(übersetzt aus dem englischen Bericht des Sheldrick Wildlife Trust; alle Bilder © Sheldrick Wildlife Trust)
Die Geschichte der Rettung von Wamata begann wie viele andere auch: mit einem routinemäßigen Patrioullen-Flug. Der Pilot des Sheldrick Wildlife Trust (SWT) flog über den Fluss Tiva, als er ein winziges Elefantenkalb in der Nähe von Wamata, m Norden des Tsavo East Nationalparks erspähte. Es war ganz allein und machte einen hilflosen Eindruck, wie es versuchte, sich in dem Wäldchen am Fluss zu verstecken.
Neville, der Pilot, hat schon viele verwaiste Elefantenkälber in seinem Leben gesehen, und wie so oft war auch diesmal in der Nähe keine Mutter oder Herde zu finden. Er verständigte per Funk das Hauptquartier des SWT in Kaluku und machte sich dann daran, aus der Luft in größerem Umkreis nach Elefanten zu suchen. Aber leider ohne Erfolg — das kleine Kalb war tatsächlich ganz allein.






Das am nähesten stationierte Anti-Wilderei-Team von SWT und KWS (Kenya Wildlife Service) wurde zu der Stelle geschickt. Bis es ankam, beobachtete Neville das Kalb weiter und machte schon einmal ein paar Fotos, um genauere Informationen zu sammeln. Auf diesen war bereits zu erkennen, dass das kleine Mädchen in keinem guten Gesundheitszustand und offenbar schon lange auf sich allein gestellt gewesen war. So wurde schnell klar, dass eine Rettung unvermeidlich war, und der KWS gab grünes Licht.




Glücklicherweise hatte der Helikopter des SWT gerade einen anderen Einsatz beendet und war noch in der Gegend. Mit ihm wurde noch einmal aus der Luft nach Elefantenherden gesucht, aber erneut erfolglos. Niemand weiß, wie das Kalb verwaiste; möglicherweise wurde es in der Trockenzeit zurückgelassen, oder irgendetwas war seiner Mutter zugestoßen. Entscheidend war jetzt, dass es in Sicherheit gebracht wurde.
Das Team am Boden näherte sich schließlich zu Fuß der Kleinen. Da sie schon ziemlich schwach war, wehrte sie sich kaum. Die Retter platzierten sie auf einer Plane und trugen sie damit zum Helikopter, der sie wiederum direkt zum Waisenhaus des SWT in Nairobi brachte.

Dort wurde das Waisenkind schon von einem Team von Keepern in grünen Mänteln erwartet. Sie brachten es in einen Stall, der bereits mit frisch geschnittenem Grün und gemütlichem Heu ausgestattet war. In der ersten Nacht im Waisenhaus war das kleine Mädchen von beruhigendem Kollern der anderen Waisen umgeben. Es wurde Wamata genannt, um an den Ort ihrer Rettung zu erinnern.
Wamata war sehr geschwächt und schüchtern, als sie im Waisenhaus ankam. Sie musste sich erst einmal erholen, sowohl körperlich als auch emotional. Da sie aber sehr zurückhaltend war, vermutete Angela Sheldrick, dass ihr wohl am besten geholfen sei, wenn sie bald die anderen Waisen kennenlernen würde.




So wurde Wamata nur ein paar Tage nach ihrer Ankunft von einer ganz besonderen Mini-Herde nach draußen begleitet: Kerrio, Nyambeni, Mzinga, Taroha und Olomunyak. Die vier Mädchen und der kleine Bulle zeigten ihr, wo es langging. Und vor allem gaben sie ihr zu verstehen, dass sie jetzt zu ihrer Familie gehörte!
Inzwischen hat sich Wamata in der kleinen Truppe prima eingelebt. Sie ist zwar immer noch recht schüchtern, aber fühlt sich in ihrem neuen Zuhause sichtlich wohl. Sie genießt es, von Mushuru, Sileita, Muwingu und Muridjo umsorgt zu werden — obwohl natürlich alle Mädchen der Waisenherde sich darum reißen, sich um sie zu kümmern. Aber sie hat auch ihre Keeper lieben gelernt und nuckelt mit Vorliebe an deren Fingern.




Interessanterweise frisst Wamata besonders gern Grünfutter. Während die anderen Waisen gierig ihre Milchflaschen leeren, sieht man Wamata meist dabei, wie sie sich ausgiebig damit beschäftigt, die leckersten Blätter und Triebe in Büschen und Gräsern ausfindig zu machen. Vor ihrer Rettung musste sie sich eine ganze Weile damit über Wasser halten, Grün zu futtern, was ihr auch gelang — eine erstaunliche Leistung für ein kleines, noch milchabhängiges Kalb! Das steckt ihm wohl immer noch in den Knochen, trotz des reichhaltigen Futters, das ihm jetzt zur Verfügung steht.
Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Wamata ist das Schlammbad. Hier zeigt sie, was sie kann! Wenn sie im Wald an einem kleinen Schlammloch vorbeikommt, ist sie nicht zu halten und springt mit einem großen Platscher hinein, um anschließend sich selbst und alle, die nicht weit genug weg stehen, mit jeder Menge Matsch zu bespritzen. Das einsame, verängstigte Elefantenkalb, das nur wenige Wochen zuvor gerettet worden war, hat seinen neuen Platz in der Welt gefunden.
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