, Appelle an die Botschaften Kenias und Tansanias zu senden, und diese ebenfalls aufzufordern, sich für eine Beendigung der Jagd auf Elefanten in Nord-Tansania einzusetzen. Wir haben hierfür zwei Musterbriefe vorbereitet, jeweils in Deutsch und Englisch, sowie eine Liste der Adressen der Botschaften in Deutschland, Österreich und Schweiz. Hier die Links zu diesen Seiten:
Juni und Juli waren trockene und kühle Monate in Amboseli. Das entspricht allerdings völlig dem normalen Zyklus der Jahreszeiten und da es in den Vormonaten ausreichend geregnet hatte besteht derzeit keine Gefahr, dass es wieder zu einer Dürre kommt. Die Elefanten fanden noch gute Weideflächen und die Sümpfe stellen die Wasserversorgung ohnehin das ganze Jahr über sicher. Das Land sah wunderschön aus. Die Savanne nahm durch das trockene Gras einen goldenen Farbton an, während der Horizont in violette und braune Schattierungen überging. Obwohl der Kilimandscharo wegen des zunehmenden Staubs in der Luft seltener zu sehen war, bot die Landschaft einen atemberaubenden Anblick.