Eine Ikone aus dem Norden überlebt erneut

– Am Montag, den 03. Februar 2014, vormittags, erschien einer der berühmten Bullen des nördlichen Tsavo-Gebiets beim Schlammbad, wo sich die Waisen und Ex-Waisen jeden Morgen versammeln. Die Pfleger des David Sheldrick Wildlife Trust haben diesen besonderen Bullen, namens Mshale, seit Oktober 2013, als die Regenzeit den Norden grün werden ließ, nicht mehr gesehen. Eine Gruppe großer wilder Bullen wurde Teil der Stammteilnehmer des morgendlichen Schlammbades, jeder von ihnen war den Pflegern wohlbekannt. Infolge der Regenzeit von Oktober bis Dezember überwinden diese großen Bullen gewaltige Entfernungen, 100 km sind ein Spaziergang für einen Elefanten. Leider sind sie dadurch auch Gefahren ausgesetzt, die Bedrohung wegen ihres Elfenbeins gejagt zu werden, steigt deutlich.

 

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Die Wunde wird untersucht

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Die Wunde wird gereinigt

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Die Wunde wird behandelt

 

 

Die schweren Wunden auf Mshales Hals und Rücken erzählten an jenem Morgen eine Geschichte. Er war dünn und schwach zurückgekehrt, wurde brutal von Speeren durchbohrt – seinem Zustand und den Wunden nach zu urteilen wurden ihm diese Wunden wahrscheinlich schon vor Wochen und wahrscheinlich weit entfernt von Ithumba zugefügt. Sein Besuch war kein Zufall. Er ist vertraut mit den Ithumba-Waisen und unserem Pfleger-Team, aber leider auch mit Dr. Poghon, der erst vor weniger als drei Wochen verhinderte, dass Mshale an Pfeilwunden starb. Dieser berühmte Bulle mit seinen knapp 100 Pfund schweren Stoßzähnen ist – da besteht kein Zweifel – auch unter den Wilderern wohlbekannt, die es auf ihn abgesehen haben.

 

Der leise Killer der Tsavo-Elefanten ist der Wilderer, der Giftpfeile oder Speere bevorzugt. Geräuschlos und unentwegt haben die Wilderer auf der Suche nach Elfenbein die Elefanten im Visier, gerade jetzt, da die Nachfrage da ist. Für Giganten wie Mshale ist das Leben sehr nervenaufreibend.

 

Da er vorher schon dreimal behandelt wurde und er weiß, wo es Hilfe gibt, glauben wir, dass Mshale trotz seiner schlechten körperlichen Verfassung zurückkam, so dass er noch einmal behandelt und gerettet werden konnte. Sofort als die Pfleger sich seine Wunden angeschaut hatten, riefen sie Angela an und baten um tierärztliche Unterstützung. Der Tierarzt des Kenya Wildlife Trust, Dr. Poghon, unterstützt von der mobilen Veterinäreinheit des David Sheldrick Wildlife Trust, die von “Vier Pfoten“ finanziert wird, wurde alarmiert und bereitete seine Ausrüstung und Medikamente vor. Er fuhr sofort von Voi nach Mtito Andei, wo ihn die Cessna 185 des Trusts abholte. In Begleitung eines Wildhüters des Kenya Wildlife Trust und mit entsprechenden Vorräten ausgestattet, wurden sie in 20 min über das Yatta Plateau nach Ithumba geflogen, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Der große Bulle wurde direkt aus der Luft gesichtet.

 

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Die Wunde nach der Behandlung

 

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Auf die Wunde wird grüner Lehm aufgetragen

 

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Mshale steht noch unter dem Einfluss des Betäubungspfeils

 

 

Mshale war leicht mit dem Betäubungspfeil zu treffen und fiel in der Nähe einer Straße auf seine linke Seite, was es einfacher machte, da seine beiden Wunden auf der rechten Seite waren. Mit Unterstützung des Anti-Wilderer Teams des David Sheldrick Wildlife Trust und der Pfleger machten sich die Tierärzte an die Arbeit. Zwei große Speerwunden mussten gesäubert werden. Eine verlief rechts durch sein Ohr und tief in seinen Hals hinein, die andere in seinen Rücken. Eine Stunde später war die Arbeit getan und es war an der Zeit, ihn aufzuwecken. Die letzten beiden Male, als wir ihn behandelten, hatte er Schwierigkeiten, aufzustehen. Dieses Mal auch. Der Trust-eigene Traktor mit Allradantrieb wurde zur Hilfe gerufen. Mit einem Strick um seine Stoßzähne wurde der Koloss von einem Elefanten hochgezogen. Langsam erhob sich sein riesiger Kopf und die Stoßzähne vom Boden und er stand wieder. Er wartete und ließ es zu, dass das Seil von seinen Stoßzähnen entfernt wurde, bevor er sich langsam in den dichten Busch fortbewegte.

 

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Mshale erwacht

 

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Mshale ist fast wieder auf den Beinen

 

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Mshale erhebt sich

 

 

Aufgrund dieser tiefen Wunden sind wir sehr vorsichtig, was seine Überlebenschancen angeht. Wir hatten gehofft, dass er in der Nähe bleibt, damit er in den folgenden Tagen von den Wildhüter-Teams überwacht werden kann, aber er verschwand so überraschend, wie er gekommen war und kehrte nicht zurück. Die Bodentruppen patrouillierten ständig und unsere Luftunterstützung für den Kenya Wildlife Service überflog flächendeckend das Gebiet, um ihn zu überwachen. Gott sei Dank fanden wir nicht seinen Kadaver, allerdings haben wir ihn seit der Operation auch nicht mehr gesichtet. Er ist ein Überlebenskünstler und zu sehen, wie er sich zum vierten Mal vom Boden erhebt, beweist seine Stärke und sein Durchhaltevermögen und natürlich beten wir alle für einen positiven Ausgang.

 

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Mshale geht nach der Behandlung davon

 

 

Wir kennen diese Elefanten so gut wie uns selbst, teilen mit ihnen im Laufe der Jahre außergewöhnliche Erfahrungen, beobachten ihre unglaublichen Freundschaften mit unseren Ex-Waisen, wie sie zum Beispiel langsam ihre Weisheit und ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben, vor allen Dingen aber haben wir ihr Vertrauen und Verständnis. Das macht uns nur noch entschlossener etwas zu bewegen und alles menschenmögliche zu unternehmen, um diesen Wahnsinn zu stoppen. Alle Menschen auf der ganzen Welt müssen beim Kampf, die Elefanten zu retten, mitmachen, denn leider sterben solche großartigen Ikonen wie Mshale täglich, und das nur wegen eines Schmuckstücks aus Elfenbein. Das darf und kann nicht so weitergehen.