(übersetzt aus dem englischen Bericht des Sheldrick Wildlife Trust; © alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des Sheldrick Wildlife Trust)
Die Rettung der kleinen Kipekee ist eine wirklich herzzerreißende Geschichte. Aber immerhin geht es ihr jetzt gut: Sie ist in Sicherheit, hat genug zu futtern und liebevolle Menschen und Artgenossen um sich herum — und sie hat ihr ganzes Leben vor sich.

Am 17. Juni 2025 berichtete ein besorgter Bewohner eines Dorfes, dass ein kleines Elefantenkalb ihm und seinem Vieh bis in die Boma gefolgt war. Das keine Elefantenmädchen blieb dann immer in der Nähe, war ganz allein und schien erschöpft und ausgezehrt zu sein.
Die Scouts des Mara Elephant Project (MEP) und Ranger des Pangolin Project fuhren zu der Stelle, um sich die Sache anzusehen. Das Kalb war schon in sehr schlechtem Gesundheitszustand — und noch während sie es beobachteten, brach es zusammen! Es schien etwa vier Wochen alt zu sein, viel zu jung, um ganz allein unterwegs zu sein. Es hatte offensichtlich schon einige Zeit keine Milch und womöglich auch kein Wasser bekommen. Bald stellte sich heraus, dass andere Dorfbewohner schon drei Tage zuvor gesehen hatten, wie es allein in der Gegend umherwanderte. Dieser tapfere keine Elefant musste schon in so zartem Alter um sein Leben kämpfen!




Der Kenya Wildlife Service (KWS) benachrichtigte den Sheldrick Wildlife Trust (SWT), dass eine Rettungsaktion gestartet werden musste. Während die Vorbereitungen auf Hochtouren liefen, leistete der Tierarzt des KWS erste Hilfe in Form einer Infusion, die das Kalb erst einmal wiederbelebte. Die Ranger blieben bei ihm und kümmerten sich aufopfernd um das kleine Mädchen, bis das Flugzeug mit den Keepern des SWT ankam.

In der Zwischenzeit kamen die tragischen Hintergründe der Geschichte ans Licht. Ranger des MEP entdeckten die Mutter des kleinen Babys im Nyekweri-Wald. Sie war extrem lahm und daher besonders verletzbar. Sie war in erschreckend schlechtem Zustand, konnte kaum noch laufen und hatte auch Verletzungen von Pfeilen erlitten. Irgendwie hatte sie sich in einer Gegend verrannt, in der sehr viele Menschen unterwegs sind, und war anscheinend zwischen die Fronten geraten. Als sie schwächer wurde, konnte sie irgendwann keine Milch mehr geben, so dass ihr Kalb und auch ihre Herde sie wohl zurücklassen mussten. Die Herde hatte sich wahrscheinlich noch eine Weile um das kleine Baby gekümmert, aber als es ebenfalls schwächer wurde, konnten die anderen Elefanten auch nichts mehr machen.

Wenn es überleben sollte, brauchte es dringend Nahrung, Zuwendung und tierärztliche Behandlung! So ist das leider, wenn es darum geht, in der Wildnis das wieder gut zu machen, was Menschen einmal zerstört haben.
Das Baby – ein kleines Mädchen – kam in Besorgnis erregendem Zustand in der Nursery des SWT in Nairobi an. Noch Tage nach seiner Rettung kollabierte es immer wieder und hatte noch dazu jede Menge Parasiten im Verdauungssystem, die ihm auch noch die letzten Kräfte raubten. In der ersten Woche stand sein Leben auf der Kippe, und alle beim SWT mussten viel Geduld aufbringen, um es wieder gesund zu pflegen.





Was die Mutter betrifft, so versuchte die mobile Tierarzteinheit von SWT und KWS, sie zu behandeln. Es bestand kaum Hoffnung, da sie in sehr kritischem Zustand war. Sie überlebte zwar die Behandlung zunächst, starb aber leider doch am nächsten Tag.
Obwohl alle Beteiligten den Verlust einer unschuldigen Elefantenmutter betrauerten, bleibt doch der Trost, dass ihre Tochter noch einmal eine zweite Chance auf ein Leben bekam. Das kleine Mädchen wurde Kipekee genannt, was auf Suaheli soviel bedeutet wie „einzigartig“ — ein passender Name für ein wundervolles kleines Elefantenkind.

Nach allem, was sie durchgemacht hat, ist Kipekee nun wieder zurück im Leben! Ihr Überlebenskampf muss eine lange und furchteinflößende Zeit für sie gewesen sein, und so war sie ganz offenbar sehr erleichtert, dass sich nun jemand liebevoll um sie kümmerte. Sie hat sich im Nu an ihre Keeper gewöhnt und hängt sehr an ihnen. Egal, ob Milchflaschen oder wärmende Decken — alles, was ihr in ihrem neuen Leben im Waisenhaus begegnet, nimmt sie dankbar an und versteht, dass sie jetzt in ihrem neuen Zuhause an einem sicheren Ort ist.

Kipekee ist ein bezaubernder kleiner Elefant. Sie schwächelt zwar immer noch etwas, aber wird von Tag zu Tag kräftiger. Sie ist sehr freundlich und fröhlich, fühlt sich wohl inmitten ihrer neuen Kindermädchen und wenn sie, eingepackt in ihre leuchtend blaue Decke, ihren Keepern hinterher trabt. Ganz besonders liebt sie Staub- und Schlammbäder — obwohl sie noch so klein ist, dass sie dabei etwas Hilfe von den Keepern benötigt. Auch wenn sie noch immer ihre kleinen Schwächephasen zu überstehen hat, ist sie doch sehr verspielt und manchmal sogar schon ausgesprochen schelmisch!

Abgesehen davon ist sie inzwischen ein lustiges kleines Mädchen, das ganz besondere Vorlieben hat. Um die Kleine morgens aus ihrem gemütlichen Stall zu locken, muss ein Keeper immer mit einer Flasche kommen; egal, ob Milch darin ist oder nicht, wenn er keine Flasche dabei hat, kommt sie nicht mit! Außerdem kann sie es gar nicht leiden, wenn nachts zum Schlafen das Licht an ist: Wenn sie auch nur einen winzigen Lichtschein bemerkt, beschwert sie sich sofort! Und alle, die sie treffen, bemerken sofort ihre herrlichen langen Wimpern und ihre vielen Haare am Rüssel.

Kipekee steht nun im Mittelpunkt des Geschehens in der Waisen-Herde. Sie hat einen Stall neben dem von Wamata bekommen, die nun zum zweitjüngsten Waisenbaby geworden ist. Muridjo, Kerrio und Nyambeni wollen alle Kindermädchen für den kleinen Neuling spielen, und inzwischen haben sie sich geeinigt, Kipekee gemeinsam zu bemuttern. Diese folgt zufrieden jedem Elefanten, der als erstes bei ihr ist. Manchmal übernehmen sogar die kleinen Mädchen Wamata und Talek diese Aufgabe. Und so sind alle begeistert von dem neuesten kleinen Schatz der Waisen-Herde!



