Amboseli News: Juli bis September 2025

Eliot (vorne) und weitere Mitglieder der EBs

Die Monate Juli bis September wurden durch die sogenannte große Trockenzeit geprägt, die normalerweise bis in den Oktober andauert. Dieses Jahr zeigte sie sich vergleichsweise mild und es gab weiterhin ausreichend Weideland für die Elefanten und anderen Tiere. Das Gras wurde allmählich trockener und wechselte seine Farbe zu einem tiefen Goldton, was der Landschaft einen sehr schönen Anblick verlieh. Wichtiger war allerdings, dass die Vegetation den Elefanten ausreichend Nahrung bot. Daher befanden sie sich in besserer körperlicher Verfassung als es zu dieser Jahreszeit sonst gewöhnlich der Fall ist.

Die noch verfügbaren Weideflächen schrumpften allerdings im Laufe der Monate und beschränkten sich schließlich weitgehend auf den zentralen Teil des Amboseli Nationalparks, wo auch die Sümpfe liegen, welche das ganze Jahr Wasser und Nahrung bieten. Daher zogen immer mehr Zebras und Gnus in den Park zurück. Viele Elefantenfamilien folgten ihrem Beispiel und hielten sich vor allem in den Sümpfen auf. Dem Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) bot sich jetzt eine gute Möglichkeit, seine Aufzeichnungen für jene Familien zu aktualisieren, die sich den größten Teil des Jahres weiter entfernt aufhalten. Außerdem kam es häufig zu Begegnungen zwischen verschiedenen Elefantenfamilien, wobei interessante Interaktionen beobachtet werden konnten. Die Geburtenrate lag weiterhin über dem Durchschnitt, wodurch sich der Babyboom des Jahres 2025 fortsetzte.

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Amboseli News: April bis Juni 2025

Kendall von den KBs mit ihrem jüngsten Kalb

Das zweite Quartal 2025 begann für die Elefanten in Amboseli mit den besten Bedingungen, was der ungewöhnlich früh bereits im März gestarteten Regenzeit zu verdanken war, die sich mit ergiebigen Regenfällen im April und Mai fortsetzte. Amboseli verwandelte sich dadurch einmal mehr in ein üppig-grünes Paradies. Und passend dazu gab es einen enormen Anstieg an Geburten von Elefantenkälbern! Seit März hatte das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) bereits 108 neue Babys entdeckt. Es ist auch für die langjährigen Mitarbeiterinnen des Trust eine besondere Zeit, wenn sie so einen Babyboom erleben dürfen – selbst wenn sie dieses Mal damit gerechnet hatten. Die Verluste durch die Dürre des Jahres 2022 hatten zur Folge gehabt, dass viele Elefantenkühe im Jahr 2023, während der nächsten Regenzeit, in den Östrus gekommen waren. Und deshalb gab es jetzt, 22 Monate später, die vielen neuen Elefantenbabys. Dabei war dies erst der Anfang! Vermutlich werden im Laufe des Jahres noch viele weitere Kälber zur Welt kommen.

 

Auch die HA-Familie hat ein neues Kalb
Auch die HA-Familie hat ein neues Kalb

 

Die Feldforscherinnen des ATE hatten daher jetzt vor allem die schöne Aufgabe, die Elefantenfamilien nach neugeborenen Babys zu durchsuchen. Auch wenn viele Familien sich oft außerhalb des Parks aufhielten und manche, wie die FBs, überhaupt nicht gesehen wurden, so waren mehrere doch zumindest gelegentlich im Park anzutreffen, beispielsweise die AAs, EBs, GBs, HAs, KBs, LBs, PAs und ZCs. Auch Bullen konnten immer wieder entdeckt werden –wie Eloi oder Wellington.

Einigen Familien begegneten die Feldforschungsteams des ATE sogar regelmäßig – wie den AAs, die nach wie vor ein ziemlich standorttreues Verhalten zeigten. Vor allem Angelina hielt sich mit ihrer Gruppe oft in der Nähe des ATE-Camps auf, so dass ihr das Team oft auf dem Weg vom Camp in die Savanne und zurück begegnete. Im Mai sorgte sie allerdings einmal für eine Überraschung, als sie zusammen mit den SB-, YA- und JA2-Familien weit draußen im Westen des Parks entdeckt wurde. Diese anderen Familien sind im Gegensatz zu den AAs Stammgäste in diesem Teil des Parks, und Angelina überraschte das ATE-Team, als sie sich dominant verhielt und die anderen Familien verjagte. Elefanten sind grundsätzlich sehr soziale Tiere, die sich gerade auch in Zeiten mit gutem Nahrungsangebot gerne in großen Gruppen, bestehend aus mehreren Familien, zusammenschließen. Trotzdem ist Dominanz eine wichtiges Element in ihrem Sozialsystem, und die Rangordnung muss immer wieder einmal geklärt werden.

 

Angelina mit den AAs und vier weiteren Familien im Sumpf
Angelina mit den AAs und vier weiteren Familien im Sumpf

 

Weibliche Elefanten bleiben in der Regel ihr Leben lang in ihrer Geburtsfamilie, wenngleich es auch Ausnahmen gibt, und neueren Erkenntnissen zufolge scheinen Freundschaften der Kitt zu sein, der die Gruppen zusammenhält. Da bei Elefanten Freundschaften im Laufe der Zeit meistens stärker werden, hat dies natürlicherweise zur Folge, dass zwischen den Mitgliedern einer Familie, die sich von Geburt an kennen, meistens besonders starke Freundschaften bestehen. Die Dominanz innerhalb wie außerhalb der Familien wird zwar durch Alter und Führungsqualitäten beeinflusst, bestimmt aber nicht den sozialen Zusammenhalt. So können Familien auch nach dem Verlust einer Matriarchin ihre Bindungen untereinander bewahren – auch wenn es natürlich Beispiele von zeitweiser oder dauerhafter Aufsplitterung gibt. Freundschaften und Dominanz bestimmen beide das Zusammenleben der Elefanten auf unterschiedliche Weise.

Was Amboseli einzigartig macht, ist die Möglichkeit, hier diese sozialen Veränderungen im Laufe der Zeit zu verfolgen. Doch dies ist nur möglich, weil ATE die hier lebenden Elefanten seit mehr als 50 Jahren beobachtet und dabei jedes einzelne Tier sowie seine Beziehungen zu den anderen Elefanten kennt. So wurden dauerhafte Familientrennungen, die Bildung von Bindungsgruppen und sogar seltene Fälle dokumentiert, in denen einzelne Elefanten sich nicht verwandten Familien angeschlossen haben. Außerdem zeigen die Daten aus den ATE-Forschungen deutlich, dass Elefantenkühe soziale Entscheidungen bewusst treffen – und nicht nur aus Instinkt. Ihre Treue gegenüber ihren Verwandten und Freunden, gepaart mit ihrer Flexibilität im Umgang mit Herausforderungen, zeigen, wie Elefantenfamilien sich anpassen, um zu überleben. Diese Erkenntnisse sind nicht nur faszinierend, sondern auch von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Maßnahmen, die dem Schutz der Elefanten in ganz Afrika dienen.

 

AA-Familienmitglieder, von links: Ann, Alfre mit Kalb und Abra
AA-Familienmitglieder, von links: Ann, Alfre mit Kalb und Abra

 

Ende Mai traf Angelina wieder auf den Rest der AAs, und man konnte die ganze Familie zusammen sehen: Angelina, Aurora B, Ava, Anghared, Ann, Abra und Althea zusammen mit ihren Kälbern. Sie wurden dabei beobachtet, wie sie gemeinsam in Richtung Sumpf wanderten und unterwegs miteinander interagierten. Dabei wurden sie von Wellington begleitet, einem 31-jährigen unabhängigen Bullen, der ursprünglich aus der WA-Familie stammte. Wellingtons Mutter war Willa, und er hat noch zwei lebende Geschwister, Winona und Willard. Wellington blieb den ganzen Juni über in der Nähe von Anghareds Gruppe, weidete mit ihnen und folgte ihren Wegen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass unabhängige Bullen sich für gewisse Zeit mit weiblichen Gruppen zusammenschließen. Dadurch können sich Gelegenheiten für den Aufbau sozialer Bindungen, das Trainieren von Paarungsverhalten und ganz allgemein für die Entstehung von Kameradschaft ergeben – etwas, das für eine so soziale Spezies wie Elefanten enorm wichtig ist.

 

Eloi ist bereits ein imposanter Bulle
Eloi ist bereits ein imposanter Bulle

 

Für große Freude sorgte die Entdeckung, dass Ava und Akilina – Anghareds Tochter – je ein weibliches Kalb zur Welt gebracht hatten. Für Akilina war es sogar ihr erstes Kalb, wodurch Anghared nun auch erstmalig Großmutter wurde. Elefanten legen großen Wert auf ihre familiären Bindungen, und neugeborene Kälber werden oft von einem Netzwerk von Verwandten versorgt. Großmütter sind besonders fürsorglich und lassen ihre Enkelkinder sogar an ihrer Brust saugen, wenn sie selbst Milch haben.

Die EBs waren zunächst außerhalb des Parks unterwegs gewesen, kehrten aber im Juni zurück und verbrachten mehrere Tage in der Nähe des ATE-Camps. Für das Team war es wunderbar, sie wiederzusehen – Ebony, Enid, Elspeth, Echeri, Eugenie, Eleanor und Eliot –, wie sie sich zwischen den Palmen in der Nähe des Wegs zum Camp versammelt hatten. Noch aufregender war die Ankunft von vier neuen Kälbern. Enid hatte einen erst zehn Tage alten Jungen und ihre Tochter Elise einen zwei Wochen alten Sohn. Eleanor hatte ein etwa vier Wochen altes weibliches Kalb an ihrer Seite und Echeri,  ein Mädchen, das etwa drei Wochen alt war, als es im Juni zum ersten Mal gesehen wurde. Dank dieser vier Neuzugänge wirkte die Familie lebhaft und gut gelaunt. Die Kälber waren verspielt und selbstbewusst und wurden von ihren aufmerksamen und erfahrenen Babysittern genau beobachtet.

Mit 43 Jahren hat Echos Tochter Enid die Führungsrolle, die einst ihre Mutter innehatte, vollständig übernommen. Sie erinnert die langjährigen Mitarbeiterinnen des ATE  in vielerlei Hinsicht an Echo – in ihrer Entscheidungsfindung, ihrer Gelassenheit und ihrem Selbstvertrauen. Obwohl sie nicht die Älteste in der Familie ist, übernahm Enid nach Echos Tod die Führung. Eudora, jetzt 53, ist die älteste Kuh in der Gruppe, hat aber nie die gleiche Neigung zur Führung gezeigt. Die Langzeitforschung hat gezeigt, dass das Alter zwar ein entscheidender Faktor für die Führung bei Elefanten ist, doch auch Persönlichkeit und Erfahrung spielen eine wichtige Rolle spielen.

 

GBs mit spielenden Kälbern
GBs mit spielenden Kälbern

 

Die GBs sind eine der größten Familien in Amboseli und hatten nun noch Zuwachs durch sieben neue Kälber erhalten, sechs männliche und ein weibliches. In Gails Gruppe hatten Gmail, Gamawa und Galileo männliche Kälber und in Goldas Gruppe Geeta, Ghost und Gatzamba ebenfalls Söhne und Geri als einzige eine Tochter. Geri ist zum ersten Mal Mutter geworden und eine Tochter von Graca, die 2014 verstorben ist. Geri war damals erst zwei Jahre alt, aber sie überlebte dank der Liebe und Unterstützung ihrer Großfamilie. Zum Glück für Geri lebt ihre Großmutter Georgia noch und gibt ihr die dringend benötigte Unterstützung auf ihrem Weg zur Mutterschaft.

Auch die KBs haben an der Freude über den aktuellen Babyboom teilgehabt, denn sowohl Kendall als auch Kigali hatten weibliche Kälber zur Welt gebracht. Besonders rührend war zu beobachten, wie aufmerksam die junge Kalybar sich um Kigalis Neugeborenes kümmerte. Als das ATE-Team sie zum ersten Mal sah, war Kalybars Verhalten so mütterlich – sie blieb in der Nähe, säugte das Kalb und folgte ihm ständig, so dass es zunächst aussah, als sei sie die Mutter. Erst später wurde das Kalb eindeutig mit Kigali beobachtet.

Derart fürsorgliche Kindermädchen sorgen gelegentlich zunächst für etwas Verwirrung. Wozu auch beiträgt, dass  die neugeborenen Kälber tatsächlich oft eine starke Bindung zu diesen sogenannten „Allomüttern“ aufbauen.

 

Kendall von den KBs mit ihrem jüngsten Kalb
Kendall von den KBs mit ihrem jüngsten Kalb

 

Sowohl die PC- als auch die PC2-Familie wurden in diesem Quartal gesichtet, und auch sie konnten neue Familienmitglieder begrüßen. Pink brachte Anfang April und Petula Ende Mai je ein männliches Kalb zur Welt. Pinks Kalb ist besonders selbstbewusst und aufgeschlossen. Einmal hat es sogar das Forschungsfahrzeug spielerisch angegriffen und bei einer anderen Gelegenheit Enids Kalb aus der EB-Familie umgestoßen. Beide Kälber spielten zunächst miteinander, aber die Aktion eskalierte und endete damit, dass Enids Kalb umgeworfen wurde. Pinks Kalb rannte dann frech auf das Forschungsfahrzeug zu, blieb aber abrupt stehen, vielleicht weil es merkte, dass es zu weit gegangen war – was das Forschungsteam zum Lachen brachte. Beide Mütter blieben währenddessen unbeeindruckt und ließen ihre Kälber ruhig spielen und interagieren. Ihre Toleranz spiegelt auch eine tief verwurzelte Vertrautheit mit dem Forschungsteam wider, da viele dieser Mütter die ATE-Fahrzeuge seit ihrer eigenen Kindheit kennen. Dieses Vertrauen wurde über Jahrzehnte hinweg durch ständige Präsenz und sorgfältige, ethische Beobachtungsmethoden aufgebaut. Dadurch erhielt ATE einen einzigartigen Zugang zur Welt der wilden Elefanten und konnte Kenntnisse über das Wesen, das Verhalten und die Bedürfnisse der Elefanten erlangen, die unser Wissen über Elefanten enorm bereichert haben und die wesentliche Voraussetzungen sind, um das Überleben in der Wildnis sicherzustellen.

Diese Zeit des Überflusses steht in krassem Gegensatz zu den Herausforderungen, denen Elefanten in ganz Afrika gegenüberstehen: Wilderei, Konflikte mit Menschen und der Verlust ihres Lebensraums bedrohen weiterhin akut ihr Überleben. Selbst in Amboseli hatte der Übergang von traditioneller Viehzucht zu Ackerbau außerhalb des Parks zu einer Zunahme an Konflikten zwischen Menschen und Elefanten geführt. Das ATE-Team unternimmt gemeinsam mit seinen Partnern alles in seiner Macht Stehende, um Lösungen für diese Probleme zu entwickeln und den Elefanten einen Lebensraum zu sichern, in dem sie frei und sicher leben können. Diese Arbeit ist alles andere als einfach, aber Aufgeben kommt für Cynthia Moss und ihr Team nicht in Frage!

 

Die LB-Familie im Sumpf
Die LB-Familie im Sumpf

 

Zu den vielfältigen Aktionen, die das ATE-Team aus diesem Grund durchführte oder unterstützte gehörten eine neue Info-Kampagne für richtiges Verhalten gegenüber Elefanten. Dabei wird mit den Ältesten der Massai zusammengearbeitet, um deren traditionelles Wissen mit neuesten Forschungsergebnissen zu verbinden und dadurch effektive und leicht umsetzbare Verhaltensweisen zu entwickeln, die Menschen helfen bei Begegnungen mit Elefanten Konflikte zu vermeiden. Dies ist umso wichtiger, als Umfragen gezeigt haben, dass im Laufe der Zeit viele traditionelle Kenntnisse verloren gegangen sind.

Im März und Mai unterstützte der ATE 40 Gemeindemitglieder aus dem gesamten Amboseli-Ökosystem, um an dem Workshop „Trainer of Trainers” der Organisation Save the Elephants (STE) teilnehmen zu können. Hier ging es darum, die von STE entwickelte „Toolbox für die Koexistenz von Menschen und Elefanten” kennenzulernen. Einen Schwerpunkt bildete die Vermittlung von Methoden, um Felder auf gewaltfreie Weise vor Elefanten zu schützen. Denn es ist klar: Der Schutz von Farmen ist ein wichtiges Anliegen, das man ernst nehmen muss, wenn man das Überleben der Elefanten sicherstellen will.

 

Auch die ZC-Familie ist zurückgekehrt
Auch die ZC-Familie ist zurückgekehrt

 

Der ATE und seine Partner leisten unverzichtbare, wertvolle Arbeit, um im Amboseli-Ökosystem ein friedliches Zusammenleben zwischen Elefanten und Menschen sicherzustellen. Wir sind dem gesamten Team sehr dankbar für ihr großartiges, nicht immer leichtes, Engagement und freuen uns, sie auf ihrem Weg zu unterstützen.

Amboseli News: Dezember 2022 und Januar 2023

Angelina und ihre Kälber

Im Dezember und Januar war die schreckliche Dürre des letzten Jahres endlich zu Ende und wurde durch die lang ersehnte Regenzeit abgelöst. Die Vegetation begann sich zu erholen und mit ihr auch die Elefanten und viele andere Tiere.

Allerdings hielten sich die Niederschlagsmengen doch in Grenzen, und zudem waren sie in unterschiedlichem Ausmaß über das Gebiet verteilt. Außerhalb des Parks hatte es teilweise mehr Regen gegeben, und so wanderten im Dezember zahlreiche Tiere dorthin. Im Januar kehrten aber viele von ihnen, vor allem Gnus, bereits wieder zurück – wesentlich früher als sonst, denn normalerweise bleiben sie zwei bis drei Monate in den außerhalb liegenden Weidegründen. Vermutlich waren also auch dort die Bedingungen nicht besonders gut gewesen, und dies könnte zudem zu verstärkter Konkurrenz mit dem Vieh der lokalen Bevölkerung geführt haben. Die Elefanten waren von diesem Problem weniger betroffen, da sie nicht ausschließlich auf Gras angewiesen sind, sondern auch andere Pflanzen als Nahrung nutzen. Doch leider lässt die frühe Rückkehr der Gnus befürchten, dass sich Amboseli insgesamt nur notdürftig von der Dürre erholt hat und bis zum Beginn der nächsten Regenzeit, die man im April erwarten darf, erneut harte Zeiten auf die Wildtiere zukommen. „Amboseli News: Dezember 2022 und Januar 2023“ weiterlesen

ATE News: Oktober und November 2022

Elefantenkuh mit zwei Kälbern aus der OB-Familie

Im Oktober und Anfang November erreichte die Dürre in Amboseli ihren brutalen Höhepunkt. Erst in der zweiten November-Hälfte setzten dann endlich die langersehnten Regenfälle ein, und die schlimmste Not nahm ein Ende.

 

Elefantenkuh wacht über schlafendem Kalb
Elefantenkuh wacht über schlafendem Kalb

 

Für die Elefanten und meisten anderen Wildtiere, aber auch für die Menschen und ihr Vieh war die monatelange Dürre eine Katastrophe. Schätzungsweise 5 % der Elefanten, 3 % der Giraffen, 12 % der Zebras, 15 % der Gnus und zwischen 20 % und 30 % des Viehs starben aufgrund der Trockenheit.

Für Cynthia Moss und ihr Team vom Amboseli Trust for Elephants (ATE) war das Leid, mit dem sie tagtäglich konfrontiert wurden, schwer zu ertragen. Sie nahmen es sogar deutlicher wahr als die meisten anderen Menschen vor Ort. Viele realisieren den Tod eines Tieres nur, wenn sie Augenzeugen waren oder zumindest seine Überreste finden, was beides eher selten der Fall ist. Das ATE-Team aber kennt jede Elefanten-Familie in Amboseli persönlich und weiß, aus wie vielen Mitgliedern – erwachsenen Kühen und Kälbern beiderlei Geschlechts – sie bestehen. Erwachsene können sich für einige Zeit von einer Familie trennen – Kälber nicht. Wenn die Forschungsteams des ATE Elefantenfamilien begegnen, kontrollieren sie stets, ob alle Mitglieder dabei sind. Und so mussten sie während der Dürre immer wieder feststellen, dass Kälber fehlten, was nur bedeuten konnte, dass sie wohl auch zu Opfern der Dürre geworden waren. Tatsächlich betraf die Sterblichkeit bei den Elefanten vor allem jüngere Kälber, deren Mütter nicht mehr genug Milch produzieren konnten, sowie ältere Kühe.

 

Elefantenbulle am Rand des Sumpfes vor vertrockneter Ebene
Elefantenbulle am Rand eines Sumpfes vor vertrockneter Ebene

 

Der Beginn der Regenzeit brachte Amboseli etwa 29 mm Niederschlag – eine durchschnittliche Menge für die „nassen“ Monate in diesem Gebiet. Außerhalb des Parks fiel teilweise allerdings etwas mehr Regen, und daher wanderten zahlreiche Tiere dorthin, auch viele Elefanten wie die FB- und PA-Familien. Mehrere Elefantenfamilien blieben auch im Park zurück. Dort fanden sie vielleicht nicht so gute Nahrungsbedingungen wie außerhalb, doch sparten sie viel Energie, indem sie weite Wanderungen vermieden. Jede Familie und jede Matriarchin verfolgt ihre eigenen Strategien, und das ist gut, denn auf diese Weise können die vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden.

Die AAs haben, wie erwartet,  ihr vertrautes Gebiet im Zentrum des Parks nicht verlassen. Leider hatten sie nach den Verlusten der vorangegangenen Monate noch weitere Mitglieder verloren: Annans zweijähriges männliches Kalb, das alle liebten, da es sehr selbstbewusst und lebhaft war, sowie Anns erst Anfang des Jahres geborenes weibliches Kalb. Diese Verluste verursachten in der Familie aber auch beim ATE-Team große Trauer.

 

Annan und ihr Kalb - als es noch lebte
Bild aus besseren Zeiten: Annan und ihr Kalb

 

Wenigstens gibt es auch eine gute Nachricht: Angelina hat es geschafft, dass ihr weibliches Zwillingskalb überlebte. Dies ist eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, wie benachteiligt das Kalb von Geburt an war. Zwillinge haben bei Elefanten kaum Überlebenschancen, da sie die Milch teilen müssen. Angelinas männliches Zwillingskalb war daher leider Ende 2021 gestorben. Nun musste seine Schwester zwar die Milch nicht mehr teilen, doch war sie in ihrer körperlichen Entwicklung im Vergleich zu gleichaltrigen Kälbern etwas zurückgeblieben. Dass sie die Dürre trotzdem überlebt hat, ist wirklich eine außergewöhnliche Leistung Angelinas.

 

Angelina und ihr weibliches Zwillingskalb
Angelina und ihr weibliches Zwillingskalb

 

Angelinas Kalb beim Trinken
Angelinas Kalb beim Trinken

 

Auch die EBs blieben innerhalb des Parks. Sie teilten sich während der letzten zwei Monate in viele kleinere Gruppen auf. Leider waren auch sie noch von weiteren Verlusten betroffen: Europa, Eliot und Entito haben ihre jüngsten, etwa zwei Jahre alten Kälber verloren.

Eliot wurde aber zusammen mit ihrer erwachsenen Tochter Entito, ihrer elf Jahre alten Tochter Ektarina und ihrem sieben Jahre alten Sohn Eumense gesehen. Wenigstens die älteren Kälber scheinen die Dürre alle überlebt zu haben.

Ebony begann damit, mehr Zeit beim ATE-Camp zu verbringen. Das Team freute sich sehr festzustellen, dass ihr jüngstes männliches Kalb überlebt hatte und ständig bei seiner Mutter war. Eliot und Entito hielten sich immer in Ebonys Nähe auf und deren siebenjähriger Sohn Eurypon freundete sich mit den beiden an. Ebony begann schließlich damit, sich mit dem Camp näher vertraut zu machen,  bewegte sich tagsüber manchmal direkt zwischen den Zelten und trank sogar Wasser aus dem Duschtank. Dabei verhielt sie sich aber sehr vorsichtig und rücksichtsvoll, beschädigte keine Leitungen und war auch sonst sehr höflich, so dass das Team sie in Ruhe ihren Geschäften nachgehen ließ. Natürlich hielten sie wie immer einen Sicherheitsabstand zu ihr ein, da sie schließlich ein wilder Elefant ist, obwohl sie sich in Gegenwart des ATE-Teams sehr ruhig verhält.

 

Mitglieder der EB-Familie im Ol Tukai Forest
Mitglieder der EB-Familie im Ol Tukai Forest

 

Auch Ektor, Enids elfjähriger Sohn, besuchte oft das ATE-Camp. Er kam an den Zelten vorbei, während ihre Bewohner drinnen an ihren Computern arbeiteten, und graste gerne in ihrer Nähe.

Enid selbst verbrachte einige Zeit in einem anderen Teil des Parks, und es sah so aus, als ob die Trockenheit in Verbindung mit dem Stress, den sie durch das Speeren von einigen Monaten erlitten hatte, ihren Tribut gefordert haben. Dazu kam, dass auch sie ihren zweijährigen Sohn verloren hatte, um den sie nun trauerte. Cynthia und ihr Team hoffen sehr, dass sie sich nach dem Beginn der Regenzeit möglichst bald wieder erholen wird.

 

Enid, die Matriarchin der EB-Familie
Enid, die Matriarchin der EB-Familie

 

Eleanor hielt sich ebenfalls im selben Gebiet wie Enid auf, wurde aber manchmal allein gesehen. Dieses Verhalten ist typisch für Dürreperioden; die Elefanten teilen sich auf, um leichter genug Nahrung für alle zu finden. Hinzu kommt aber auch, dass sie viel Kondition verloren haben und über Verluste trauern müssen. Beides kann sie sehr lethargisch machen.

Die EBs werden einige Zeit brauchen, um sich von dieser Dürre zu erholen, sowohl physisch wie psychisch, aber sie werden es schaffen, dessen ist sich das ATE-Team sicher. Hoffentlich geschieht es bald!

Die GBs waren in den letzten Monaten ebenfalls regelmäßig im Amboseli. Sowohl Gails wie Goldas Gruppen wurden mehrfach gesehen. Golda hat ihren Teil der Familie gut zusammengehalten, aber leider haben auch sie einen Verlust erlitten: Ghosts zweijährigen Sohn. Wenn man berücksichtigt, dass die GBs eine der größten Familien in Amboseli sind, haben sie allerdings mit nur einem verlorenen Kalb diese schlimme Zeit noch relativ gut überstanden – auch wenn jedes einzelne gestorbene Kalb eines zu viel ist. Doch andere Familien hatten deutlich mehr Verluste erlitten.

Die OAs verbrachten tagsüber viel Zeit im Park und hielten sich hauptsächlich in den Sümpfen auf, um die dort noch vorhandene – wenn auch nährstoffarme – Vegetation zu nutzen. Auch sie haben die Strapazen relativ gut überstanden, hatten aber ebenfalls über einen Verlust zu trauern: Olwens zweijährige Tochter. Die übrigen Kälber hatten bis zum Einsetzen der Regenfälle überlebt und damit das Schlimmste überstanden. Wir hoffen sehr, dass die OAs von weiteren Verlusten verschont bleiben.

 

Elefantenkuh mit zwei Kälbern aus der OB-Familie
Elefantenkuh mit zwei Kälbern aus der OB-Familie

 

Da Amboseli ein eher kleiner Park ist, war es für das Überleben der Wildtiere schon immer wichtig, dass sie auch außerhalb nach Nahrung suchen konnten. Die Massai und andere Nachbarn zeigten ihnen gegenüber in den meisten Fällen eine große Toleranz. Die Dürre hatte nun allerdings die Konkurrenz um die letzten Ressourcen verschärft, und es wird noch lange dauern bis alle, Menschen wie Tiere, sich von ihren Auswirkungen erholt haben. Und niemand weiß, wann die nächste Dürre kommt. Der Schutz von Elefanten und anderen Wildtieren wird dadurch vor immer größere Herausforderungen gestellt.

Cynthia Moss und ihr Team vom Amboseli Trust for Elephants wissen, dass es notwendig ist, in Zusammenarbeit mit der Regierung, anderen NGOs und der lokalen Bevölkerung Konzepte zu entwickeln, die auch in Zukunft eine friedliche Koexistenz von Menschen und Wildtieren ermöglichen. Denn eins ist klar: Wer die Elefanten schützen will, muss sicherstellen, dass auch die Menschen überleben und idealerweise vom Schutz der Wildtiere profitieren. Anders wird es nicht funktionieren.

 

Elefantenkuh mit Kälbern
Elefantenkuh mit Kälbern

 

Cynthia und ihr Team nahmen daher an verschiedenen Besprechungen und Diskussionen teil. Zu deren ersten greifbaren Ergebnissen gehören folgende Maßnahmen:

  1. Ernährungsprogramme für die Bevölkerung (vorrangig für Kinder und ältere Menschen) weiterführen
  2. Sicherung, Instandhaltung und Neuanlage von Wasserstellen für Wildtiere und Vieh (auch außerhalb des Parks in Gebieten, die während Dürrezeiten noch Nahrung bieten, aber zu weit von den natürlichen Wasserstellen im Parkzentrum entfernt liegen)
  3. Bereitstellung von Futter für Wildtiere und für das Vieh sowie die Behandlung des Viehs gegen Parasiten (wichtig für das Vieh selbst, aber auch für die Wildtiere, die sich sonst über den Dung selbst infizieren könnten – gerade bei geschwächtem Zustand in Trockenzeiten ein großes Problem)

 

Zu den längerfristigen Maßnahmen, die ebenfalls bereits angelaufen sind, gehören:

  1. Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenqualität
  2. Anlage einer Grassamenbank (um besonders dürreresistente Sorten zu fördern)
  3. Entwicklung nachhaltigerer und effektiverer landwirtschaftlicher Praktiken (welche weniger Land beanspruchen).

 

Für das ATE-Team zeichnet sich ab, dass sich auch ihre eigene Arbeit den neuen Herausforderungen anpassen muss. Ursprünglich war das wichtigste Ziel, das natürliche Verhalten der Elefanten und ihre Gesellschaft besser kennenzulernen. Dieses wird auch weiter ein Schwerpunkt bleiben. Doch zusätzlich wird die Entwicklung von Lösungen zu Vermeidung von Mensch-Wildtier-Konflikten immer wichtiger werden.

 

Annan bei der Futtersuche im Sumpf
Annan bei der Futtersuche im Sumpf

 

Hinter den Elefanten Amboselis liegen äußerst schwere Zeiten, die einen sehr schmerzhaften Tribut gefordert haben. Und niemand kann mit Sicherheit sagen, wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Doch vorerst haben die Niederschläge für ein Ende der schlimmsten Not gesorgt, und wir können nur hoffen, dass sich dies in den nächsten Monaten fortsetzen wird.

Viele der Amboseli-Elefanten sind nicht nur Cynthia und ihrem Team, sondern auch vielen Menschen weltweit gut bekannt, und wir alle hoffen von ganzem Herzen, dass sie sich bald von den Entbehrungen der letzten Monate erholen werden.

ATE News: Februar und März 2020

Angelina von den AA's und ihre Zwillinge.

News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate Februar und März 2020:

 

Amboseli hat äußerst ereignisreiche Jahre hinter sich, doch die Monate Februar und März 2020 übertrafen alles –  im Positiven wie Negativen!

 

Zu den positiven Höhepunkten zählten natürlich die äußerst ergiebigen Niederschläge. Schon seit zwei Jahren hatte es in Amboseli ungewöhnlich viel geregnet, doch Februar und März fielen besonders aus dem Rahmen. Normalerweise hätte in diesen Monaten eine Trockenzeit beginnen müssen und frühestens  im April wäre mit dem Beginn der große Regenzeit zu rechnen gewesen. Doch dieses Jahr regnete es einfach weiter. Zwar nicht täglich aber doch so oft, dass man fast sagen kann eine komplette Trockenzeit fiel aus und zwei Regenzeiten verschmolzen zu einer einzigen.  Im Februar fielen 78 mm Niederschlag und im März 56 mm.

 

Die Elefanten finden überall viel Nahrung.
Das Nahrungsangebot für die Elefanten ist sehr gut.

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