Samstag, 1. Oktober 2016
Der Morgen war wunderbar, und die Waisen kamen gutgelaunt aus ihren Gehegen. Sie tranken ihre Milchflaschen, bevor sie zum Frühstück gingen. Es war ein geschäftiger Tag, und die Waisen brachen an den Stallungen auf, sobald sie ihr Zusatzfutter gefressen hatten. Sie wollten am Morgen so viel grasen wie möglich, was sie auch taten, bis es Zeit für ihre Mittagsmilch war, die sie am nördlichen Fuß des Mazinga-Bergs bekamen. Panda leerte ihre Flasche und warf dann ein Auge auf Arabas Anteil. Araba versuchte gleich, Panda daran zu hindern, ihre Milch zu stehlen, und auch die Keeper griffen ein und sprachen Panda eine deutliche Warnung aus, damit sie Araba in Ruhe ihre Milch austrinken ließ.
Die Waisen gingen dann unter der Führung von Lentili und Naipoki zum mittleren Wasserloch. Dort blieben sie eine Weile, bevor sie in den umliegenden Ebenen weitergrasten. Eine halbe Stunde vor dem Aufbruch nach Hause trugen Tundani und Nelion ein verbissenes Kräftemessen aus. Es war einer der Kämpfe, bei dem die Rangfolge unter den Waisen ermittelt werden sollte. Danach folgten die beiden ihren Kollegen nach Hause.
Am 16. Oktober 2015 erhielten wir eine Meldung über ein kleines Elefantenmädchen, das einsam und verlassen in einem Brunnen in der Nähe von Maralal in Nordkenia feststeckte. Sie war von Hirten der Samburu entdeckt und dem Kenya Wildlife Service (KWS) gemeldet worden. Der KWS holte sie dort heraus und informierte uns über die Rettungsaktion.
Wir schickten sofort ein Flugzeug zum Wamba-Flugfeld los, ungefähr eine Stunde Flugzeit von Nairobi entfernt. Als unser Team dort gelandet war, traf es nicht nur auf die KWS-Wildhüter, die das Kalb gerettet hatten, sondern wurde auch von einer Menge Leute begrüßt, die kaum zurückzuhalten waren, weil sie sehr neugierig waren, was mit diesem winzigen Babyelefanten geschehen würde.
Erstaunlicherweise lief dieses furchtlose kleine Kalb den Männern auf dem Flugfeld ohne zu zögern hinterher und wirkte gar nicht gestresst von der Anwesenheit so vieler Menschen. Sie trank sogar sehr gut, ehe sie auf die Reisematratze gelegt und festgebunden wurde. Es mangelte nicht an helfenden Händen, und so war sie schnell in das Flugzeug geladen und auf den Flug vorbereitet.
Sie kam in relativ gutem Zustand im Waisenhaus in Nairobi an und war bemerkenswert ruhig und von Anfang an den Keepern gegenüber sehr zutraulich. Es ist schwer zu sagen, wie lange sie schon ohne ihre Mutter hatte auskommen müssen; ihre Ankunft fiel jedenfalls gerade mit dem Beginn des heiklen Zahnungsprozesses zusammen, sodass wir vermuten, dass sie ungefähr zwei Monate alt war. Wir nannten sie Tamiyoi, nach der Gegend, aus der sie stammt.
Tamiyois Weg durchs Leben war zunächst unsicher, denn wir mussten sehr darum kämpfen, sie am Leben zu halten. Während anfangs alles gut war, verschlechterte sich ihr Zustand während der Zeit, in der sie ihre Zähne bekam, und ihr Leben hing am seidenen Faden. Ein gutes Zeichen in diesen schwierigen Monaten war, dass Tamiyoi in all der Zeit versuchte, Gras und ein paar wilde Beeren zu fressen, die sie im nahegelegenen Gebüsch fand. Kein anderer Elefant in ihrem Alter hatte das zuvor getan. Die Keeper mussten jeden Tag mit ihr an „Tamiyois Beerenstrauch“ vorbeigehen, damit sie die heruntergefallenen Früchte fressen konnte, bis sie zufrieden war. Die Keeper sammelten auch einige der Früchte für sie und gaben sie ihr, wann immer sie danach verlangte. Es schien, als würde Tamiyoi irgendetwas in ihrem Körper fehlen, doch trotz all unserer Bemühungen, verschiedenster Tests und Anpassungen ihrer Milchmischung verbesserte sich ihr Gesundheitszustand über viele Monate kaum; währenddessen brach sie immer wieder zusammen.
Tamiyoi durchzubringen war eine Herkulesaufgabe für das ganze DSWT-Team, doch ohne Zweifel war auch ihr außerordentlicher Lebenswille dabei ausschlaggebend. Mit ihrer bezaubernden Art hat sie die Herzen all derer erobert, die am Kampf um ihr Leben beteiligt waren. Seit etwa vier Monaten hat sich ihr Zustand nun immer weiter verbessert. Sie sieht noch immer leicht unterernährt aus und hat einen ungewöhnlich runden Bauch, doch es ist zu sehen, dass sie nun Woche für Woche kräftiger wird. Ihre Wangen füllen sich wieder und ihre Haut, die vorher dünn wie Papier war, erholt sich ebenfalls; eine ungesunde Haut ist immer ein Anzeichen dafür, dass mit dem Gesundheitszustand eines Elefanten etwas nicht stimmt.
Mit großem Stolz können wir nun sagen, dass wir uns sicher genug sind, Tamiyoi für das Patenprogramm freizugeben – ein ganzes Jahr nachdem sie gerettet wurde. Wir haben bis jetzt noch gezögert, obwohl bereits hunderte Leute sie unterstützen wollten, denn immer wenn wir uns fast dazu durchgerungen hatten, verschlechterte sich ihr Zustand wieder, sodass wir vorsichtig wurden. Wir waren lange Zeit nicht sicher, dass sie das Schlimmste überstanden hat. Obwohl sie für ihr Alter von einem Jahr sehr klein ist, hat dieses Elefantenbaby ein großes Temperament und seinen eigenen Kopf. Die Liebe ihrer Elefantenfamilie, sowie der fürsorglichen Menschen, die Tag und Nacht um ihr Leben gekämpft haben, hatte großen Anteil daran, dass sie es geschafft hat. Wir freuen uns schon darauf, Tamiyoi zu der wunderbaren Leitkuh heranwachsen zu sehen, die sie sicherlich einmal werden wird. Sie wird die Freude erleben, mit ihrer eigenen, wieder wilden Familie in der freien Natur leben zu können. Bis dahin haben wir aber die Ehre, die wunderbaren Kinder- und Jugendjahre mit ihr zu teilen und ihre bedingungslose Liebe und offensichtliche Dankbarkeit genießen zu dürfen.
Samstag, 1. Oktober 2016
Als wir heute Morgen gegen 5 Uhr aufwachten, fanden wir jede Menge wilde Elefanten und ein paar Ex-Waisen vor, die auf Wasser warteten. Das Wasser wurde aufgedreht, und sie gingen alle zu den Tränken, um zu saufen. Auch Yatta und ihr Baby Yetu waren dabei. Die Waisen kamen heraus, nachdem sie ihre Milch getrunken hatten und begannen mit dem Luzernenheufrühstück. Ein paar der Ex-Waisen und wilde Bullen schlossen sich ihnen dabei an. Boromoko und Laragai gingen sich die Bäuche an den Felsen kratzen. Etwas später kamen auch Wendi, Mulika und Galana mit ihren Babys und ihren Gruppen dazu. Die Waisen gingen schließlich in den Busch und ließen die Ex-Waisen und wilden Elefanten an den Stallungen zurück, die noch lange dort blieben, fast bis zum Mittag.
Beim Mittagsschlammbad gingen die Waisen nach ihrer Milch ins Wasser und begannen zu spielen. Bald wurden sie von einer Gruppe wilder Bullen aufgeschreckt und vertrieben, die zur Tränke gerannt kamen, weil sie saufen wollten. Laragai, Garzi, Bongo, Narok, Boromoko und Sirimon gingen aber ins Schlammloch zurück und setzten ihre Spiele fort. Auch zwei der wilden Bullen gingen in den Schlamm und spielten mit. Sirimon kratzte sich den Bauch von allen Seiten an der Bank für die Besucher. Die ganze Gruppe brach dann wieder in den Busch auf, wobei Boromoko und Sokotei Erdklümpchen in die Luft warfen. Barsilinga führte am Abend die Gruppe zurück zu den Stallungen, wo sie ihre Milch bekamen.
Es ist sehr heiß und trocken in der Gegend um Ithumba, und die wilden Elefanten haben Mühe, genug zu fressen zu finden. Am Abend kam Mutaras Gruppe vorbei und sagte ihren Freunden Hallo.
Ein junges, ungefähr 19 Monate altes Elefantenkalb wurde in der Nähe der vom Trust errichteten Dida Harea Windmühle, in den südlichen Ebenen des Tsavo East Nationalparks gesehen. Ein Wartungsteam, das die vom Trust finanzierten Windmühlen in Tsavo regelmäßig überprüft, entdeckte das Kalb. Es war sehr schwach und unterernährt und daher ganz offensichtlich ein Waise, der schon einige Zeit ohne seine Mutter hatte auskommen müssen, seinem Zustand nach zu urteilen. Er war in Gesellschaft eines jungen Bullen, der aber davonrannte, als sich das Fahrzeug näherte. Das Kalb blieb allein zurück und war daher, angesichts seines schlechten Gesundheitszustands, in großer Gefahr, von Raubtieren angegriffen zu werden.
Das Wartungsteam beobachtete das Kalb den größten Teil des Tages, und in dieser Zeit kamen wilde Elefantenherden zum Saufen vorbei, die aber alle das Kalb zurückließen, das zu schwach war, um ihnen zu folgen. Daher wurde die Entscheidung getroffen, es zu retten, da es allein die Nacht vermutlich nicht überlebt hätte.
Der für Tsavo East verantwortliche Manager des Kenya Wildlife Service (KWS) wurde informiert, und er beauftragte die Elefantenkeeper des DSWT in Voi umgehend, eine Rettung einzuleiten. Das Kalb wurde ohne viel Widerstand eingefangen, da es sehr geschwächt war. Es war ein junger Bulle, und nach einer Nacht an den Stallungen in Voi wurde er am nächsten Morgen zum Flugfeld gefahren, wo er auf das Flugzeug nach Nairobi wartete, das inzwischen für ihn organisiert worden war. Ohne weitere Verzögerungen wurde das Baby auf den Flug vorbereitet, während der Reise mit Flüssigkeit versorgt und schließlich in Nairobi in ein Gehege im Waisenhaus gebracht.
Er war sehr schwach und brach einige Male zusammen und bekam Notfallbehandlungen, die ihn wiederbelebten. Nach einigen Tagen erlangte er aber allmählich seine Kräfte zurück. Wir vermuten, dass er wegen der Trockenzeit, die uns gerade mit aller Härte heimsucht, verwaist ist. Bei diesen dürreartigen Bedingungen ist er vermutlich von seiner Familie zurückgelassen worden, weil er nicht mit der Herde mithalten konnte. Er wurde Wanjala genannt, nach der Gegend, in der er gefunden worden war.
Nach ungefähr einer Woche war er deutlich kräftiger geworden und konnte sich den anderen Waisen-Elis der Nursery und ihren Keepern im Wald und auf den Ebenen des Nairobi-Nationalparks anschließen. Er hat sehr schnell neue Freunde gefunden und ist schon wie ein alter Hase an die Tagesabläufe gewöhnt. Während des letzten Monats waren wir sehr zufrieden mit Wanjalas Fortschritten, nachdem wir ihn noch knapp den Klauen des Todes entreißen konnten, gerade als seine letzten Kräfte nachließen. Er ist ein freundlicher und netter Bulle, der dank der intensiven Fürsorge wieder zu Kräften gekommen und nun wieder ganz gesund ist. Er kann nun bei seiner neuen, ihn liebenden Familie aus Zwei- und Vierbeinern aufwachsen.
Samstag, 1. Oktober 2016
Bei der privaten Besuchsstunde war es heute extrem heiß, sodass alle Waisen schnell ihre Milchflaschen leerten und dann in das erfrischende Schlammbad sprangen. Ein paar von ihnen, wie Pare, Tusuja, Galla, Godoma, Ambo und Mbegu wollten sogar zuerst in den Matsch! Das zeigt schon, wie warm ihnen gewesen sein muss; sie spritzten sich Wasser hinter die Ohren, und der kleine Ambo rollte sich sogar erst einmal ordentlich herum, bevor er sich seine Milch bei einem Keeper abholte. Als alle mit ihrer Milch fertig waren, gingen sie zurück in den Schlamm. Ndotto und Lasayen kletterten begeistert auf Roi und Oltaiyoni herum, als diese im Matsch lagen.
Während die Elefantenbabys glücklich spielten, war es ein trauriger Nachmittag für das kleine Breitmaulnashorn, das gestern angekommen war – es konnte sich nicht mehr von seinen Verletzungen von dem Löwenangriff und dem traumatischen Erlebnis, seine Mutter zu verlieren, erholen und starb am Nachmittag. Wir waren alle sehr traurig, das kleine Nashorn zu verlieren.