Am 15. April war Balguda zusammen mit seinem Freund Ziwa in unsere neueste Auswilderungsstation in Umani Springs im Kibwezi-Wald umgezogen. Diese Einrichtung war speziell für die anfälligeren Waisen geplant, jene, die Verletzungen haben, die sie behindern und solche, die aus anderen Gründen nicht robust genug für die harschen Bedingungen im Tsavo-Nationalpark und die langen Trockenzeiten dort sind. Umani Springs im Kibwezi-Wald hat angenehmere Bedingungen: viele Bäume, das ganze Jahr über jede Menge Wasser und frisches Futter.
Am 24. Juli 2015 wurde in der Nähe des KWS Hauptquartiers in Amboseli ein Elefant mit einer Speerwunde an seiner rechten Flanke gesichtet. Leider war der für Amboseli zuständige Tierarzt, Dr. Njoroge, auf einer Konferenz, so dass der Tierarzt der mobilen DSWT/KWS Veterinäreinheit aus Tsavo, Dr. Poghon, um Unterstützung gebeten wurde. Während der Elefant überwacht wurde, begann er, sich auf die Sumpfgebiete zuzubewegen. Da man aufgrund dessen befürchtete, dass die Behandlung nicht mehr rechtzeitig durchgeführt werden kann, wurde die DSWT Lufteinheit mobilisiert, die Dr. Poghon von Voi abholte und ihn dorthin flog, wo das Auto wartete, um ihn zu dem Elefanten zu bringen.
Nach einer kurzen Verfolgungsjagd mit dem Fahrzeug konnte der Doktor den verletzten Elefantenbullen geschickt betäuben. Der Bulle bewegte sich weiter bis ins offene Gelände fort, bevor die Betäubung wirkte. Als er schließlich bewusstlos wurde, rutschte er so, dass er auf seinem Brustkorb lag. Es wurde ein Gurt um seinen Stoßzahn gebunden und das Fahrzeug zog ihn auf die Seite, um seine Lungen zu entlasten und ihm das Atmen zu erleichtern, so dass Dr. Poghon mit seiner Arbeit beginnen konnte. Der Doktor bestätigte, dass die Verletzung durch einen Speer verursacht wurde und dass sie glücklicherweise nicht älter als zwei Tage war, so dass sie noch nicht begonnen hatte, zu eitern.
Der Elefantenbulle wird für die Behandlung betäubtDr. Poghon behandelt die Wunden
Der Eingriff selbst war unkompliziert, aber während Dr. Poghon die letzte Dosis Antibiotikum verabreichte, die Wunde reinigte und mit grünem Lehm behandelte, wachte der Elefant plötzlich auf. Erschrocken eilten die Ranger herbei, um die Augen des Elefanten abzudecken und andere halfen dabei, seinen Kopf mit Gewicht zu belasten, um ihn daran zu hindern, aufzustehen. Ihre Bemühungen waren jedoch vergebens, und der riesige Elefantenbulle schwang mühelos seinen Kopf und erhob sich auf seine Füße, während die Männer in alle Richtungen auseinanderliefen. Glücklicherweise griff er nicht an sondern entfernte sich ein kurzes Stück, bevor er erneut zusammenbrach. In dem Moment konnte ihm Dr. Poghon eine Aufwachspritze injizieren, um ihn richtig aufzuwecken und der Elefant stand auf und wanderte davon.
Nach dem Eingriff fuhr das Team zurück und konnte dabei einige andere große Elefantenbullen bewundern, die in seiner Gesellschaft waren. Zu seinen Freunden zählte auch ein sehr schönes Prachtexemplar namens Craig, der eine etwas kleinere Version des weltbekannten Tim ist. Im übrigen wurde Tim vor kurzem in sehr guter gesundheitlicher Verfassung gesichtet, nachdem auch er im November 2014 aufgrund einer Speerwunde von der DSWT/KWS mobilen Veterinäreinheit behandelt wurde.
Der verletzte ElefantenbulleTim, der früher einmal durch die Veterinäreinheit behandelt wurde, geht es gut
Durch Speere verletzte Elefanten sind in Amboseli oft das Ergebnis des Mensch-Tier-Konfliktes aufgrund der steigenden Zahl der bewässerten Farmen, die rings um die fragilen Wasservorräte aus dem Boden schießen.
Originalartikel erschienen auf der website des David Sheldrick Wildlife Trust, übersetzt aus dem Englischen.
Alamanya kam mit einem von Hyänen angebissenen Hinterteil zu uns. Ihre Wunden sind gut verheilt, aber die Narben haben ihren Genitalbereich deformiert, so daß sie nur schwer Harn absetzen kann. Dieser sammelt sich immer in einer kleinen Hauttasche, die bei der Vernarbung entstand. Es wird ein relativ kleiner Eingriff nötig sein, aber wir warten damit noch, bis sie ein wenig kräftiger ist. Auch Mwashotis Wunden verheilen gut, besser als unsere wildesten Vorstellungen. Sein Bein war durch eine Kabelschlinge schwer verwundet, aber inzwischen sind vier Monate Behandlung ins Land gegangen, und er kann sein Bein wieder fast normal benutzen. Mwashoti gehört zur Baby-Gruppe, da wir ihn bisher noch nicht zum öffentlichen Schlammbad lassen konnten. Seine Manieren lassen manchmal etwas zu Wünschen übrig, besonders wenn er den Älteren gegenüber aufmüpfig wird, die auch kein Problem damit haben, ihn zu bestrafen. Dann müssen die Keeper hin und wieder eingreifen!
Montag, 1. Juni 2015
Sities ging, kurz nachdem sie aus ihrem Gehege gekommen war, sofort zu dem Gehege der neuen Babys, um nach Kithaka, Barsilinga und Lemoyian zu sehen. Die Neulinge stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Waisen. Nachdem sie sie gefunden hatte, passte sie gut auf sie auf und beschnupperte sie von oben bis unten. Dann schnappte sie sich ein paar Reste des nächtlichen Futters und machte sich mit ihnen auf den Weg. Als die Anderen aus ihren Gehegen kamen und bereit für den neuen Tag waren, trat Laragai auf etwas Gras, das Kanjoro gerade fressen wollte. Das ärgerte ihn, und er gab ihr einen heftigen Schubser, damit sie merkte, wie verärgert er war.
Der Morgen war kühl und keiner der Waisen ging zum Saufen an der Tränke vorbei. Sie machten sich auf zum Kone und ihre treuen Keeper folgten ihnen. Narok führte die Waisen heute an und die anderen folgten ihr. Die Neulinge Kithaka, Barsilinga und Lemoyian haben sich nun gut eingelebt und scheinen sehr begeistert von ihrem neuen Zuhause zu sein. Sie erleben jetzt so viel mit den halbunabhängigen Waisen, den Ex-Waisen und ihren wilden Freunden. Jeder Tag ist anders und das Futter in Ithumba gefällt ihnen auch gut. Sities und Turkwel bewachten die drei Babys und mussten ab und zu mit Garzi schimpfen, der immer wieder versuchte, sie zu besteigen. Garzi ist gewohnt, der Kleinste der Gruppe zu sein, doch nach der Ankunft der neuen Babys will er zeigen, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Darum ärgert er sie, wann immer er Gelegenheit dafür bekommt. Glücklicherweise stellen die Kühe sicher, dass es nie überhand nimmt.
Zur Schlammbadzeit war es noch immer kühl, und die Waisen tranken nur Milch und soffen Wasser, ehe Kithaka in den Busch zurück voran ging. Sie ließen das Schlammbad komplett links liegen, doch das ist in der kalten Zeit nicht unüblich. Auf dem Weg rollte Teleki eine Weile auf dem Boden herum, ehe er dem Rest folgte. Auch Kanjoro und Shukuru staubbadeten eine Weile und warfen die rote Erde auf ihre Körper. Der kühlende Effekt ist sehr beliebt bei allen Elefanten.
Gegen Abend bekamen die Waisen Gesellschaft von einer Gruppe Ex-Waisen, die sie im Busch gefunden hatten. In der Gruppe waren Sidai, Lenana, Tomboi, Lualeni, Ololoo, Loijuk, Madiba und Zurura. Sidai und Lenana haben sich von Anfang an in Kithaka, Lemoyian und Barsilinga verliebt, und wollten ihnen nicht von der Seite weichen. Die Gruppe kam am Schlammloch vorbei, wo Lualeni sich ein abendliches Schlammbad gönnte. Orwa liebt es, die älteren Artgenossen herauszufordern und versuchte sich an Ololoo. Leider verlor er und musste sich beschämt zurückziehen, in der Hoffnung, dass es keiner bemerkt hatte.
Als die Herde zu den Stallungen aufbrach, gab es große Aufregung um Loijuk, die einfach nur das Leben genoss, herumjagte, trompetete und alle Büsche in ihrem Weg zertrampelte. Auf dem Weg hielt Barsilinga an, um sich mit seinem Rüssel einzustauben. Buchuma, Sidai und Lenana hielten ebenfalls an und warteten, bis er fertig war. Die kleinen Babys lieben die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird.
An den Stallungen war Sidai entrüstet, dass sie nicht mit hineindurfte, denn sie hatte geplant, mit ihren kleinen Babys in die Gehege zu gehen. Sie ging an den Gehegen auf und ab, bis sie müde wurde. Erst dann schloss sie sich Lenana, Buchuma, Zurura, Loijuk, Ololoo, Lualeni und Madiba wieder an und sie verschwanden in unbekannte Richtung.
Montag, 1. Juni 2015
Sonje lief mit ihrem Baby Balguda vor den anderen voran. Sie gingen so langsam, dass Sonje anhalten und auf sie warten musste. Die frechen Jungs Faraja und Ngasha waren sehr verspielt und schubsten sich gegenseitig. Sie testeten ihre Kräfte und versuchten herauszufinden, wer von ihnen stärker und der dominante Bulle ist. Die Keeper glauben, dass sich Jasiri bald als dominanter Bulle herausstellen wird und nicht die Rabauken Faraja oder Ngasha. Nach endloser Zeit holten die Babys endlich Sonje ein, die schon ungeduldig wurde. Alle kamen mit wedelnden Ohren zu ihr und es war das eine oder andere Trompeten zu hören. Murera versuchte, sie von hinten zu schieben, damit sie sich beeilten. Als Zongoloni ankam, sah sie sehr unruhig aus. Ihr juckte der Bauch, und sie suchte lange nach einem Felsen oder kräftigen Baum, an dem sie ihren Bauch kratzen konnte. Als sie endlich einen geeigneten Baum gefunden hatte, schuffelte sie sich an ihm und genoss das tolle Gefühl auf ihrer dicken Haut.
Im Laufe des Tages, als sich die Babys nach der Mittagsfütterung entspannten und die Keeper ihr Mittagessen unter einer Akazie einnahmen, sahen die Keeper, wie Sonje ihren Rüssel in die Luft streckte. Quanza und Lima Lima taten das gleiche, und die Keeper wunderten sich, was das wohl für ein Signal war. Dann kam ein wilder Bulle aus den Büschen heraus. Lima Lima ging ihm entgegen, doch die großen Leitkühe Sonje und Murera war das nicht geheuer. Bevor die Babys näher an ihn herangegangen waren, hörte der Bulle den Ruf der Keeper „Wazee, ndovu, ndovu“, der soviel wie „Jungs, Elefant, Elefant!“ bedeutet. Der Bulle rannte sofort davon und verschwand wieder im Gebüsch.