Update zur Trophäenjagd im Norden Tansanias

Wie wir an dieser Stelle berichtet hatten, wurde durch die Regierung Tansanias im Jahr 2023 ein seit 1995 bestehendes Verbot der Trophäenjagd auf Elefanten in Nord-Tansania aufgehoben. Innerhalb weniger Monate fielen den Jägern fünf große Elefantenbullen zum Opfer, darunter Gilgil, der Sohn Goldas, einer Matriarchin der GB-Familie aus Amboseli.

 

Gilgil, das erste Opfer der wieder aufgenommenen Trophäenjagd in Nord-Tansania
Gilgil, das erste Opfer der wieder aufgenommenen Trophäenjagd in Nord-Tansania

 

Golda (zweite von rechts) wird ihren Sohn Gilgil nie wiedersehen
Golda (zweite von rechts) wird ihren Sohn Gilgil nie wiedersehen

 

Wir halten die Trophäenjagd grundsätzlich für ethisch nicht vertretbar, doch in Nord-Tansania kommen besondere Gründe hinzu, die für ein Jagdverbot sprechen. Die hier anzutreffenden Elefanten sind keineswegs ausschließlich in Tansania sondern ebenso im nördlichen Nachbarland Kenia zu Hause, wo die Trophäenjagd seit 1977 verboten ist. Es handelt sich um eine sogenannte „Cross-Border-Population“, deren Lebensraum sich vom Amboseli-Nationalpark im Norden bis zum Kilimanjaro im Süden erstreckt. Sie besteht aus ca. 350 Tieren (die Gesamtzahl der Elefanten Amboselis liegt bei ca. 2.100 Tieren), darunter mehreren der letzten Super-Tusker Afrikas. Für beide Länder spielen die Elefanten der Cross-Border-Population eine wichtige Rolle im Fototourismus – vor allem die Super-Tusker, welche das Hauptziel der Trophäenjäger sind. Die Jagd schadet daher dem Fototourismus sowohl Kenias wie Tansanias, was von kenianischer Seite Proteste auslöste.

Darüber hinaus sind die Elefanten des Amboseli-Ökosystems Gegenstand der weltweit längsten Studie zum Verhalten und Leben wilder Elefanten, des Amboseli Elephant Resarch Projects, gegründet von Dr. Cynthia Moss im Jahr 1972. Dieses Projekt ist unter anderem deshalb so erfolgreich, weil die Elefanten Amboselis von Wilderei und Trophäenjagd weitgehend verschont geblieben sind. So konnten sie ihre natürlichen Sozialstrukturen und Verhaltensweisen fast unbeeinflusst von menschlichen Einflüssen bewahren. Die Trophäenjagd würde dies dramatisch ändern, da ihr vor allem die ältesten Bullen zum Opfer fielen, die in der Elefantengesellschaft als bevorzugte Paarungspartner von Elefantenkühen, aber auch als Lehrer jüngerer Bullen eine große Rolle spielen.

 

Esau trägt jetzt ein Senderhalsband
Esau trägt jetzt ein Sender-Halsband

 

Zu den eindrucksvollsten Bullen der Cross-Border-Population zählt Esau, ein Bulle aus der EB-Familie. Und genau deshalb ist er besonders gefährdet, sobald er die Grenze nach Tansania überquert. Nachdem er wegen einer Verletzung, die er sich bei einem Kampf mit einem anderen Bullen zugezogen hatte, tierärztlich behandelt werden musste, nutzte man die Gelegenheit ihm auch ein Halsband mit Sender anzulegen. Das sollte ihm Schutz vor Jägern bieten, da diese – wenigstens im Normalfall – keine Wildtiere mit Sendern töten, welche man als Gegenstand eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts anerkennt. Im Fall der Amboseli-Elefanten müsste man allerdings der gesamten Population diesen Status zusprechen – ob sie nun einen Sender tragen oder nicht. Dies ist allerdings nicht der Fall,  und da man nicht alle Elefanten mit einem Sender ausstatten kann,  bleibt es für die meisten von ihnen – vor allem die großen Bullen – ein großes Risiko, wenn sie nach Tansania wandern.

Der Amboseli Trust for Elephants, ElephantVoices und die Big Life Foundation hatten daher einen Appell an die Regierungen Kenias und Tansanias gerichtet, gemeinsam das Jagdverbot auf Elefanten zumindest in Nord-Tansania wieder in Kraft zu setzten. Außerdem starteten diese und zahlreiche weitere Organisationen sowie Firmen (vor allem aus dem Tourismus-Bereich) eine Petition mit derselben Forderung an die tansanische Regierung, welche auch viele unserer Follower unterstützt haben. An dieser Stelle unseren herzlichen Dank an alle, welche diese Petition unterzeichnet haben. Ebenso danken wir allen Unterstützern, welche Briefe an die Botschaften Kenias und Tansanias geschickt haben, welche ebenfalls den Appell enthielten, die Elefantenjagd in Nord-Tansania wieder zu beenden.

 

Esau besucht die AA's (ganz links Angelina)
Esau besucht die AA’s (ganz links Angelina)

 

Leider gab es bis heute von der tansanischen Regierung keine Antwort auf irgendeine dieser Forderungen. Allerdings hätten bereits im Juli 2024 neue Jagdquoten für Nord-Tansania bekannt gegeben werden sollen. Das ist aber bis heute nicht geschehen.

Die Situation ist alles andere als wirklich zufriedenstellend, denn man muss immer damit rechnen, dass die Trophäenjagd wieder aufgenommen wird. Andererseits gibt die inzwischen seit bereits anderthalb Jahren nicht erfolgte Veröffentlichung der neuen Jagdquote doch Hoffnung, dass es inzwischen eine inoffizielle Einigung Kenias und Tansanias gibt, welche wenigstens im Norden Tansanias die Jagd auf Elefanten wieder dauerhaft beendet hat. Wir können nur hoffen, dass dies der Fall ist und auch so bleiben wird.

Sobald wir relevante neue Informationen zu diesem Thema erhalten werden wir sie hier selbstverständlich ebenfalls veröffentlichen.

 

(Das Foto von Gilgil wurde uns mit freundlicher Genehmigung des Amboseli Trust for Elephants zur Verfügung gestellt, alle anderen von Christian Haberl)