Am frühen Abend des 26. Januar erhielt Angela Sheldrick einen Anruf vom KWS-Veterinäroffizier der DSWT mobilen Tierarzt-Einheit Mara, Dr. Lima, der von einem verwaisten Elefantenkalb berichtete, das die „Save the Elephants“ Wildhüter auf ihren täglichen Patrouillen gesehen hatten. Der KWS hatte auch einige Berichte von den lokalen Gemeinden bekommen, dass ein junges Elefantenkalb im Narok-Gebiet umherwandert. Die Gegend ist dicht besiedelt und recht weit von den bekannten Wanderrouten der wilden Elefanten entfernt. Wir wissen nicht, was mit der Mutter des Kalbs und seiner Herde geschehen ist. Um zu verhindern, dass dem Kalb in der Nacht etwas zustößt, fingen die KWS-Wildhüter mit Unterstützung von „Save the Elephants“ das Kalb noch am Abend ein. Sie behielten es über Nacht, da es schon zu spät war, ein Rettungsteam aus Nairobi zu schicken.
Die kleine wildgeborene Emma
Mit großer Freude, staunend und immer wieder verblüfft beobachten wir die wild lebende, neugeborene Emma, wie sie um die Beine ihrer wachsamen Kindermädchen und ihrer Mutter Emily herumwuselt. Emily kam als kleines Kalb zu uns ins Waisenhaus und hatte, wie so viele ihrer neugeborenen Artgenossen, eine sehr schwierige Zeit in ihrem Elefantenleben durchzustehen: die ersten drei Jahre Milchabhängigkeit und insbesondere die vier Monate, in denen die Babys ihre ersten vier Zähne bekommen. Für die Waisen sind diese Monate immer lebensbedrohlich. Sie bekommen Fieber und Durchfälle, die sehr schwer in den Griff zu bekommen sind und einem Babyelefanten innerhalb von wenigen Tagen das Leben kosten können.
Ganz anders als die neugeborenen Waisen ist Emma ein gutgenährtes, gesundes und verspieltes Baby, wie eigentlich jedes Elefantenkind sein sollte. Bis heute verstehen wir immer noch nicht, was die geheimnisvolle Zutat in der Muttermilch ist, die das bewirkt, und selbst nach 50 Jahre langem Ausprobieren und Erfahrungen können wir sie noch immer nicht so erfolgreich nachmachen.
Nichtsdestoweniger ist es die größte Belohnung, die man sich vorstellen kann, den gesunden und glücklichen Nachwuchs einer von uns geretteten Elefantenmutter zu sehen, der ein normales Leben in der Wildnis führt, geschützt von seiner eigenen Familie von Elefanten, die allesamt selbst einmal Waisen gewesen sind.
Von Dr. Dame Daphne Sheldrick
(übersetzt aus dem englischen Original)
Umani Springs Januar 2015
Donnerstag, 1. Januar 2015
Quanza war die erste, die die Waisen im neuen Jahr hinausführte und sie war sehr glücklich und stellte ihre Ohren auf, um die Schmetterlinge zu vertreiben, die um sie herumflatterten. Quanza gab dann die Führung an Lima Lima ab, die die Waisen zu einem nahegelegenen Wasserloch brachte, das die wilden Elefanten im Busch benutzen. Ihnen war sehr heiß und sie badeten eine halbe Stunde darin.
Als sie herauskamen, wurden Lima Lima und Zongoloni von Tsetse-Fliegen gepiesakt und sie eilten zum Staubbad, um die Fliegen zu vertreiben. Als die anderen sahen, wie Lima Lima und Zongoloni rannten, folgten sie ihnen und staubbadeten auch.
Alle waren hocherfreut, dass Mama Daphne heute zu Besuch kam. Es war das erste Mal, seitdem die Waisen hier sind. Lima Lima versuchte mehrfach, Daphne zu umarmen und die Keeper mussten gut aufpassen, dass Lima Lima sie nicht erdrückte. Es war ein wunderbarer Start in das Jahr.

Mama Daphne bei den Keepern
Voi Januar 2015
Donnerstag, 1. Januar 2015
Es war wunderbar zu sehen, wie Ndoria ihren zweiten Tag mit den Anderen im Park genoss. Sie scheint ihre Freundschaft mit Bada intensiviert zu haben und war nicht sehr erpicht darauf, sich allzu sehr mit einem der Anderen anzufreunden, die versuchten, ihre Zuneigung zu gewinnen. Ishaq-B versuchte sehr, die Kleine zu adoptieren, doch Panda und Kihari wollten nichts mit ihr zu tun haben. Pandas Gruppe, zu der noch Mudanda, Ishaq-B, Kihari, Naipoki, Bada und nun Ndoria gehören, machte sich auf eine Rundreise durch die Weidegründe, um Ndoria die Gegend zu zeigen, bevor sie sich Lesanjus Herde anschloss.
Der Nachmittag war heiß und die Kleinen kamen zur Milchfütterung zu den Gehegen zurück, soffen dort auch Wasser und nahmen ein Schlammbad. Mbirikani lag im Wasser und rollte sich herum. Sie wollte Ndoria beeindrucken, und das gelang auch. Bada schien seine Adoptivmama Wasessa zu vermissen und kollerte viel, vermutlich rief er nach ihr. Das gleiche passierte einige Kilometer entfernt: Auch Wasessa kollerte, wann immer ihr Bada durch den Sinn ging.
Den Rest des Tages grasten die Waisen friedlich. Die Keeper lockten Ndoria mit ihrer Milchflasche zurück in ihr Gehege und sie folgte ihr, als gäbe es nicht Süßeres auf dieser Welt.

Ndoria im Park
Ithumba Januar 2015
Donnerstag, 1. Januar 2015
Orwa verließ das Gehege mit einem Zweig im Mund, während Vuria und Bongo das neue Jahr passend begannen, indem sie sich gegenseitig in einen Ringkampf verwickelten – eine der Lieblingsbeschäftigungen von jungen Bullen. Kainuk unterbrach ihr Spiel, indem sie sie auseinanderschob und danach versuchte, Bongo selbst herauszufordern. Bongo hatte aber kein Interesse. Kainuk verließ dann die Gehege und kratzte sich lange an den Felsen und rollte in der Erde herum. Shukuru begann den Tag mit einem Staubbad. Sie schien die kühle Erde sehr zu genießen.
Die Ex-Waisen Galana, Loijuk, Challa und ein wilder Bulle tauchten auf und schlossen sich kurz den Waisen an. Draußen im Busch spielte Sities mit Kainuk, während Bomani Bongo herausforderte, der nun wieder mehr Lust auf Spiele hatte.
Beim Schlammbad kamen alle Ex-Waisen zu den Waisen an ihrem Lieblingswasserloch und sie verbrachten Stunden damit, herumzurollen, zu tauchen und zu schwimmen. Schließlich kamen die Waisen aus dem Wasser heraus und gingen zurück zum Grasen. Januar ist ein heißer Monat und die heißeste Zeit des Tages ist zwischen 14 Uhr und 16 Uhr.
Heute flitzten zwei Kleine Kudus an den grasenden Waisen vorbei. Das erschreckte die Waisen, die mit aufgestellten Ohren zu ihren Keepern liefen. Die beruhigten sie und die Waisen grasten weiter, aber daran sieht man, dass sie immer noch Babys sind und noch immer von ihren Keepern abhängig. Sie sind noch nicht selbstbewusst genug, um allein zurecht zu kommen. Das dauert seine Zeit, wie bei unseren eigenen Kindern.
Am Abend führte Vuria die erste Gruppe zu den Stallungen zurück und er war sehr stolz darauf.

Bongo und Vuria beim Kräftemessen


