Amboseli News: Juli bis September 2025

Eliot (vorne) und weitere Mitglieder der EBs

Die Monate Juli bis September wurden durch die sogenannte große Trockenzeit geprägt, die normalerweise bis in den Oktober andauert. Dieses Jahr zeigte sie sich vergleichsweise mild und es gab weiterhin ausreichend Weideland für die Elefanten und anderen Tiere. Das Gras wurde allmählich trockener und wechselte seine Farbe zu einem tiefen Goldton, was der Landschaft einen sehr schönen Anblick verlieh. Wichtiger war allerdings, dass die Vegetation den Elefanten ausreichend Nahrung bot. Daher befanden sie sich in besserer körperlicher Verfassung als es zu dieser Jahreszeit sonst gewöhnlich der Fall ist.

Die noch verfügbaren Weideflächen schrumpften allerdings im Laufe der Monate und beschränkten sich schließlich weitgehend auf den zentralen Teil des Amboseli Nationalparks, wo auch die Sümpfe liegen, welche das ganze Jahr Wasser und Nahrung bieten. Daher zogen immer mehr Zebras und Gnus in den Park zurück. Viele Elefantenfamilien folgten ihrem Beispiel und hielten sich vor allem in den Sümpfen auf. Dem Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) bot sich jetzt eine gute Möglichkeit, seine Aufzeichnungen für jene Familien zu aktualisieren, die sich den größten Teil des Jahres weiter entfernt aufhalten. Außerdem kam es häufig zu Begegnungen zwischen verschiedenen Elefantenfamilien, wobei interessante Interaktionen beobachtet werden konnten. Die Geburtenrate lag weiterhin über dem Durchschnitt, wodurch sich der Babyboom des Jahres 2025 fortsetzte.

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Amboseli News: April bis Juni 2025

Kendall von den KBs mit ihrem jüngsten Kalb

Das zweite Quartal 2025 begann für die Elefanten in Amboseli mit den besten Bedingungen, was der ungewöhnlich früh bereits im März gestarteten Regenzeit zu verdanken war, die sich mit ergiebigen Regenfällen im April und Mai fortsetzte. Amboseli verwandelte sich dadurch einmal mehr in ein üppig-grünes Paradies. Und passend dazu gab es einen enormen Anstieg an Geburten von Elefantenkälbern! Seit März hatte das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) bereits 108 neue Babys entdeckt. Es ist auch für die langjährigen Mitarbeiterinnen des Trust eine besondere Zeit, wenn sie so einen Babyboom erleben dürfen – selbst wenn sie dieses Mal damit gerechnet hatten. Die Verluste durch die Dürre des Jahres 2022 hatten zur Folge gehabt, dass viele Elefantenkühe im Jahr 2023, während der nächsten Regenzeit, in den Östrus gekommen waren. Und deshalb gab es jetzt, 22 Monate später, die vielen neuen Elefantenbabys. Dabei war dies erst der Anfang! Vermutlich werden im Laufe des Jahres noch viele weitere Kälber zur Welt kommen.

 

Auch die HA-Familie hat ein neues Kalb
Auch die HA-Familie hat ein neues Kalb

 

Die Feldforscherinnen des ATE hatten daher jetzt vor allem die schöne Aufgabe, die Elefantenfamilien nach neugeborenen Babys zu durchsuchen. Auch wenn viele Familien sich oft außerhalb des Parks aufhielten und manche, wie die FBs, überhaupt nicht gesehen wurden, so waren mehrere doch zumindest gelegentlich im Park anzutreffen, beispielsweise die AAs, EBs, GBs, HAs, KBs, LBs, PAs und ZCs. Auch Bullen konnten immer wieder entdeckt werden –wie Eloi oder Wellington.

Einigen Familien begegneten die Feldforschungsteams des ATE sogar regelmäßig – wie den AAs, die nach wie vor ein ziemlich standorttreues Verhalten zeigten. Vor allem Angelina hielt sich mit ihrer Gruppe oft in der Nähe des ATE-Camps auf, so dass ihr das Team oft auf dem Weg vom Camp in die Savanne und zurück begegnete. Im Mai sorgte sie allerdings einmal für eine Überraschung, als sie zusammen mit den SB-, YA- und JA2-Familien weit draußen im Westen des Parks entdeckt wurde. Diese anderen Familien sind im Gegensatz zu den AAs Stammgäste in diesem Teil des Parks, und Angelina überraschte das ATE-Team, als sie sich dominant verhielt und die anderen Familien verjagte. Elefanten sind grundsätzlich sehr soziale Tiere, die sich gerade auch in Zeiten mit gutem Nahrungsangebot gerne in großen Gruppen, bestehend aus mehreren Familien, zusammenschließen. Trotzdem ist Dominanz eine wichtiges Element in ihrem Sozialsystem, und die Rangordnung muss immer wieder einmal geklärt werden.

 

Angelina mit den AAs und vier weiteren Familien im Sumpf
Angelina mit den AAs und vier weiteren Familien im Sumpf

 

Weibliche Elefanten bleiben in der Regel ihr Leben lang in ihrer Geburtsfamilie, wenngleich es auch Ausnahmen gibt, und neueren Erkenntnissen zufolge scheinen Freundschaften der Kitt zu sein, der die Gruppen zusammenhält. Da bei Elefanten Freundschaften im Laufe der Zeit meistens stärker werden, hat dies natürlicherweise zur Folge, dass zwischen den Mitgliedern einer Familie, die sich von Geburt an kennen, meistens besonders starke Freundschaften bestehen. Die Dominanz innerhalb wie außerhalb der Familien wird zwar durch Alter und Führungsqualitäten beeinflusst, bestimmt aber nicht den sozialen Zusammenhalt. So können Familien auch nach dem Verlust einer Matriarchin ihre Bindungen untereinander bewahren – auch wenn es natürlich Beispiele von zeitweiser oder dauerhafter Aufsplitterung gibt. Freundschaften und Dominanz bestimmen beide das Zusammenleben der Elefanten auf unterschiedliche Weise.

Was Amboseli einzigartig macht, ist die Möglichkeit, hier diese sozialen Veränderungen im Laufe der Zeit zu verfolgen. Doch dies ist nur möglich, weil ATE die hier lebenden Elefanten seit mehr als 50 Jahren beobachtet und dabei jedes einzelne Tier sowie seine Beziehungen zu den anderen Elefanten kennt. So wurden dauerhafte Familientrennungen, die Bildung von Bindungsgruppen und sogar seltene Fälle dokumentiert, in denen einzelne Elefanten sich nicht verwandten Familien angeschlossen haben. Außerdem zeigen die Daten aus den ATE-Forschungen deutlich, dass Elefantenkühe soziale Entscheidungen bewusst treffen – und nicht nur aus Instinkt. Ihre Treue gegenüber ihren Verwandten und Freunden, gepaart mit ihrer Flexibilität im Umgang mit Herausforderungen, zeigen, wie Elefantenfamilien sich anpassen, um zu überleben. Diese Erkenntnisse sind nicht nur faszinierend, sondern auch von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Maßnahmen, die dem Schutz der Elefanten in ganz Afrika dienen.

 

AA-Familienmitglieder, von links: Ann, Alfre mit Kalb und Abra
AA-Familienmitglieder, von links: Ann, Alfre mit Kalb und Abra

 

Ende Mai traf Angelina wieder auf den Rest der AAs, und man konnte die ganze Familie zusammen sehen: Angelina, Aurora B, Ava, Anghared, Ann, Abra und Althea zusammen mit ihren Kälbern. Sie wurden dabei beobachtet, wie sie gemeinsam in Richtung Sumpf wanderten und unterwegs miteinander interagierten. Dabei wurden sie von Wellington begleitet, einem 31-jährigen unabhängigen Bullen, der ursprünglich aus der WA-Familie stammte. Wellingtons Mutter war Willa, und er hat noch zwei lebende Geschwister, Winona und Willard. Wellington blieb den ganzen Juni über in der Nähe von Anghareds Gruppe, weidete mit ihnen und folgte ihren Wegen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass unabhängige Bullen sich für gewisse Zeit mit weiblichen Gruppen zusammenschließen. Dadurch können sich Gelegenheiten für den Aufbau sozialer Bindungen, das Trainieren von Paarungsverhalten und ganz allgemein für die Entstehung von Kameradschaft ergeben – etwas, das für eine so soziale Spezies wie Elefanten enorm wichtig ist.

 

Eloi ist bereits ein imposanter Bulle
Eloi ist bereits ein imposanter Bulle

 

Für große Freude sorgte die Entdeckung, dass Ava und Akilina – Anghareds Tochter – je ein weibliches Kalb zur Welt gebracht hatten. Für Akilina war es sogar ihr erstes Kalb, wodurch Anghared nun auch erstmalig Großmutter wurde. Elefanten legen großen Wert auf ihre familiären Bindungen, und neugeborene Kälber werden oft von einem Netzwerk von Verwandten versorgt. Großmütter sind besonders fürsorglich und lassen ihre Enkelkinder sogar an ihrer Brust saugen, wenn sie selbst Milch haben.

Die EBs waren zunächst außerhalb des Parks unterwegs gewesen, kehrten aber im Juni zurück und verbrachten mehrere Tage in der Nähe des ATE-Camps. Für das Team war es wunderbar, sie wiederzusehen – Ebony, Enid, Elspeth, Echeri, Eugenie, Eleanor und Eliot –, wie sie sich zwischen den Palmen in der Nähe des Wegs zum Camp versammelt hatten. Noch aufregender war die Ankunft von vier neuen Kälbern. Enid hatte einen erst zehn Tage alten Jungen und ihre Tochter Elise einen zwei Wochen alten Sohn. Eleanor hatte ein etwa vier Wochen altes weibliches Kalb an ihrer Seite und Echeri,  ein Mädchen, das etwa drei Wochen alt war, als es im Juni zum ersten Mal gesehen wurde. Dank dieser vier Neuzugänge wirkte die Familie lebhaft und gut gelaunt. Die Kälber waren verspielt und selbstbewusst und wurden von ihren aufmerksamen und erfahrenen Babysittern genau beobachtet.

Mit 43 Jahren hat Echos Tochter Enid die Führungsrolle, die einst ihre Mutter innehatte, vollständig übernommen. Sie erinnert die langjährigen Mitarbeiterinnen des ATE  in vielerlei Hinsicht an Echo – in ihrer Entscheidungsfindung, ihrer Gelassenheit und ihrem Selbstvertrauen. Obwohl sie nicht die Älteste in der Familie ist, übernahm Enid nach Echos Tod die Führung. Eudora, jetzt 53, ist die älteste Kuh in der Gruppe, hat aber nie die gleiche Neigung zur Führung gezeigt. Die Langzeitforschung hat gezeigt, dass das Alter zwar ein entscheidender Faktor für die Führung bei Elefanten ist, doch auch Persönlichkeit und Erfahrung spielen eine wichtige Rolle spielen.

 

GBs mit spielenden Kälbern
GBs mit spielenden Kälbern

 

Die GBs sind eine der größten Familien in Amboseli und hatten nun noch Zuwachs durch sieben neue Kälber erhalten, sechs männliche und ein weibliches. In Gails Gruppe hatten Gmail, Gamawa und Galileo männliche Kälber und in Goldas Gruppe Geeta, Ghost und Gatzamba ebenfalls Söhne und Geri als einzige eine Tochter. Geri ist zum ersten Mal Mutter geworden und eine Tochter von Graca, die 2014 verstorben ist. Geri war damals erst zwei Jahre alt, aber sie überlebte dank der Liebe und Unterstützung ihrer Großfamilie. Zum Glück für Geri lebt ihre Großmutter Georgia noch und gibt ihr die dringend benötigte Unterstützung auf ihrem Weg zur Mutterschaft.

Auch die KBs haben an der Freude über den aktuellen Babyboom teilgehabt, denn sowohl Kendall als auch Kigali hatten weibliche Kälber zur Welt gebracht. Besonders rührend war zu beobachten, wie aufmerksam die junge Kalybar sich um Kigalis Neugeborenes kümmerte. Als das ATE-Team sie zum ersten Mal sah, war Kalybars Verhalten so mütterlich – sie blieb in der Nähe, säugte das Kalb und folgte ihm ständig, so dass es zunächst aussah, als sei sie die Mutter. Erst später wurde das Kalb eindeutig mit Kigali beobachtet.

Derart fürsorgliche Kindermädchen sorgen gelegentlich zunächst für etwas Verwirrung. Wozu auch beiträgt, dass  die neugeborenen Kälber tatsächlich oft eine starke Bindung zu diesen sogenannten „Allomüttern“ aufbauen.

 

Kendall von den KBs mit ihrem jüngsten Kalb
Kendall von den KBs mit ihrem jüngsten Kalb

 

Sowohl die PC- als auch die PC2-Familie wurden in diesem Quartal gesichtet, und auch sie konnten neue Familienmitglieder begrüßen. Pink brachte Anfang April und Petula Ende Mai je ein männliches Kalb zur Welt. Pinks Kalb ist besonders selbstbewusst und aufgeschlossen. Einmal hat es sogar das Forschungsfahrzeug spielerisch angegriffen und bei einer anderen Gelegenheit Enids Kalb aus der EB-Familie umgestoßen. Beide Kälber spielten zunächst miteinander, aber die Aktion eskalierte und endete damit, dass Enids Kalb umgeworfen wurde. Pinks Kalb rannte dann frech auf das Forschungsfahrzeug zu, blieb aber abrupt stehen, vielleicht weil es merkte, dass es zu weit gegangen war – was das Forschungsteam zum Lachen brachte. Beide Mütter blieben währenddessen unbeeindruckt und ließen ihre Kälber ruhig spielen und interagieren. Ihre Toleranz spiegelt auch eine tief verwurzelte Vertrautheit mit dem Forschungsteam wider, da viele dieser Mütter die ATE-Fahrzeuge seit ihrer eigenen Kindheit kennen. Dieses Vertrauen wurde über Jahrzehnte hinweg durch ständige Präsenz und sorgfältige, ethische Beobachtungsmethoden aufgebaut. Dadurch erhielt ATE einen einzigartigen Zugang zur Welt der wilden Elefanten und konnte Kenntnisse über das Wesen, das Verhalten und die Bedürfnisse der Elefanten erlangen, die unser Wissen über Elefanten enorm bereichert haben und die wesentliche Voraussetzungen sind, um das Überleben in der Wildnis sicherzustellen.

Diese Zeit des Überflusses steht in krassem Gegensatz zu den Herausforderungen, denen Elefanten in ganz Afrika gegenüberstehen: Wilderei, Konflikte mit Menschen und der Verlust ihres Lebensraums bedrohen weiterhin akut ihr Überleben. Selbst in Amboseli hatte der Übergang von traditioneller Viehzucht zu Ackerbau außerhalb des Parks zu einer Zunahme an Konflikten zwischen Menschen und Elefanten geführt. Das ATE-Team unternimmt gemeinsam mit seinen Partnern alles in seiner Macht Stehende, um Lösungen für diese Probleme zu entwickeln und den Elefanten einen Lebensraum zu sichern, in dem sie frei und sicher leben können. Diese Arbeit ist alles andere als einfach, aber Aufgeben kommt für Cynthia Moss und ihr Team nicht in Frage!

 

Die LB-Familie im Sumpf
Die LB-Familie im Sumpf

 

Zu den vielfältigen Aktionen, die das ATE-Team aus diesem Grund durchführte oder unterstützte gehörten eine neue Info-Kampagne für richtiges Verhalten gegenüber Elefanten. Dabei wird mit den Ältesten der Massai zusammengearbeitet, um deren traditionelles Wissen mit neuesten Forschungsergebnissen zu verbinden und dadurch effektive und leicht umsetzbare Verhaltensweisen zu entwickeln, die Menschen helfen bei Begegnungen mit Elefanten Konflikte zu vermeiden. Dies ist umso wichtiger, als Umfragen gezeigt haben, dass im Laufe der Zeit viele traditionelle Kenntnisse verloren gegangen sind.

Im März und Mai unterstützte der ATE 40 Gemeindemitglieder aus dem gesamten Amboseli-Ökosystem, um an dem Workshop „Trainer of Trainers” der Organisation Save the Elephants (STE) teilnehmen zu können. Hier ging es darum, die von STE entwickelte „Toolbox für die Koexistenz von Menschen und Elefanten” kennenzulernen. Einen Schwerpunkt bildete die Vermittlung von Methoden, um Felder auf gewaltfreie Weise vor Elefanten zu schützen. Denn es ist klar: Der Schutz von Farmen ist ein wichtiges Anliegen, das man ernst nehmen muss, wenn man das Überleben der Elefanten sicherstellen will.

 

Auch die ZC-Familie ist zurückgekehrt
Auch die ZC-Familie ist zurückgekehrt

 

Der ATE und seine Partner leisten unverzichtbare, wertvolle Arbeit, um im Amboseli-Ökosystem ein friedliches Zusammenleben zwischen Elefanten und Menschen sicherzustellen. Wir sind dem gesamten Team sehr dankbar für ihr großartiges, nicht immer leichtes, Engagement und freuen uns, sie auf ihrem Weg zu unterstützen.

Amboseli News: August und September 2023

Amber aus der AA-Familie mit ihrem Baby

Im August und September begann in Amboseli allmählich die schwierigere Phase der Trockenzeit, die allerdings nicht mit einer echten Dürre vergleichbar war. Die Nahrung wurde allmählich knapper, doch war weiterhin noch genug für alle Wildtiere vorhanden. Die Elefanten kannten diese Entwicklung sehr gut und passten sich den Gegebenheiten an. Sie teilten sich in kleinere Familiengruppen auf, die sich hauptsächlich aus engverwandten Kühen, meistens Schwestern, und ihren Kälbern, zusammensetzten. Erfahrene Matriarchinnen wie Ulrica von der UA2-Familie sind nun von unschätzbarem Wert für die Elefanten.

 

Ulrica, die Matriarchin der UA2-Familie
Ulrica, die Matriarchin der UA2-Familie

 

Mitglieder der AA-Familie hielten sich gerne in dem Akazienwald auf, in dem das Camp des Amboseli Trust for Elephants (ATE) liegt. Oft kamen sie in die Nähe der Zelte, wo sie vom ATE-Team gesehen wurden. Auch Angelina und ihre Kälber waren dabei. Der Wald besteht aus Fieberbäumen, einer relativ schnellwachsenden Akazienart, die Gebiete mit einem hohen Grundwasserspiegel bevorzugt. In Amboseli gedeiht sie gut, weil der Grundwasserspiegel hoch ist und ihr der hohe Salzgehalt des Bodens im Amboseli-Becken nichts ausmacht. Im Park gibt es mehrere dichte Fieberbaumwälder, die während der Trockenzeit, wenn die Gräser weniger nahrhaft und knapp sind, eine wichtige Nahrungsquelle für viele Wildtiere darstellen. Die Elefanten sind sehr geschickt darin, sich von den Blättern und Zweigen zu ernähren, obwohl diese sehr harte, scharfe Dornen besitzen.

 

Angelina säugt ihre Tochter Alana
Angelina säugt ihre Tochter Alana

 

Am 15. September erhielt der ATE einen Anruf von einem Guide, der sich Sorgen um einen Elefanten machte. Er berichtete, der Elefant verhalte sich „seltsam“ und scheine verzweifelt zu sein. Das Team eilte zu der Stelle, von der er berichtet hatte, und musste feststellen, dass es Abra war, die ein kleines Mädchen zur Welt gebracht hatte. Sie hatte noch Blut an den Beinen, was bedeutete, dass die Geburt nur ganz kurz zuvor stattgefunden hatte.  Abras neues Kalb wurde bald der Familie vorgestellt, die sich sehr über das neue Mitglied freute. Im Laufe des Septembers wurde Abras Kalb bereits von vielen interessierten Elefantenkühen begrüßt. Es sah gesund und kräftig aus.

 

Amber's neues Baby
Ein neues Baby aus der AA-Familie
Amber aus der AA-Familie mit ihrem Baby
Die stolze Mutter und ihre Baby

Eines Morgens wurden die AAs zusammen mit der YA- und der JA-Familie in einem Gebiet gesehen, das direkt an den Akazienwald grenzte. Ebenfalls anwesend war Sabachi, ein unabhängiger Bulle aus der SB-Familie. Sabachi befand sich in Musth und verbrachte Zeit mit einer Kuh der YA-Familie, die paarungsbereit war und von ihm bewacht wurde. Bewachen ist ein übliches Verhalten, das dominante Bullen zeigen, um anderen Bullen den Zugang zu paarungsbereiten Kühe zu verwehren. Wenn diese an einer Paarung mit Bullen interessiert sind, lassen sie sich gerne bewachen, um nicht von jüngeren, weniger interessanten Bullen belästigt zu werden.

Die Kälber aller drei Familien waren besonders gut gelaunt; sie begrüßten sich und spielten ausgelassen miteinander in der Nähe des ATE-Forschungsfahrzeugs.

Auch die EB-Familie hielt sich innerhalb des Parks auf. Sie schienen enger zusammenzubleiben als andere Familien und waren fast immer in Rufweite (etwa zwei Kilometer, ausreichend für Infraschall-Rufe) voneinander entfernt. Enid hatte sich ein wenig von der Familie isoliert. Sie sah körperlich gut aus, zeigte aber durch ihr Verhalten, dass sie traurig oder unglücklich war. Ihre Tochter Elise verhielt sich unglaublich loyal und blieb die ganze Zeit an ihrer Seite. Dies ist für Elefanten äußerst typisch. Angesichts all dessen, was Enid widerfahren ist, war ihr Verhalten keine Überraschung, und sie wird etwas Zeit brauchen, um sich von ihren traumatischen Erlebnissen zu erholen. Aber mit der Unterstützung ihrer treuen  Familie wird sie es schaffen.

Enid, die Matriarchin der EB-Familie
Enid, die Matriarchin der EB-Familie
Elise, die Tochter Enids
Elise, die Tochter Enids

Die EBs verbrachten viel Zeit in den Sümpfen, um die üppige grüne Vegetation zu nutzen, welche die Sümpfe das ganze Jahr über bieten. Eliots neugeborenes weibliches Kalb war äußerst selbstbewusst und fröhlich. Es war eine große Freude, endlich wieder neues Leben bei den EBs zu sehen.

Eliot von den EBs bei der Nahrungssuche im Sumpf
Eliot mit ihrem Kalb bei der Nahrungssuche im Sumpf

Edwinas Gruppe blieb ebenfalls in der Nähe von Enids Teil der Familie, und alle Mitglieder sahen gut aus.  Eudora und Europa verbrachten Zeit mit Edwinas Familienzweig. Esprit war im August im Östrus und wurde bei mehrfach von unterschiedlichen Bullen verfolgt – unter anderem von Michael, Calvin und Ibrahima. Michael ist ein sehr beeindruckend aussehender, noch relativ junger Bulle, der in den kommenden Jahren möglicherweise zu einer der Ikonen Amboselis werden wird. Er wurde 1991 als Sohn Mabels aus der MA-Familie geboren. Michael befand sich in den letzten zwei Monaten in der Musth und erhielt viele Paarungsmöglichkeiten. Calvin ist acht Jahre älter als Michael, hat aber nicht so große Stoßzähne. Ibrahima ist erst 21 Jahre alt und hat daher noch kaum Chancen auf eine Paarung. Das ATE-Team hat nicht gesehen, wann oder mit welchem Bullen sich Esprit gepaart hat, doch es ist gut möglich, dass es entweder Calvin oder Michael war.

 

Europa von den EBs
Europa von den EBs

Auch Fortino, Facebook und Feretia von den FBs wurden regelmäßig mit ihren Kälbern gesehen. Facebook war im September im Östrus und wurde von einem Männchen namens Buyoya aus der BB-Familie verfolgt. Ob sie sich tatsächlich gepaart haben,  konnte allerdings auch in diesem Fall nicht beobachtet werden. Falls ja, dann wird Facebook in zweiundzwanzig Monaten ein Kalb zur Welt bringen.

 

Buyoya, ein Bulle aus der BB-Familie
Buyoya, ein Bulle aus der BB-Familie

Die lange Abwesenheit  von Fanny, der Matriarchin der FBs, macht dem ATE-Team allmählich Sorgen.  Sie vermuten, dass Fanny an den Folgen der jüngsten Dürre gestorben sein könnte. Das Team hatte sie zuletzt Ende Januar gesehen. Da sich ihre Familie vor Ort befindet und regelmäßig beobachtet wird, ist die lange Abwesenheit von Fanny kein gutes Zeichen. Man muss mit Rückschlüssen vorsichtig sein, denn das ATE-Team hatte in der Vergangenheit schon einige Überraschungen erlebt. Aber unter den gegebenen Umständen ist leider fast sicher anzunehmen, dass Fanny gestorben ist. Sie wurde 1969 geboren und befand sich mit 54 Jahren in einem Alter, in dem sie Entbehrungen durch Dürren nicht mehr leicht verkraftet.

Dürreperioden fordern in der Regel das Leben der jüngsten und ältesten Mitglieder einer Population. Und dazu gehören leider oft auch Matriarchinnen. Alle beim ATE sind traurig, dass die FBs offenbar ihre erfahrene Anführerin verloren haben. Dieser Verlust wird auch Auswirkungen auf die Familienstruktur haben. Die älteste lebende Kuh ist jetzt Flossie, aber da sie zu Floras Linie der Familie gehört, während Fanny zu Fredas Linie gehörte, könnte es zu einer Spaltung der Familie kommen. Da die FBs wegen der jetzt schon etwas trockeneren Bedingungen ohnehin dazu tendieren,  sich zur Futtersuche in kleinere Gruppen aufzuteilen, kann man im Moment schwer sagen, ob sich die Familie tatsächlich dauerhaft geteilt hat. Aber mit der Rückkehr des Regens in den kommenden Monaten sollte es möglich sein festzustellen, wer die Führung übernommen hat und ob die Familie zusammenbleibt oder nicht.

Viel erfreulicher sind die Meldungen, die es von der GB-Familie gibt. Sie sind mit dem Amboseli-Ökosystem eng verbunden, vor allem auch mit den Sümpfen, die ganzjährig Wasser und Vegetation bieten. Dadurch konnten sie zu einer der größten Familien dieses Gebiets heranzuwachsen. Wenn die GBs vollzählig versammelt durch die eindrucksvolle Landschaft ziehen, bietet die Familie  einen beeindruckenden Anblick.

Ein Highlight der letzten Monate ist Georgias jüngster Familienzuwachs, eine Tochter, die am 1. August geboren wurde. Georgia ist eine erfahrene Mutter und ihr Kalb hat dank ihrer fachkundigen mütterlichen Fürsorge die besten Chancen. Außerdem genießt Georgia die Unterstützung einer Vielzahl von heranwachsenden Kühen ihrer Familie, die als Kindermädchen alle eifrig mithelfen und für das Wohlergehen des neuesten Familienmitglieds sorgen. Ein Beweis für den starken Zusammenhalt innerhalb der GB-Familie.

 

Georgia und Garamba von den GBs
Georgia und Garamba von den GBs

Georgias Kalb genießt auch die liebevolle Aufmerksamkeit der älteren Kühe in der Familie. Einmal versuchte sie sogar, von ihrer viel älteren Schwester Garamba gesäugt zu werden. Garamba, die sich um ihren eigenen Nachwuchs kümmern muss, gab der Neugier der Kleinen kurz nach und schob sie dann sanft weg. Ihr Jüngster ist mit fünf Jahren inzwischen allerdings nicht mehr auf Milch angewiesen. Vermutlich erwartet Garamba aber bereits ihr nächstes Kalb in nicht mehr allzu ferner Zukunft. Im Durchschnitt bekommen Elefantenkühe in Amboseli alle drei bis fünf Jahre ein Kalb.

Die GB-Familie fasziniert das ATE-Team ganz besonders mit ihrer Unverwüstlichkeit, ihrem Zusammenhalt und ihren verspielten, ungestümen Kälbern. Und so hoffen wir auf viele weitere außergewöhnliche Begegnungen und Berichte, die uns Einblick in das Leben der sanften Riesen von Amboseli geben.

Die OA-Familie hatte sich während der letzten Monate leider etwas rätselhaft verhalten, was es selbst für die erfahrenen und engagierten Forscherinnen des ATE schwierig machte, sie zu entdecken. Ihre Gewohnheit, inner- wie außerhalb des Parks Nahrung zu suchen, gepaart mit ihrer Vorliebe für immer wieder unterschiedliche Routen, hat die Versuche des Teams, sie zu sichten, mit wenig Erfolg belohnt.  Es wurden stets nur Teile der Familie entdeckt: Die eigentlichen OAs einmal am 16. August und die OA2 ein anderes Mal am 22. August. Es besteht Grund zu der Annahme, dass sich die OAs noch immer im selben Gebiet aufhalten, da in der Nähe auch ihre Verwandten und Freunde von der CB-Familie angetroffen wurden. In den Sümpfen des Parks herrscht reger Elefantenbetrieb, was vermuten lässt, dass die OAs unter ihnen sind und nur auf den richtigen Moment warten, um sich dem ATE-Team zu präsentieren. Wir bleiben optimistisch, dass demnächst weitere Sichtungen folgen werden.

 

Eine Elefantenfamilie auf dem Weg durch Amboseli
Eine Elefantenfamilie auf dem Weg durch Amboseli

Die PC-Familie bereitete dem Team hingegen nicht so große Probleme. In den vergangenen zwei Monaten wurden sowohl Petula als auch Placida und ihre Familienmitglieder von den ATE-Forscherinnen entdeckt. Vor allem Petulas Gruppe wurde häufiger in der Mitte des Parks gesichtet. Die PCs gedeihen weiterhin prächtig. Häufig wurden sie beobachtet, wie sie hüfttief durch das Wasser der Sümpfe wateten – ein Anblick, den das ATE-Team leider nicht aus der Nähe genießen konnte, da es außerhalb bleiben musste. Bei den Begegnungen mit der PC-Familie zeichneten sich diese durch ihr ruhiges und gelassenes Verhalten aus, was einen eindrucksvollen Kontrast zu einigen anderen Elefantenbegegnungen im Park darstellte.

Im August und September befanden sich auch viele Bullen im Park, darunter Must-Bullen wie Michael und Sabachi. Da während der Dürre viele noch milchabhängige Kälber gestorben sind, kamen nun viele Kühe fast gleichzeitig wieder in den Östrus. Und das lockte die außergewöhnlich vielen Bullen in den Park. Musth-Bullen wie Michael und Sabachi haben dabei die besten Paarungschancen.

 

Michael, ein eindrucksvoller Bulle
Michael, ein eindrucksvoller Bulle
Sabachi, ein Bulle in Musth
Sabachi, ein Bulle in Musth

 

Der September erwies sich für das Team des ATE auch anderweitig als ein sehr geschäftiger Monat. Alle Mitglieder hatte das Privileg, an der Konferenz des Wildlife Research and Training Institute (WRTI) in Naivasha teilzunehmen. Bei diesem Treffen kamen Experten aus ganz Kenia und darüber hinaus sowie Vertreter der kenianischen Regierung zusammen. Hauptziel war es, sicherzustellen, dass die Erkenntnisse der Fachleute in die Entscheidungsprozesse der kenianischen Naturschutzpolitik und Landesentwicklungspläne einfließen. Einen besonderen Schwerpunkt  bildeten die Auswirkungen neuer Bauvorhaben, wie z. B. eine geplante Schnellstraße von Nairobi nach Mombasa, die durch wichtige Nationalparks mit zahlreichen Wildtiere führt.

Die Konferenz bot eine Plattform für offene Dialoge über die Schwierigkeit, wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz der Wildtiere zu vereinen. Es war erfreulich zu sehen, dass das Wissen und die Empfehlungen des ATE von der Regierung anerkannt und berücksichtigt wurden. Das machte Hoffnung und motivierte das Team, sich an den Diskussionen zu beteiligen, die darauf abzielten, nachhaltige Lösungen für den Schutz von Kenias wertvoller Tierwelt zu finden.

Amboseli News: Februar und März 2023

Giff, ein junger Bulle aus der GB-Familie

Februar und März waren dieses Jahr in Amboseli sehr heiße und trockene Monate. Nachdem die Regenzeit Ende 2022 nur sehr dürftig ausgefallen war, begann bereits im Februar eine neue Dürreperiode.

Dabei wurden erst jetzt die Verluste der Dürre 2022 bekannt. Die Zahl der Todesopfer war mit 150 Elefanten zwar nicht so hoch wie 2009, als ca. 400 Elefanten gestorben waren, doch jeder tote Elefant ist einer zuviel und ein schmerzhafter Verlust – gerade auch für das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE), das  jedes Tier der Amboseli-Population kennt und liebt.

Außerdem waren viele weitere Wildtiere der Dürre zum Opfer gefallen, vor allem Gnus und Zebras. Im Unterschied zu den Elefanten können diese Arten die Sümpfe nur schlecht als Nahrungsquelle nutzen, daher waren ihre Verluste noch höher.

 

Die Dürre forderte viele Opfer wie diese Gnus
Die Dürre forderte viele Opfer wie diese Gnus

 

Noch härter hatte es das Vieh der Menschen in der Nachbarschaft des Parks getroffen. Einige Viehzüchter haben 50 Prozent ihrer Tiere verloren. Und noch schlimmer waren die Kleinbauern betroffen, die rund um das Amboseli-Ökosystem Ackerbau betreiben. Sie erlebten völlige Ernteausfälle, und viele von ihnen hatten schlicht nicht genug Einkommen mehr, um sich und ihre Familien zu ernähren.

Da der Amboseli-Nationalpark einer der kleinsten Kenias ist, sind die Elefanten und anderen Wildtiere darauf angewiesen, auch Weidegründe außerhalb der Parkgrenzen zu nutzen. Die dort lebende Bevölkerung, die zum Großteil aus Massai besteht, hat dies über viele Generationen hinweg toleriert und sogar dafür gesorgt, dass das Amboseli-Gebiet weitgehend von Wilderern verschont blieb. Doch extreme Situationen wie Dürren erschweren das friedliche Zusammenleben naturgemäß schwer, da es für beide Seiten oft um die letzten Ressourcen und das nackte Überleben geht. Es ist daher dringend notwendig, Wege zu finden, um beiden Seiten zu helfen und das ursprüngliche, friedliche Miteinander wiederherzustellen.

 

Ilesha von der IAIC-Familie
Ilesha von der IAIC-Familie – auch sie kann nur in einem gesunden Ökosystem überleben

 

Zu diesem Zweck unterstützt der ATE verschiedene Projekte, beispielsweise die Versorgung von Familien und Schulen mit Lebensmitteln. Schüler erhalten eine Mahlzeit am Tag. So können sie weiter die Schule besuchen, und ihre Familien werden finanziell entlastet.

Die ganze Zeit war es unentwegt sehr trocken, windig und heiß. Überall im Park waren Staubteufel am Horizont zu sehen, und das Team des ATE sehnte sich jeden Tag mehr nach Regen. Für sie war es vor allem psychisch eine sehr anstrengende Zeit, da sie sahen, wie Menschen und Tiere erneut um ihr Überleben zu kämpfen begannen.

Wie üblich versammelten sich viele Tiere, vor allem Elefanten, bei den Sümpfen im Herzen des Parks, um hier die härteste Zeit zu überstehen.

Und dann, Ende März, kam endlich die langersehnte Erlösung: Der Regen kehrte zurück! Zuerst regnete es vor allem außerhalb des Parks, während innerhalb nur geringe Niederschläge fielen. Doch am 29. März gab es schließlich in der Nacht ein gewaltiges Gewitter mit Donner, Blitz und starkem Wind. Der Regenmesser im Camp zeigte 39 mm an, was von allen im Camp begeistert gefeiert wurde! Erleichterung und Freude sind nur schwer zu beschreiben, wenn eine Dürre durch einen solchen Regen beendet wird! Im Camp gab es Schlamm und Pfützen, was sich wie ein Novum anfühlte! Hilflos zusehen zu müssen, wie die Tiere unter der Dürre litten, hatte einen enormen psychischen Druck verursacht. Doch nun spürten alle, wie sich ihre Stimmung wieder aufhellte! Sie wussten, dass sich die Vegetation bei guten Regenfällen schnell erholen und damit auch das Leid der Tiere bald ein Ende haben würde.

 

Grünes Gras und ein schneebedeckter Kilimanjaro nach Beginn der Regenzeit
Grünes Gras und ein schneebedeckter Kilimanjaro nach Beginn der Regenzeit

 

Bemerkenswert war es, wie schnell die Wildtiere auf die Wetterveränderung reagierten. Fast über Nacht verließen vor allem die Zebras und Gnus den Park, um sich außerhalb von der frischen, neuen Vegetation zu ernähren. Die Elefanten blieben zwar weiterhin im Park, aber nicht mehr in der gleichen Anzahl wie zuvor. Auf Cynthia Moss und ihr Team wirkte die Veränderung dramatisch.

Wir gehen stark davon aus, dass es im April und Mai noch mehr Regen geben und sich die Natur dadurch schnell und deutlich erholen wird. Die meisten Tiere – einschließlich der Elefanten – werden sich in dieser Zeit außerhalb des Parks aufhalten und erst mit Beginn der nächsten Trockenzeit zurückkehren. Endlich ist die Zeit der Entbehrung vorbei!

 

Elefanten genießen ein Schlammbad
Elefanten genießen ein Schlammbad

 

Die Elefanten hatten die Monate der Dürre unterschiedlich gut bewältigt, was stark von den Strategien abhing, denen sie dabei folgten.

Die AA-Familie war dem für Elefanten üblichen Verhalten während Zeiten des Mangels gefolgt: Sie hatte sich in kleinere Gruppen aufgeteilt und blieb in der Nähe von Futter- und Wasserquellen. Manchmal zogen sich Familienmitglieder vom Rest der Gruppe zurück und verschwanden für mehrere Tage, bevor sie sich der Familie wieder anschlossen. Unter normalen Bedingungen würden Elefanten so etwas nicht tun, aber während Krisenzeiten hatten Cynthia Moss und ihr Team dies schon oft beobachtet.

Besonders auffällig und besorgniserregend war allerdings, dass man die Matriarchin Astrid Anfang Dezember das letzte Mal gesehen hatte. So eine lange Trennung ist für eine Leitkuh selbst während einer Dürre sehr ungewöhnlich. Bei Astrid wirkte es noch auffälliger, da sie und ihre Tochter Annan sonst fast unzertrennlich waren. Daher hielt das ATE-Team verstärkt Ausschau nach ihr und bat auch einige andere, befreundete, NGOs nach ihr zu suchen. Im Februar erfuhren sie dann von einem mehrere Wochen alten Kadaver, der innerhalb des Parks entdeckt worden war. Als sie dorthin fuhren, um zu überprüfen, wer der Elefant sein könnte, mussten sie leider feststellen, dass es sich tatsächlich um Astrid handelte.

 

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Astrid (links) und ihre Tochter Annan (rechts)
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Astrid (links) und ihre Tochter Annan (rechts)

 

Der Verlust einer Matriarchin ist für Elefantenfamilien immer äußerst schwer zu verkraften, und Astrid hatte nach dem Tod ihrer Vorgängerin und Mutter Alison besonders hart daran gearbeitet, die AA-Familie zusammenzuhalten. Sie war eine besonders sanfte und freundliche Elefantenkuh gewesen. Ihr Verlust schmerzte sehr.

Astrid wurde 1979 als Tochter Alisons geboren. Leider hatte sie in ihrem Leben nicht viel Glück mit ihren Kälbern gehabt. Von allen erreichte nur Annan das Erwachsenenalter und hat bis heute überlebt. Zwischen Astrid und Annan bestand eine sehr enge Bindung, und sie waren fast immer zusammen. Annan wird diesen Verlust daher sehr zu spüren bekommen, zumal sie auch um den Verlust ihres eigenen Kalbes trauert. Bis jetzt hat sie viel Zeit mit dem Rest der Familie verbracht und wurde oft zusammen mit ihrer Tante Artemi und deren Kälbern gesehen. Sie sah relativ mitgenommen und dünn aus, und die Spitze ihres vorher schön geschwungenen rechten Stoßzahns war abgebrochen. Wir können nur hoffen, dass sie sich allmählich wieder erholen wird.

 

Annan folgt ihrer Familie
Annan folgt ihrer Familie

 

Derzeit sind Anghared (geboren 1981) und Angelina (geboren 1985) die ältesten noch verbliebenen Kühe der AAs. Der Tod einer Matriarchin kann weitreichende und dauerhafte Veränderungen in einer Elefantenfamilie zur Folge haben, da es weitgehend davon abhängt, welche Kuh die Nachfolge antritt und wie deren Beziehungen zu den übrigen älteren Weibchen in der Familie sind. Es ist aber derzeit noch zu früh, um zu sagen, wie es weitergehen wird, denn zunächst waren die AAs wie die meisten Familien wegen der Dürre ohnehin in viele kleine Gruppen aufgeteilt. Erst im Verlauf der Regenzeit wird man vielleicht erkennen, wie die AAs sich entscheiden werden. Doch manchmal braucht es dafür sogar Jahre.

Im Moment halten sich die AAs zumindest im selben Gebiet auf und bleiben selbst bei Trennungen immer in Rufweite zueinander.

 

Ann und ihr neues Kalb
Familienzuwachs bei den AAs: Ann und ihr neues Kalb

 

Wesentlich erfreulichere Nachrichten gibt es von den EBs. Auch sie hatten sich in mehrere kleinere Gruppen aufgeteilt. Während Eliot und Edwina sich in derselben Gegend aufhielten, zog sich Enid mit Elise und Echeri in einen anderen Teil des Parks zurück, einem relativ kleinen Gebiet mit einem Radius von drei bis vier Kilometern. Hier hatten sie einen Ort mit Wasser, Nahrung und einem schönen Wald zum Schlafen und Ausruhen gefunden.

Enid war kurz vor der Dürre durch eine Speer-Attacke verletzt worden war und musste dann zusätzlich noch mit den Entbehrungen der Dürre und der Trauer um den Verlust ihres jüngsten Kalbes fertig werden. Das hatte sie physisch und psychisch enorm belastet und wir machten uns große Sorgen um sie. Jetzt sah sie endlich wieder besser aus und schien sich wirklich zu erholen. Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung! Und auch darüber, dass ihr männliches Kalb Emfatico bei ihr ist und in Anbetracht der überstandenen Dürre ebenfalls gut aussieht. Auch ihre Tochter Elise und ihre Freundin Echeri blieben treu an der Seite Enids. Dies war für sie sicher eine große psychische Unterstützung und wird ihr sehr geholfen haben, ihre Probleme zu bewältigen.

 

Enid, die Matriarchin der EBs
Enid, die Matriarchin der EB-Familie

 

Auch viele andere Familien scheinen die Dürre relativ gut überstanden zu haben. Darunter die OAs und die FBs. Letztere hielten sich oft zusammen mit vielen anderen Tieren in einem riesigen Sumpf auf und befanden sich dabei manchmal in Gesellschaft der EBs.

Im Unterschied zu anderen Familien hatten sich die GBs nur wenig in kleinere Gruppen aufgeteilt. Goldas Gruppe wurde oft zusammen gesehen und folgte jeden Tag derselben Routine. Gails Gruppe hielt sich in derselben Gegend auf wie Goldas Gruppe und manchmal waren sogar alle zusammen. Sie verbrachten viel Zeit in den Sümpfen, wo sie immer Wasser und Nahrung fanden. Die Sumpfvegetation ist gut, allerdings brauchen Elefanten langfristig Abwechslung in ihrer Ernährung, um gesund zu bleiben.  Insgesamt sahen die GBs sahen gut aus und ihre Strategie hatte sich eindeutig als erfolgreich erwiesen. Nach dem Einsetzen der Regenzeit freuten sie sich nun aber sichtlich über die frische, neue Vegetation.

 

Mitglieder der GB-Familie genießen das frische, grüne Gras
Mitglieder der GB-Familie genießen das frische, grüne Gras

 

Von den PCs waren sowohl die Gruppe von Petula als auch die von Placida in den letzten paar Monaten im Nationalpark anzutreffen. Placidas Gruppe wurde im Februar und März viermal und Petulas Gruppe sogar sechsmal gesehen. Auch sie hatten es geschafft in relativ guter Verfassung zu bleiben und sollten nun, wo es mehr frische und abwechslungsreichere Nahrung gibt, wieder an Gewicht zulegen. Sogar die neuen Kälbern in Placidas Gruppe machten einen guten Eindruck. Paris, Patience und Pauleta aus Placidas Gruppe sowie Pink und Piedad aus Petulas Grupe haben es geschafft, ihre jungen, milchabhängigen Kälber am Leben zu erhalten, die mit weniger als zwei Jahren zu den am meisten gefährdeten Altersgruppen gehörten. Nur Placida selbst sah etwas dünn aus und Petula hatte leider ihr 2020 geborenes weibliches Kalb verloren.

Wenn man die allgemeinen Verhältnissen in Amboseli betrachtet ist es erstaunlich wie gut die PCs insgesamt im Unterschied zu anderen die Dürre überstanden haben.

Auch viele Bullen waren im Park anzutreffen, darunter die drei Freunde Francois, Giff und Palmer. Francois ist der 18 Jahre alte Sohn Faridas  und ein Enkel Fannys. Giff ist der 1996 geborene Sohn von Geraldine. Er sieht sehr gut aus und ist ziemlich groß für sein Alter, typisch für GB-Bullen, die zu einem kräftigen Körperbau neigen. Palmer ist jetzt 29 Jahre alt, was bedeutet, dass er sich dem besten Alter eines Elefantenbullen nähert. Ab diesem Zeitpunkt kommen sie in die Musth, und haben dadurch vorrangig Zugang zu paarungsbereiten Kühen. Palmer ist ein sehr sanfter und ruhiger Elefant, der sehr lange gebraucht hat, um von seiner Familie unabhängig zu werden, weshalb man ihn oft als „Muttersöhnchen“ bezeichnete. Normalerweise verlassen Bullen ihre Familie im Alter von 12 bis 14 Jahren, aber Palmer blieb bis er 19 war. Palmers Mutter Peggy starb während der Dürre 2009, aber seine Schwester Patience lebt noch. Seit er seine Familie verlassen hat, ist Palmer enorm gewachsen und entwickelte sich zu einem der größeren Bullen in der Amboseli-Population.

 

Giff, ein junger Bulle aus der GB-Familie
Giff, ein junger Bulle aus der GB-Familie

 

Junge Bullen folgen älteren, um Überlebenstaktiken und das Paarungsverhalten zu lernen. Mit Palmer haben sich Francois und Giff einen sehr freundlichen Bullen als Lehrer ausgesucht.

Nach all den harten Zeiten können sich die Elefanten und anderen Wildtiere nun endlich wieder über bessere Bedingungen freuen und von den überstandenen Entbehrungen erholen. Wir hoffen sehr, dass sich die guten Verhältnisse nun bis zum Jahresende fortsetzen werden. Dann ist aufgrund des El Nino-Phänomens sogar eine sehr ergiebige Regenzeit zu erwarten.

Amboseli News: Dezember 2022 und Januar 2023

Angelina und ihre Kälber

Im Dezember und Januar war die schreckliche Dürre des letzten Jahres endlich zu Ende und wurde durch die lang ersehnte Regenzeit abgelöst. Die Vegetation begann sich zu erholen und mit ihr auch die Elefanten und viele andere Tiere.

Allerdings hielten sich die Niederschlagsmengen doch in Grenzen, und zudem waren sie in unterschiedlichem Ausmaß über das Gebiet verteilt. Außerhalb des Parks hatte es teilweise mehr Regen gegeben, und so wanderten im Dezember zahlreiche Tiere dorthin. Im Januar kehrten aber viele von ihnen, vor allem Gnus, bereits wieder zurück – wesentlich früher als sonst, denn normalerweise bleiben sie zwei bis drei Monate in den außerhalb liegenden Weidegründen. Vermutlich waren also auch dort die Bedingungen nicht besonders gut gewesen, und dies könnte zudem zu verstärkter Konkurrenz mit dem Vieh der lokalen Bevölkerung geführt haben. Die Elefanten waren von diesem Problem weniger betroffen, da sie nicht ausschließlich auf Gras angewiesen sind, sondern auch andere Pflanzen als Nahrung nutzen. Doch leider lässt die frühe Rückkehr der Gnus befürchten, dass sich Amboseli insgesamt nur notdürftig von der Dürre erholt hat und bis zum Beginn der nächsten Regenzeit, die man im April erwarten darf, erneut harte Zeiten auf die Wildtiere zukommen. „Amboseli News: Dezember 2022 und Januar 2023“ weiterlesen