Die Waisen im September

Monatsbericht für die Nursery-Gruppe in Nairobi: September 2025

Unser neuester Schützling, Arthi, findet langsam seinen Platz in der Nursery, der Baby-Gruppe in Nairobi. Der unsichere kleine Bulle, der im August zu uns gekommen ist, hat sich zu einem freundlichen, aufgeschlossenen Elefanten entwickelt und eine enge Bindung zu seinen Keepern aufgebaut. Während der Fütterungszeiten führt er selbstbewusst die Herde an, trinkt seine Flasche in hastigen Zügen – und mit Kleckern – aus und verlangt nach einer weiteren Flasche! Obendrein liebt er es, Krach zu machen. Es scheint, als sei es ein Naturgesetz, dass immer, wenn ein lauter Waisenelefant die Nursery-Herde verlässt, er oder sie sofort ersetzt werden muss. Arthi hat im Prinzip Weka ersetzt und liebt es, Tag und Nacht nach Milch zu brüllen. In den frühen Morgenstunden hören wir ihn schon rufen, während wir die Milch noch vorbereiten. Er dient den anderen als Wecker, der ihnen signalisiert, dass ihre Flaschen fast fertig sind.

Der Monat begann mit einigen Snack-Diebstählen. Nachdem die Waisen es sich abends in ihren Ställen gemütlich gemacht hatten, begannen die Stallnachbarn Taroha und Nyambeni, Kamilis Grünzeug mit einer ausgeklügelten Masche zu stehlen. Nyambeni streckte ihren Rüssel durch die Lücken in der Stallwand, um ein Bündel zu ergattern. Als Kamili sich umdrehte, um ihr Grünzeug zu verteidigen, streckte Taroha seinen Rüssel durch die Lücken und tat dasselbe. Die arme Kamili drehte sich hin und her und versuchte, ihren Vorrat zu verteidigen!

Talek ist eine saubere Fresserin – ganz im Gegensatz zu Pardamat und Olomunyak trinkt Talek gerne jeden Tropfen Milch und frisst jeden Futterpellet auf. Sie ist auch unerschütterlich. Selbst wenn andere Waisen sie schubsen, reagiert sie nicht darauf und rächt sich auch nicht. Eines Morgens schubste die kleine Kipekee Talek so heftig, dass sie fast umfiel. Ganz in Ruhe fand Talek ihr Gleichgewicht wieder und widmete sich weiter dem Grasen. Ihre Haltung, immer die andere Wange hinzuhalten, ist ungewöhnlich für ein so junges Elefantenmädchen. „Die freche Kipekee” wird langsam zu einem Thema – unser kleines, verwöhntes Mädchen ist voller Selbstvertrauen und hat Freude daran, Unfug zu treiben. Wir führen Kipekees Frechheit und Selbstbewusstsein darauf zurück, dass sie von sieben Kindermädchen überbehütet wurde: Kerrio, Kamili, Latika, Nyambeni, Muridjo, Mzinga und Talek. Sie weiß, dass sie mit allem durchkommt – und genau das tut sie auch.

Im Gegensatz zu den meisten Babys scheint Kipekee kein Lieblingskindermädchen zu haben. Die älteren Kühe arbeiten effizient im Team, wobei immer mindestens eine anwesend ist. Kipekee steht brav da, während eine kommt und eine andere geht. Zum Beispiel hatte Mzinga eines Morgens Dienst bei Kipekee. Als ein Keeper ihre Stalltür öffnete, fand er Mzinga draußen wartend. Sie kam herein, half Kipekee hoch und führte sie hinaus zur Herde. Muridjo, Nyambeni, Latika und Kamili kamen sofort herbei, um Kipekee zu begrüßen und nach ihr zu sehen. Ein paar Minuten später führten Mzinga, Kamili und Latika die Herde in den Wald, während Muridjo und Nyambeni mit Kipekee das hintere Ende der Reihe bildeten. Kurz darauf übergaben Muridjo und Nyambeni das kleine Mädchen an Kamili und Mzinga. Unser Team von Kindermädchen ist sehr gut organisiert und sorgt dafür, dass Kipekee nie allein ist.

Im Gegensatz dazu hat Latika ganz eindeutig ihre Favoriten. Eines Morgens wachte sie schlecht gelaunt auf und ließ ihre Laune an jedem aus, der ihr zufällig begegnete. Als sie aus ihrem Stall kam, traf sie auf Pardamat und Talek, die sie ohne Vorwarnung zur Seite schubste. Taroha, Nyambeni und Olomunyak wurden genauso behandelt, ebenso wie Muridjo, Mzinga und die kleine Kipekee, die etwas weiter entfernt stand. Kamili und Wamata blieben jedoch verschont. Latika begrüßte ihre Altersgenossen und ihr Lieblingsbaby und machte es sich wie jeden Tag mit Wamata beim Grasen gemütlich.

Pardamat und Olomunyak sind gleich stark und ringen gerne – normalerweise! Meistens initiiert Olomunyak, der derzeitige Spielmacher unserer Herde. Eines Morgens näherte er sich Pardamat von hinten und stubste ihn an. Das war vielleicht eine Einladung zum Spielen, wurde aber von Pardamat nicht gern gesehen. Der drehte sich trompetend um, und die beiden Jungen stießen buchstäblich mit den Köpfen zusammen. Glücklicherweise beruhigte sich Pardamat schnell, sodass wir nicht eingreifen mussten.

Taroha ist ein einzigartiger Bulle. Seine Stoßzähne wachsen, und er ist jetzt der älteste Bulle in der Herde – aber immer noch der sanftmütigste! Eines Morgens zog der freundliche Kerl im  Busch Äste herunter, damit die jüngeren Elefanten an die leckeren Blätter herankommen konnten. Er fütterte nicht nur Olomunyak, Wamata und Talek, sondern berührte sie auch mit seinem Rüssel, um zu überprüfen, ob es ihnen gut ging. Er ist zwar der älteste Bulle in der Herde, hat aber immer noch Angst vor Regen – besonders nachts. Eine regnerische Nacht bedeutet für Taroha und alle in seiner Nähe eine schlaflose Nacht. Bei Tagesanbruch am nächsten Morgen drückt er unruhig gegen seine Stalltür, um uns wissen zu lassen, dass er mit der Herde hinausgehen möchte. Der freundliche Olomunyak macht es sich oft zur Aufgabe, ihn nach diesen unruhigen Nächten zu trösten.

Die Ankunft von Kipekee und Arthi entthronte Wamata als Nesthäkchen. Wamata hat sich mit ihrer neuen Position abgefunden und verhält sich fast immer freundlich gegenüber ihrer kleinen Schwester und ihrem neuen Bruder. Eines Tages konnte sie jedoch nicht widerstehen, Kipekee einen Stoß zu geben, während diese im Wald herumstreunte. Die kleinste Kuh fiel hin und die etwas Größere rannte davon. Sie wusste, dass sie unartig gewesen war und suchte Schutz, bevor Kerrio sie bestrafen konnte!

Mit zunehmendem Alter – und dem Näherrücken der Auswilderung – baut Kerrio ihre Führungsrolle weiter aus. Heutzutage hält sie sich weniger in der Herde auf, sondern eher am Rande. Sie ist nach wie vor eine großartige Matriarchin, überlässt jedoch zunehmend ihren Assistentinnen die Betreuung der Babys und greift nur noch ein, wenn es ein Problem gibt. Kerrio ist die älteste Elefantenkuh in der Herde – und sie scheint sich dessen bewusst zu sein. An manchen Tagen läuft sie in einiger Entfernung hinter der Herde her, an anderen Tagen ist sie die Letzte, die aus dem Schlammbad kommt, und macht sich in eine andere Richtung auf, anstatt zur Herde aufzuschließen. Kerrio ist undurchschaubar – eine verantwortungsbewusste Mini-Matriarchin, die sich teilweise auch wie ein dominanter Bulle verhält.

Kamili macht ihre eigene Entwicklung durch. Von allen Kühen, die in den letzten Jahren der Nursery aufgewachsen sind, sticht sie als die mit dem deutlichsten Mutterinstinkt hervor. Zumindest war das so lange so,, bis Kipekee kam, und Sileita, Mushuru, Sholumai und Weka nach Tsavo umzogen. Seitdem hat sich unser unabhängiges Mädchen zu einer fürsorglichen älteren Schwester gewandelt. Sie ist der kleinen Kipekee sehr zugetan und kümmert sich stundenlang um sie.

Olomunyak ist unser charmanter kleiner Vielfraß. Der freche kleine Bulle hat eine Lücke gefunden, durch die er sich zwängen kann, um an den Pelletvorrat zu gelangen. Wenn die Herde morgens in den Wald zieht, verschwindet er und genießt selig sein ganz persönliches Festmahl. Er macht sich keine Sorgen, zurückgelassen zu werden, da er zu sehr damit beschäftigt ist, seinen dicken Bauch zu füllen. Nyambeni war schon immer ein sehr fürsorgliches Kindermädchen, aber manchmal hat sie Stimmungsschwankungen und schubst die jüngeren Elefanten ohne Grund – sie zeigt dann ein Verhalten, das an Kamili erinnert. Eines Morgens am Schlammbad stieß Nyambeni Wamata von hinten. Wamata rollte in die Suhle und badete noch eine Runde. Später schaute Nyambeni nach dem jüngeren Mädchen und berührte es mit ihrem Rüssel, als würde sie sich entschuldigen.

Im September schloss sich Kreis der Snack-Diebstahl-Saga. Vielleicht erinnerte sich Kamili an den dreisten Raubüberfall zu Beginn des Monats und legte sich einen Vorrat an Pellets an, indem sie Nyambenis Vorrat mit ihrem Rüssel plünderte. Unsere „Kali Mama” (Suaheli für „starke Mutter“) schien nichts dagegen zu haben, während sie auf ihrem Strohbett lag und sich ausruhte. Vielleicht war Nyambeni nach einem anstrengenden Tag mit Fressen und Spielen in der Nairobi Nursery einfach zu müde, sich aufzuregen!

 

Monatsbericht für die Voi-Gruppe: September 2025

Mbegu mag jetzt zwar in freier Wildbahn leben, sie beschützt die Noch-Waisen aber dennoch mit aller Kraft. Ein Vorfall in diesem Monat hat uns daran erinnert. Mbegus Herde Ex-Waisen kam eines Tages in Begleitung eines wilden Bullen an. Ein paar Minuten später stellten wir fest, dass der Bulle Sholumai, Mushuru und Sileita entführt hatte. Die wunderbare Mbegu reagierte sofort – im Gegensatz zu Ngilai, der entlang des Zauns der Anlage ein Nickerchen machte und nichts von dem Geschehen mitbekam! Mit Unterstützung von Tamiyoi und Juni jagte Mbegu den Bullen, nahm die drei Waisen in ihre Obhut und brachte sie zurück ins Stallgelände.

Da es wieder trocken wird und Grünfutter immer schwerer zu finden ist, kommen unsere neuen Ex-Waisen weiterhin regelmäßig zu Besuch. Das ist unsere Art, sie beim Übergang in ihr Leben in der Wildnis zu unterstützen. Sie kommen, um ihre alten Familien zu sehen, aber auch, um sich den Bauch vollzuschlagen. Die Ex-Waisen Ndotto und Murit sind in der Regel pünktlich zum Frühstück da und verbringen manchmal die Nacht direkt vor dem Stallgelände. Mbegu, Godoma, Tagwa und Ngilai kommen in der Regel in ihrem eigenen gemächlichen Tempo.

Jetzt, da Mbegu in freier Wildbahn lebt, scheint Lemeki ihren Platz als Mini-Matriarchin der Noch-Waisen einzunehmen. An einem Tag war Lemeki besonders beschützerisch. Zuerst ging sie auf ihrem Wachposten auf und ab und hinderte Kenderi daran, mit Losoito zu spielen, die ihren Rücken an einem Felsen schubberte. Lemeki brachte ihre kleine Schwester zur Tränke, und die beiden Elefanten blieben dort, bis es Zeit war, aufzubrechen.

Unseren verletzten Elefanten geht es gut und sie erholen sich langsam, aber sicher. Serenget, die im Juli mit einer schweren Speerwunde und Samaa, die im August mit einer Kugel im Bein gerettet wurde, genesen weiterhin in ihren Gehegen. Die mobile tierärztliche Einheit des Sheldrick Wildlife Trust (SWT) und des KWS in Tsavo behandelt weiterhin die Verletzungen, während sich die beiden Mädchen an ihre Keeper und ihre neue Herde gewöhnen. Chapeyu, unser ältestes Waisenkind, erholt sich in seinem eigenen Tempo. Nach dem Ausflug im letzten Monat hat er kein Verlangen gezeigt, sein Gehege zu verlassen – er fühlt sich in seinem gemütlichen Gehege sicher, und das ist in Ordnung! Wir möchten, dass er sich Zeit nimmt und sich vollständig erholt, bevor er den nächsten Schritt macht. Epiya, Sholumai, Juni, Ashanti, Baraka und Ushindi schlafen im Gehege neben Chapeyu. Die Mädchen halten oft an, um ihren Nachbarn zu begrüßen, wenn sie hinaus- und hereinkommen, und legen liebevoll ihren Rüssel auf seinen Kopf. Der gierige Sholumai, der nicht so sentimental ist, nutzt diese Gelegenheit normalerweise, um einen Rüssel voll mit übrig gebliebenen Pellets aus seinem Trog zu holen.

Während einige unserer Waisen beginnen, in ihr wildes Leben zurückzukehren, versuchen sie auch, ihre liebsten Noch-Waisen dazu zu bewegen, sich ihnen anzuschließen – ungeachtet der Tatsache, dass die noch viel zu jung sind! Eines Morgens versuchte Godoma zu unserer Überraschung, Baraka zu entführen. Glücklicherweise bemerkten wir dies sofort und riefen alle Ex-Waisen zurück, so dass Baraka sich nicht zwischen ihrer Adoptivmutter und ihrer Waisenherde entscheiden musste.

Am 14. September bekamen wir Besuch von einer alten Freundin. Kurz nach Sonnenaufgang, als die Waisen noch in ihren Gehegen waren, fanden wir Rorogoi vor dem Stallgelände! Sie hatte uns seit mehreren Monaten nicht mehr besucht. Es war wunderbar zu sehen, wie zufrieden und gesund sie aussah. Für Tamiyoi wird der Ruf der Wildnis lauter. Wenn sich Mbegus Herde von den Waisen absetzt, schließt sie sich ihnen manchmal an. Sie ist im gleichen Alter und zeigt Anzeichen von Unabhängigkeit. Es gab Tage, da  kehrte Tamiyoi nachts nicht in die Gehege zurück, sondern blieb stattdessen mit ihren besten Freunden Tagwa, Mbegu und Godoma in der Wildnis.

Am letzten Tag des Monats kam es zu einer weiteren Rettung. Unsere Anti-Wilderei-Einheit der SWT/KWS in Galana entdeckte ein acht Monate altes Elefantenbaby, das ganz allein war. Es wurde nach Voi gebracht. Wir brachten es neben Samaa unter, wo es die Flasche annahm und gut schlief.

 

Monatsbericht für die Ithumba-Gruppe: September 2025

Der Monat begann mit Besuchen alter Freunde. Zwei unserer sanften Ex-Waisenbullen, der elfjährige Kauro und der neunjährige Ambo, waren unter mehreren wilden Bullen, die früh am Morgen an der Tränke soffen. Sobald sie fertig waren, führte Kauro Ambo zum Luzerne-Futterplatz, wo sie geduldig darauf warteten, dass die Noch-Waisen aus ihren Gehegen gelassen wurden. Die Waisen schlossen sich den Jungen draußen an, und alle teilten sich die Luzerne.

Die Hitze im September bedeutete häufiges Suhlen. An den meisten Nachmittagen schien die Sonne gleißend stark, und die Waisen sprangen kurz nach dem Trinken ihrer Milchflasche ins Wasser, um sich abzukühlen. Darauf folgte in der Regel ein großes Herumtollen in der Gruppe – obwohl es einmal einen Vorfall gab, bei dem Mukutan nicht ins Wasser sprang, da er damit beschäftigt war, Perlhühner zu verjagen, die sich im Schlammbad aufhielten.

Nalekus Unabhängigkeit nimmt zu,  und sie entwickelt sich zu einem hervorragenden Kindermädchen für die Ex-Waisen, die jetzt selbst Mütter sind. An den meisten Tagen schloss sie sich kurz nach dem Verlassen ihres Geheges der einen oder anderen Familie an. Sie ist nicht wählerisch, wen sie betreut, und kümmert sich um jedes Baby, das ihr anvertraut wird – Sid, Subiri, Yara und Kapuki gehören zu ihren Lieblingen. Manchmal blieb Naleku über Nacht draußen bei den Ex-Waisen, manchmal kehrte sie bei Einbruch der Dunkelheit zurück, um mit den anderen im Gehege zu schlafen. Naleku ist auch ein wenig zur Drama-Queen geworden. Oft stürmt sie ins Gebüsch und erwartet eine erfreute Reaktion der Herde. Aber die anderen Waisen, die sich mittlerweile an ihre theatralischen Einlagen gewöhnt haben, ignorieren sie meist einfach. Sobald sie merkt, dass ihr niemand folgt, schleicht Naleku zurück. Die mutige Muwingu gesellt sich immer gerne zu wilden Bullen – etwas, das viele Jungen oder Mädchen, die älter sind als sie, sich nicht trauen würden! Wenn sie wilde Elefanten an der Tränke sieht, schlendert sie hinunter und säuft mit ihnen – ohne zu zögern.

Bondeni ist nach wie vor unser langsamster Trinker. Eines Morgens machte er sich mit seiner Flasche auf den Weg zum Luzerne-Futterplatz. Shujaa, Muwingu und Choka – die wissen, dass er sich Zeit lässt – umringten ihn mit erhobenen Rüsseln und bettelten um ein bisschen Milch. Bondeni trank seine Flasche leer und warf sie wie üblich weg. Die Keeper sammelten sie schnell ein, bevor Muwingu damit davonlaufen konnte. Roho entwickelt sich zu einem kleinen Tyrannen. Eines Nachmittags trat Lodo versehentlich auf etwas Luzerne, die Roho gerade fressen wollte. Roho wurde wütend, packte Lodos Schwanz und zog daran. Lodo drehte sich um, um sich zu verteidigen, und die beiden Jungen gerieten in einen Streit. Nachdem die Keeper eingegriffen und die beiden getrennt hatten, versuchte Roho, seine Wut an dem wilden Baby Lulu auszulassen. Das war ein Fehler – Lualeni, Lulus starke Mutter, drehte sich um und richtete ihren Rüssel auf Roho, um ihn zu warnen, ihre Tochter nicht weiter zu belästigen. Roho beherzigte die Warnung klugerweise und machte sich aus dem Staub.

Später im September sahen wir, wie Roho gegen Konkurrenten antrat, die doppelt so alt waren wie er! Der stämmige Sechsjährige forderte den 13-jährigen Barsilinga heraus. Als das Spiel zu hart wurde, kletterte er auf einen Felsen, um sich ein wenig größer zu machen. Das half ihm jedoch nicht, da er gegen den erfahrenen Barsilinga antrat. Geschlagen, aber nicht besiegt, versuchte Roho später, es mit Ukame aufzunehmen. Das war ein Fehler: Das ältere Mädchen hatte kein Interesse daran, Roho zu unterhalten, und besiegte ihn mit einem kräftigen Schubs. Roho hatte keine andere Wahl, als so schnell zu fliehen, wie seine Beine ihn trugen.

Die listige Kindani fand einen cleveren Weg, die Gruppe zu mobilisieren. Während die Waisen um die Luzerne herumlungerten, wurde Kindani unruhig und wollte weg. Da kam ihr eine kluge Idee: Sie tat so, als hätte sie etwas gehört oder gesehen, das sich näherte, und rannte dann plötzlich sehr schnell auf die Herde zu. Die Gruppe geriet in Panik, alle ließen die Luzerne fallen und rannten in alle Richtungen davon. Nachdem Kindani die gesamte Herde erschreckt hatte, hörte sie auf zu rennen und ging langsam hinter allen her. Die Keeper sammelten die Waisen ein und führten alle Richtung Norden. Kindanis Plan war aufgegangen.

Laki, Lenanas jüngstes Baby, musste auf die harte Tour lernen, dass man sich mit Weka nicht anlegen sollte! Eines Morgens gesellten sich Lenana, Lapa, Laki, Makireti, Wendi, Wiva, Wema, Wimbi, Maramoja und eine wilde Familie zu den Waisen, um Luzerne zu fressen. Der zehn Monate alte Laki forderte Roho zu einem kleinen Ringkampf heraus, verlor jedoch und erlitt ähnliche Niederlagen gegen Naleku und Esoit. Kurz bevor die Waisen weiterzogen, versuchte Laki, Weka zu schubsen. Das temperamentvolle Mädchen packte Lakis Rüssel und zog daran, so fest sie konnte, sehr zum Leidwesen von Laki. Nachdem sie ihre Warnung ausgesprochen hatte, ließ Weka Laki los und ließ ihn weiterziehen.

Der clevere Mayan hat diesen Monat seine hervorragenden Fähigkeiten zur Problemlösung unter Beweis gestellt. Er stieß auf einen grünen Baum, von dem er sich ernähren wollte. Er streckte seinen Rüssel so hoch wie möglich, konnte aber die Blätter nicht ganz erreichen. Die Keeper beobachteten, wie er um den Baum herumging. Nach einigen Runden stieg Mayan auf einen Felsen unter dem Baum, um sich einen zusätzlichen Höhenvorteil zu verschaffen – und tatsächlich konnte er nun die leckeren Blätter erreichen. Der Monat endete mit 35 wilden Bullen, die an der Stalltränke soffen, als die Waisen am Morgen herausgelassen wurden. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Trockenzeit beginnt. Im Laufe des Septembers tauchten fast alle Ex-Waisenfamilien auf, mit Ausnahme von Nasalots Familie, die schon seit einiger Zeit weg ist.

 

Monatsbericht für die Kibwezi-Gruppe in Umani Springs: September 2025

Der Monat begann mit einem Nachbarschaftsdrama. Kapei und Amali, die in benachbarten Gehegen schlafen, konnten nicht harmonisch zusammenleben, weil Kapei ständig Äste und Pellets aus Amalis Zimmer stahl. Amali meldete Kapei den Keepern, die zu Hilfe kamen, aber zu diesem Zeitpunkt hatte sich Kapei bereits in seine Ecke zurückgezogen und tat unschuldig. Aber jeder wusste, dass er Amali Unrecht getan hatte.

Lima Lima mag zwar Mutter sein, aber sie ist immer noch ein Vielfraß. Eines Tages waren Murera und ihre Gruppe die einzigen Elefanten, die sich zur Mittagsfütterung mit der Flasche meldeten. Lima Lima und ihre Herde kamen viel später, verlangten aber dennoch ihren Anteil an Milch. Lima Lima stand entschlossen neben dem Lastwagen und steckte ihren Rüssel in das Fahrzeug, als wollte sie sich selbst bedienen. Da sie wussten, dass sie nicht nachgeben würde, gaben die Keeper schließlich nach und verteilten Flaschen an die Nachzügler. Lima Limas Sohn Lenny entwickelt sich zu einem geselligen und mutigen jungen Elefanten, genau wie seine Mutter. Immer wenn die Keeper unter den Bäumen eine Pause machen, nähert er sich ihnen freundlich. Genau wie Lima Lima ist er auch ziemlich gierig. Eines Nachmittags rief ein Keeper seinen Namen und Lenny kam herbeigelaufen – allerdings erwartete er, dass er Pellets bekommen würde. Enttäuscht drehte sich Lenny um, schubste den Keeper mit seinem Hinterteil und marschierte davon. Wie die Mutter, so der Sohn! Lenny spielt auch gerne herum und genießt die Aufmerksamkeit. Das kann zu Eifersüchteleien unter den anderen Babys führen. Eines Morgens wurden Sulwe und Zigi neidisch, als sie merkten, dass Lenny mehr Aufmerksamkeit bekam als sie. Aus Rache fingen zuerst Zigi und dann Sulwe an, mit ihm zu ringen – aber beide mussten feststellen, dass Lenny sehr fit war. Er verteidigte sich so gut er konnte und rannte dann weg, um sich bei seinen Kindermädchen zu verstecken, damit ihn niemand mehr schubsen konnte.

Die Trockenzeit verändert die Gewohnheiten aller Wildtiere, sogar die unserer Nachtschwärmer. Lima Lima und ihre Herde haben ihre Besuchszeiten angepasst, da sie nun sehr weit laufen müssen, um Futter zu finden. Aufgrund der weiten Wanderwege melden sie sich nicht immer wie gewohnt gleich morgens. Amali und Enkesha sind immer sehr enttäuscht, wenn sie aufwachen und feststellen, dass Zigi, Sulwe und Lenny nicht draußen auf sie warten. Die Mädchen untersuchen hoffnungsvoll jedes Geräusch – jedes Elefantenbrüllen oder jeden abgebrochenen Ast –, bis die Nachtschwärmer mit ihren Babys endlich auftauchen. Wann immer sie ankommen, trompeten alle vor Freude – sogar Murera, die normalerweise ziemlich stoisch ist.

Jasiri war diesen Monat einmal zu Besuch. Er kam in Begleitung einiger wilder Elefanten, die sich zu den Babys in den Schatten gesellten. Später kam Ziwa mit seiner wilden Adoptivherde. Er wurde herzlich von Quanza und Kiasa empfangen. Nachdem Ziwa sich einige Minuten lang mit den Waisen beschäftigt hatte, kamen seine Adoptivmutter und deren Freundin auf ihn zu und knurrten, um ihm zu sagen, dass es Zeit war zu gehen. Ziwas Herde erlaubt ihm, seine Menschenfamilie zu besuchen, aber sie sind auch ziemlich besitzergreifend und mögen es nicht, wenn er zu viel Zeit mit ihnen verbringt.

Als einziger älterer Bulle, der fast täglich mit der Waisenherde in Kontakt ist, ist Mwashoti zu einem wichtigen Vorbild für die jüngeren Bullen geworden. Eines Tages näherten sich Maktao und Kapei und versuchten, ihn zu einem Ringkampf zu überreden. Zu ihrem Pech gefiel dem friedliebenden Mwashoti ihr Plan, sich gegenseitig zu schubsen, gar nicht. Als Kapei seine Hinweise ignorierte und ihm in den Schwanz biss, wurde der ältere Bulle wütend und wandte sich gegen Kapei und Maktao. Die jüngeren Bullen rannten vorsichtshalber zu den Kühen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Eines Morgens kam Faraja mit einem wilden Bullen im Schlepptau. Der neue Besucher hielt sich in sicherer Entfernung auf, und als er die Keeper sah, rannte er hastig davon. Er vertraute den Keepern nicht, im Gegensatz zu Faraja, die sich in ihrer Gegenwart vollkommen sicher fühlte. Der wilde Bulle, der immer noch trompetete und durch das Gebüsch stürmte, schien verwirrt und enttäuscht zu sein, dass Faraja ihn zu den Menschen gebracht hatte. Faraja hingegen war begeistert, wieder mit den Waisen vereint zu sein.

Diesen Monat wurden wir Zeugen eines Dramas zwischen Zongoloni und Kiasa. Als die Nachtschwärmer eines Morgens zur Herde stießen, stellten wir fest, dass Kiasa kein glückliches Kindermädchen war. Sie kam mit Zongoloni mit, blieb aber in einiger Entfernung und ließ eine ungewöhnliche Lücke zwischen sich und Zigi. Es wurde schnell klar, dass Zongoloni verärgert über Kiasa war – am Abend zuvor musste Kiasa ihre „Befugnisse“ überschritten haben. Zongoloni wollte beweisen, dass sie und nur sie Zigis Mutter war und dass ein Kindermädchen die Autorität der Mutter respektieren muss. Infolgedessen blieb Kiasa den größten Teil des Vormittags hinter der Herde zurück – nah genug, um ihr zu folgen, aber nicht zu nah an Zongoloni und Zigi.

Gegen Ende des Monats besuchten Kiombo und seine neue wilde Familie das Stallgelände. Er freute sich, seine Menschenfamilie zu sehen, und sah sehr gut aus. Kiombo war damit beschäftigt, alle zu begrüßen, aber als seine neue Matriarchin signalisierte, dass es Zeit war zu gehen, kamen zwei Mitglieder der Herde und holten ihn ab. Es machte uns traurig, Kiombo gehen zu sehen, aber wir waren sehr froh zu sehen, wie gut es ihm in seinem neuen Leben in der Wildnis geht.

Quanza ist ein hervorragendes Kindermädchen. Obwohl ihre Freundinnen bereits Mütter geworden sind, scheint sie noch nicht bereit dafür zu sein und ist sehr glücklich damit, sich um ihre Nichten und Neffen zu kümmern. Sie ist weder streng noch hart, sondern aufmerksam und schlagfertig. Sobald die Babys auch nur das geringste Anzeichen von Unwohlsein zeigen, ist sie die Erste, die sich um das Problem kümmert. Wenn sie sich einmal dazu entschließt, wird sie eine hervorragende Mutter sein.

Die kleine Sulwe scheint Führungsambitionen zu haben – sie folgt dem hervorragenden Beispiel ihrer Mutter Sonje. Als es Zeit war, dass die Waisen für die Nacht nach Hause zurückkehrten, übernahmen Amali und Enkesha die Führung und platzierten die Babys Lenny und Mwana zwischen sich, um sie im Auge zu behalten. Die kleine, kräftige Sulwe witterte eine Chance und versuchte, nach vorne zu schießen und die Führung zu übernehmen. Sonje verhinderte dies, indem sie sie zurückrief, und Mwana, Enkesha und Quanza die Waisen zu den Gehegen führen ließ.

Murera ist eine vorsichtige, rücksichtsvolle Matriarchin, die jedes potenzielle Risiko erkennt. Gegen Ende des Monats versuchte ein wilder Bulle, sich in die Umani-Herde zu schleichen, während die Keeper den Waisen ihre morgendlichen Milchflaschen verteilten. Noch bevor das Tor geöffnet wurde, stand der Bulle draußen und wartete nur darauf, dass die Elefanten herauskamen. Pech für ihn, dass er nicht eingeladen war und wurde weder von Leitkuh Murera noch von ihren Stellvertreterinnen begrüßt wurde. Murera entschied sich, drinnen zu bleiben, und ließ die Nachtschwärmer hinter dem Zaun warten, bis der Bulle sich zurückzog. Der Bulle tat so, als würde er Wasser trinken, aber seine eigentliche Absicht war es, zu verweilen, bis Murera und ihre Schützlinge herauskamen. Diese waren jedoch schlauer, als er erwartet hatte. Sie warteten so lange, bis er schließlich von selbst verschwand. Erst dann führte Murera die Waisen hinaus und brachte sie in die entgegengesetzte Richtung des Bullen. Unsere umsichtige Anführerin geht kein Risiko ein!

 

Monatsbericht für die Kaluku-Waisen: September 2025

Den Waisenelefanten geht es gut. Korbessa hat weiterhin das Sagen – wie könnte es auch anders sein! Sie beginnt und beendet ihren Tag gerne an der Spitze. Wir lassen sie morgens als Erste aus ihrem Gehege, dann dreht sie eine Runde durch das Gelände, um sich die „Bonusflasche” zu holen, von der sie weiß, dass sie auf sie wartet. Die Bonusflasche begann vor vielen Monaten, zunächst als einmalige zusätzliche Milchportion nach dem Frühstück. Aber bei Korbessa gilt: Wer ihr einen Finger reicht, muss ihr die ganze Hand geben, und jetzt erwartet sie diese Belohnung jeden Tag. Die Jungs wollen und erwarten keine Bonusflasche für sich selbst – sie scheinen zu wissen, dass diese für die „Chefin” reserviert ist. Stattdessen beschäftigen sie sich mit Ringkämpfen.

Obwohl Toto älter und unabhängiger wird, kümmert er sich immer noch rührend um Korbessa und beschützt seine „kleine Schwester” mit Hingabe. Toto himmelt sie an und richtet sich immer nach ihren Wünschen. Er ist sehr sanft und geduldig mit allen, besonders aber mit Korbessa. Wenn sie zusammen spielen, fällt uns auf, dass er darauf achtet, nicht sein ganzes Gewicht einzusetzen.

Dies steht in krassem Gegensatz zu Natibu, der ständig seine Dominanz zur Schau stellen will. Im Grunde ist er ein netter junger Bulle, aber er nutzt jede Gelegenheit, um seine Stärke zu zeigen. Natibu ist auch ein ausgezeichneter Zeitmesser: Er weiß auf die Minute genau, wann die Milchflaschen fällig sind, und rennt mit Höchstgeschwindigkeit dorthin, obwohl er Korbessa selten beim Fressen schlägt. Wir nennen ihn Kalukus Uhr! Interessanterweise sehen Natibu und Toto sich immer ähnlicher. Es gibt zwar kleine Unterschiede – Toto hat markantere Stoßzähne, Natibu ist langbeiniger und hat eine Kerbe im Ohr –, aber ihre Kopfform und Körperproportionen sind bemerkenswert ähnlich.

Mwinzi hingegen ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Er ist für einen jungen Bullen seines Alters ungewöhnlich groß und stämmig, aber dennoch sanft und höflich. Mwinzi ist ein ausgesprochen unabhängiger Elefant, der seine Zeit alleine schätzt. Oft zieht er sich in die Büsche zurück und genießt dort stundenlang sein privates Festmahl. Mwinzi hat keine Angst vor anderen Tieren. Tatsächlich scheint er aktiv nach wilden Elefanten zu suchen – wenn er sie riecht oder ihre Fußspuren findet, will er ihnen folgen, sehr zum Leidwesen der Keeper. Er hat auch Freude daran, die kleineren Waisen zu verjagen, wenn sie in „sein“ Revier eindringen.

Das kleine Elefantenbaby das wir Ende Mai gerettet haben, gedeiht weiterhin prächtig. In dieser empfindlichen Phase wird es im Stall für Neugeborene aufgezogen, obwohl es sich der größeren Herde hier und da für Ausflüge anschließt.

 

Aus dem englischen Original (Quelle: Sheldrick Wildlife Trust) übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenpflichtige Version), editiert von Kristina Rösel; Fotos mit freundlicher Genehmigung des Sheldrick Wildlife Trust