(übersetzt aus den Berichten hier und hier des Sheldrick Wildlife Trusts; alle Bilder © Sheldrick Wildlife Trust)
Im Dezember 2024 sind in Umani Springs zwei neue Babys von Ex-Waisen des Sheldrick Wildlife Trust (SWT) geboren worden: Lenny und Sulwe. Seitdem haben sie den Kibwezi-Wald im Sturm erobert! Der SWT hat diesen kleinen Film dazu veröffentlicht, der einen Einblick in die ersten drei Monate der zwei Wonneproppen gibt:
Lima Lima und Sonje kommen immer noch fast jeden Morgen zu den Keepern und den Waisen zur Auswilderungsstation, obwohl sie inzwischen selbständig in der Wildnis leben. So können sie den Tag als große Familie mit der Waisenherde verbringen. Wenn es abends dunkel wird, verkrümeln sich die Ex-Waisen und ihre kleinen Babys wieder in den Wald, nur um bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen zurückzukommen.
Lenny und Sulwe kann man leicht für Zwillinge halten! Lima Limas kleiner Bulle und Sonjes Mädchen sind nicht verwandt, aber sie werden trotzdem wie Geschwister aufwachsen. Und so sind sie auch ständig am Spielen und sich necken! Obwohl Sulwe drei Wochen jünger ist, lässt sie sich von Lenny nichts sagen.
Die anderen sind natürlich hin und weg von den beiden, die jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Mwana hat sich plötzlich zu einer vorbildlichen „großen Schwester“ entwickelt, und Murera lässt die zwei Neuankömmlinge bereitwillig bei ihr nuckeln. Auch die anderen Kühe gehen ganz in ihrer Rolle als Kindermädchen auf, und sogar die Jungs sind begeistert!
Man kann sich kaum vorstellen, dass Lima Lima und Sonje zum ersten Mal Mutter sind. Sie kümmern sich, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, auch wenn sie das auf sehr unterschiedliche Weise tun: Sonje macht ihr eigenes Ding und hat vor allem ihre kleine Sulwe im Blick; Lima Lima dagegen ist sehr freigiebig mit ihrer Aufmerksamkeit und kümmert sich gerne um alle drei, Sulwe, Mwana und ihren kleinen Lenny.

Und nun ist noch mehr Verstärkung dazugekommen! Am 24. April 2025 hat Zongoloni einen wunderbaren kleinen Bullen zur Welt gebracht — ihr erstes Kalb und das vierte der Ex-Waisen von Umani Springs.

Die Keeper rätselten schon, wann es bei Zongoloni so weit sein würde und scherzten, dass sie wohl die längste je beobachtete Tragezeit eines Elefanten gehabt haben muss! Es ist immer schwer zu sagen, wann ein Elefantenkalb zur Welt kommen wird, aber als Lima Lima, Sonje und Zongoloni trächtig waren, vermuteten alle, dass Zongolonis Baby als erstes da sein würde — sie ist von Natur aus kräftig, aber ihr Bauch war schnell deutlich runder als der der beiden anderen. Aber sie ließ alle warten. Vor ein paar Wochen wurde sie allerdings schwerfälliger und hin und wieder launisch — wie man es häufig kurz vor der Geburt beobachtet. Sie ließ nur noch Mwashoti an sich heran, was sehr erstaunlich war, denn eigentlich hatten die beiden nie eine besonders enge Beziehung. Vielleicht erinnerte Zongoloni sich daran, wie liebevoll sich Mwashoti um Murera gekümmert hatte, als sie Mwana austrug.

Am 24. April kam Zongoloni dann bei Sonnenaufgang zu den Stallungen, und die Keeper sahen ihr an, dass die Geburt wohl nun kurz bevorstehen müsste. Sie staunten, wen Zongoloni mitgebracht hatte: Ziwa, der sich nur sehr unregelmäßig blicken lässt, und Faraja, der zuletzt im Januar da gewesen war. Anscheinend hatte sie zu diesem besonderen Anlass ihre alten Freunde herbei gerufen!

Nach den morgendlichen Begrüßungen verschwand Zongoloni im Wald, und da Ziwa und Faraja auch noch ein paar wilde Elefantenfreunde mitgebracht hatten, hielten die Keeper gebührend Abstand. Gegen 9 Uhr war plötzlich lautes Getröte und Gekoller zu hören, und es war klar, dass das neueste Baby angekommen war! Zongoloni hatte nach 22 Monaten Tragezeit einen perfekten kleinen Bullen zur Welt gebracht, den die Keeper Zigi nannten. Sie gingen zu Zongoloni, während die wilden Elefanten sich verabschiedeten, und konnten das Schauspiel aus nächster Nähe mit ansehen: Der kleine Zigi rappelte sich auf und musste erst einmal seine Beine sortieren, während er von etlichen Rüsseln liebevoll getätschelt wurde.

Zigi komplettiert nun die Kinderstube mit Lenny und Sulwe, die nur vier Monate älter sind als er. Quanza, Enkesha, Kiasa, Amali und sicher auch die kleine Mwana werden ihn als Kindermädchen prima umsorgen, und von den Leitkühen Murera, Sonje und Lima Lima wird er viel lernen.

Natürlich hat er eine der bemerkenswertesten Elefantenkühe zur Mutter. Zongoloni war im Jahr 2013 gerettet worden, als eines der vielen Opfer der grassierenden Wilderei dieser Jahre. Ihre eigene Mutter war von Wilderern angeschossen und – dem Tode nahe–liegengelassen worden. Zongoloni, damals erst anderthalb Jahre alt, wich ihr nicht von der Seite, obwohl sie dabei tagelang weder Wasser noch Futter bekam.

Dr. Poghon vom Kenya Wildlife Service (KWS), damals Chef der Tierarzteinheit in Tsavo, blieb nichts anderes übrig, als das Leiden von Zongolonis Mutter zu beenden, und das kleine Kalb wurde ins Waisenhaus in Nairobi gebracht. Während des Fluges wurde sie nur von den Infusionen am Leben erhalten. Sie bekam einen Stall neben Faraja und Jasiri — die beiden Bullen sind bis heute an ihrer Seite! Da Menschen ihr das Allerschlimmste angetan hatten, war sie oft aggressiv und verängstigt, und es dauerte fast zwei Wochen, bis sie endlich anfing, Milch aus der Flasche zu trinken — und noch länger, bis sie akzeptieren konnte, dass es auch Menschen gibt, die es gut mit ihr meinen.

Im Jahr 2014 bildete sie dann zusammen mit Murera, Sonje, Lima Lima und Quanza die erste Waisengruppe in der neuen Auswilderungsstation in Umani Springs. Seitdem ist die Station stetig gewachsen ,und Zongoloni hat einiges dazu beigetragen. Sie war die erste „Nachtschwärmerin“ und unterstützte die anderen dabei, ihren Platz in der Wildnis zurück zu erobern. Ende 2019 machten Ziwa, Faraja und Ngasha Anstalten, nachts draußen im Wald zu bleiben — aber wussten dann nicht so recht, was sie dort mit sich anfangen sollten. Zongoloni merkte, dass die Jungs ein wenig Führung brauchten und schwang sich zur Leitkuh der „Nachtschwärmer“ auf. Sie begleitete sie im Wald und passte gut auf sie auf. Dank ihrer Hilfe wurden die Jungs erfolgreich unabhängig. Seitdem sind etliche weitere Argenossen ihrem Vorbild gefolgt.

Nun beginnt ein ganz neuer Abschnitt in Zongolonis Leben, das jetzt von ihrem kleinen Zigi bereichert wird. Und natürlich werden dann auch seine „Geschwister“ Lenny und Sulwe mit von der Partie sein, zusammen mit Lima Lima und Sonje, mit denen Zongoloni selbst aufgewachsen ist. So viel steht fest: Die drei lebenslangen Freundinnen werden großartige Mütter für ihre Babys sein und sie gut durchs Leben führen.


